Chaostage: Kerns Selbst-Inszenierung auf Kosten der SPÖ

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Chaostage: Kerns Selbst-Inszenierung auf Kosten der SPÖ

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Mit Überraschung vernahm ich gestern die ersten Gerüchte, wonach Christian Kern die Parteiführung der SPÖ zurücklegen könnte (“Wochenblick” berichtete). Von einem Wechsel in die Privatwirtschaft war zu diesem Zeitpunkt die Rede, einem Komplett-Rückzug aus der Politik oder einem Abschied im Streit.

Ein Kommentar von Chefredakteur Christian Seibert

SP-Insider sprechen von Chaos

Doch wer die SPÖ und ihre Außendarstellung in den vergangenen Monaten seit der Wahl genau beobachtet hatte, den vermochte es nicht weiter zu verwundern, dass alles doch ganz anders kam. Aus dem Polit-Aus wurde eine Spitzenkandidatur für die EU-Wahl 2019, der sofortige Rückzug als Parteichef entpuppte sich als geordneter Übergang bis „spätestens“ nach der EU-Wahl.

Nun könnte man meinen, dass die Ausgangsgerüchte nicht ganz stichhaltig gewesen seien, was in dem einen oder anderen Fall auch richtig gewesen sein mag. Doch wie uns eine Quelle aus dem Umfeld der Landes-SPÖ mitteilte, herrschte in Teilen der Partei nach Bekanntwerden großes Chaos, die Telefondrähte glühten.

Einige Entscheidungsträger wollten Kern zum Bleiben überreden. Am Ende rief sich Christian Kern zum SP-Spitzenkandidaten aus, ohne ein Parteigremium mit der Kandidatenkür zu bemühen. Die Vorgehensweise Kerns soll zu massivem Unverständnis an der Basis geführt haben.

christian kern asylwerber asylanten hol dir was dir zusteht
Christian Kern galt insbesondere aufgrund seiner Asyl-Politik als umstritten.

Mysteriöser Meinungsumschwung

Teile der SP-Funktionäre fühlen sich verraten. Doch auch beim Wähler dürfte Kerns Schwenk nicht allzu gut angekommen zu sein – hat er doch noch vor wenigen Wochen im „ORF-Sommergespräch“ angekündigt, er werde keinesfalls als Spitzenkandidat bei der Europawahl 2019 antreten und Parteivorsitzender bleiben. Spontane Meinungsschwenks ist man in der Politik längst gewohnt. Besonders schwer wiegen diese jedoch bei Politikern, die für sich einen besonders hohen moralischen Standard beanspruchen. Christian Kern war so ein Politiker. Stets forderte er einen „neuen Stil“ in der Politik ein.

Sein Wortbruch innerhalb weniger Wochen wird ihm für die Europa-Wahl 2019 nicht gerade helfen und ist ein Eigentor sondergleichen für die Partei. Verteidigt wird Kern nur mehr noch von ein paar versprengten linken “Standard”-Journalisten und – wie könnte es anders sein – vom ORF! So fragte Kerns Urlaubspartner (!) Tarek Leitner seinen ORF-Kollegen Hans Bürger ernsthaft, ob Kern mit seiner One-Man-Show gar einen „gelungenen Coup“ gelandet haben könnte.

„Regierungs-Inserate“: ORF bekam zusätzlich 20 Millionen
Gemäß eines “Standard”-Artikels bekam der ORF im Jahr 2016 20,4 Millionen Euro von den Ministerien oder staatsnahen Unternehmen – also auch während der Regierungszeit von Christian Kern.

EU-Job als Ziel

Diese völlige Realitätsverweigerung vereint den roten ORF mit Teilen der SPÖ. Kern selbst wird nun nach der Europawahl auf einen EU-Topjob in Brüssel schielen. Bundeskanzler Sebastian Kurz hat heute schon indirekt dementiert, dass Kern auch bei einem Wahlsieg den künftigen EU-Kommissar stellen könnte. Doch auch ohne Kommissarsposten wird man sich um die EU-Karriere von Kern keine Sorgen machen müssen.

„Politik besteht zu 95 Prozent aus Inszenierung“, hat der ehemalige ÖBB-Manager Christian Kern einst gesagt, als er die politische Bühne betrat. Mit seinem unwürdigen Abgang auf Raten zeigt er, dass es ihm persönlich hauptsächlich um die Selbstinszenierung geht…

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