Die Wien-Wahl wird zeigen was HC Strache ohne die FPÖ kann

Spaltet er das Dritte Lager?

Die Wien-Wahl wird zeigen was HC Strache ohne die FPÖ kann

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Strache bleibt dabei: Er habe die FPÖ erst groß gemacht. Ohne ihn sei die Partei gar nichts. Die Erfolge, die die Partei seit 2005 erlebte, seien allesamt ihm zuzurechnen. Am Sonntag wird er selbst gegen jene Partei antreten, die er geschaffen haben will. Die Wien-Wahl wird nicht nur zeigen, ob die FPÖ Heinz-Christian Strache braucht, sondern auch, inwieweit Strache die Partei brauchte.

Am 23. April 2005 wurde Strache in Salzburg mit 90,1 Prozent der Stimmen zum Parteiobmann der FPÖ gewählt. Damals stand die FPÖ nach der ernüchternden Koalition mit der Schüssel-ÖVP nur noch auf 10 Prozent der Wählerstimmen. Dabei ging die FPÖ die Koalition mit der ÖVP noch mit einem historischen Ergebnis von 26,9% der Wählerstimmen als zweitstärkste Partei ein. Das Beugen der FPÖ gegenüber der ÖVP-Positionen habe im Dritten Lager für Ernüchterung gesorgt, sollten kritische Beobachter den rapiden Absturz später beurteilen. Für seinen Vorgänger Jörg Haider zeigte Strache damals wenig Verständnis.

Strache über Haider: „Charakterloser Judas“

Heinz-Christian Strache ging besonders offensiv damit um, dass Jörg Haider der FPÖ den Rücken kehrte. 2008 sprach Strache in einer TV-Konfrontation Haider das Du-Wort ab: “Ich pflege das von Ihnen angewandte Du-Wort nicht. Ich bin schwer enttäuscht von Ihnen. Sie haben aufgehört, die freiheitlichen Werte zu vertreten. Sie sehen die Politik durch Ihre selbstverliebte Brille. Sie wollten das freiheitliche Lager ermorden.” Weiters bezeichnete er Haider als „gescheiterten Altpolitiker, dessen Zeit eindeutig vorbei ist“, als „falschen Propheten“ und nicht zuletzt als „charakterlosen Judas“. Mittlerweile ist er selbst den nahezu selben Anschuldigungen durch seine ehemaligen Weggefährten ausgesetzt.

Prozesse nach der Wien-Wahl

Durch den aufflammenden Spesenskandal im Zuge der Ibiza-Causa musste Heinz-Christian Strache der FPÖ letztlich selbst den Rücken kehren. Die dahingehenden Vorwürfe weist er entschieden zurück.
Mehr als eine halbe Million – 580.832,82 Euro – soll Strache nach derzeitigem Stand von der FPÖ veruntreut haben. Strache streitet die Vorwürfe vehement ab. Seither liefen 37 Ermittlungsverfahren gegen Strache, die meisten werden erst nach der Wien-Wahl abgeschlossen sein. In mehreren Fällen wird er sich auch aufgrund von Korruptionsvorwürfen vor Gericht verantworten müssen. So besteht der Verdacht, dass Strache als Vizekanzler Förderungen für die Schönheitsklinik eines befreundeten Ex-Rennfahrers lukrierte, nachdem er von diesem einen Luxusurlaub auf dessen privatem Anwesen spendiert bekam.

Stehaufmännchen bis zum bitteren Ende

Dass er sich nicht unterkriegen lässt, bewies Strache bereits, als er in einer ORF-Sendung mit Fotos angeblicher Wehrsportübungen konfrontiert wurde. Es habe sich um „Gotcha“-Spiele gehandelt, einen begehrten Sport, der mit Neonazismus nichts zu tun habe, wusste sich Strache – wie immer -gekonnt zu behaupten. Den schlimmsten Schlag versetzte ihm letztendlich das Ibiza-Video. Verständlich: Denn wie auch immer man zu Strache steht, niemand würde – heimlich, beim privaten Trinkvergnügen mit attraktiven Frauen, gefilmt – international vorgeführt werden wollen. Den Anblick des prahlerischen – späteren – Staatsmannes im labbrigen Urlaubs-Leiberl beim Vodka-Bull-Trinken konnten ihm wohl nur die wenigsten verzeihen.

Unterstützung aus dem Balkan-Milieu

Und so verlor Strache die Partei, für die er alles gegeben haben will und von der er auch reichlich genommen haben soll. Doch Strache weiß sich auch in dieser Situation zu behaupten. In der Privatwirtschaft sah er für sich wohl wenig Aussichten. Ex-FPÖ-Politikern fehlen die Seilschaften zu den großen Firmen mit möglichen Versorgungsposten, von denen die großen Systemparteien zehren können. Und so begab er sich mit Unterstützung des ehemaligen FPÖ-Beraters Gernot Rumpold erneut in den politischen Ring. Das Rennen um die Unterstützungserklärungen in Wien war zäh. Doch Strache wusste sich auch in dieser Situation zu helfen. So ging er – ausgestattet mit Frankfurterwürsteln – vor allem im Wiener Balkan-Milieu auf die Jagd nach Unterstützungserklärungen – und konnte diese gerade noch für die Kandidatur seines „Team HC – Allianz für Österreich“ zusammenbringen.

Ein echter Wiener… Neuburger?

Zwischendurch kam das Thema auf, dass Strache gar kein Wiener sei – was dieser heftig bestritt. Monatelang empfing er Journalisten in seiner Villa in Klosterneuburg, für welche die FPÖ jahrelang die Miete bezahlte. Zum Stichtag für die Kandidatur bei der Wien-Wahl wollte er seinen Lebensmittelpunkt aber wieder in der kleinen Zweizimmerwohnung seiner Mutter in Wien-Landstraße verorten. Als sich die Frage auftat, weswegen seine Frau Philippa in Neusiedl am See gemeldet sei, erklärte er, dass sie bereits getrennt seien. Strache verlor nach der Ibiza-Causa also nicht nur “seine” Partei, sondern auch noch seine Ehefrau. Die Wahlkommission entschied zu seinen Gunsten, letztlich sollte seine Kandidatur auch daran nicht scheitern.

“Mundl” mit FPÖ-Programm

Daraufhin begann sich Strache in Anlehnung an den beliebten Edmund „Mundl“ Sackbauer, als „echten Wiener“ zu stilisieren, der wie das Vorbild bekanntlich „nicht untergeht“. Die Strategie dürfte aufgegangen sein, zu seiner Wahlkampfveranstaltung am Viktor-Adler-Markt gelang es ihm doch, einige hundert Fans zu mobilisieren. Inhaltlich ließ sich Straches Linie kaum von jener der FPÖ unterscheiden. So spricht er sich nach wie vor für die Rechte der Raucher und der Gastronomie aus, kritisiert – ebenso wie die FPÖ – die Corona-Politik der Regierung und gibt sich – wenn auch verhaltener – nach wie vor zuwanderungskritisch.

Nepp kritisierte Egoismus: „Höre nur ich, ich, ich“

Während sich Strache in der Debatte nach wie vor gut gegen die Grüne Birgit Hebein behaupten konnte, schien er in der Diskussion mit seinem ehemaligen Zögling und mittlerweile Feind Dominik Nepp, ein wenig ins Straucheln zu geraten. Wie Strache damals gegenüber Jörg Haider, warf ihm Nepp vor, sich selbst immer in den Mittelpunkt zu stellen, die Partei habe er dabei hintangestellt: „Ich höre ständig nur ich, ich, ich.“, kommentierte Nepp die psychische Verfassung seines ehemaligen Chefs in väterlichem Ton, während Strache wirkte, als stehe er kurz vor der Explosion.

Strache: Mit Frauen und Migranten gegen die FPÖ

Strache macht der Wiener FPÖ unter Nepp hingegen den Vorwurf, dass zu wenig Ausländer und Frauen auf der Liste vertreten seien und verwies dabei ebenso auf einen serbisch-stämmigen Polizisten wie eine beträchtliche Anzahl an Frauen auf seiner HC-Liste. Dominik Nepp entgegnete, dass die Wiener FPÖ-Liste doch eh von Strache selbst erstellt worden sei und er die Kritik daran nicht verstehe. Es ist eine interessante Positionierung, die Strache mit seiner neuen Liste damit vornimmt. So gibt er sich betont weltoffen, indem er sich während des Wahlkampfes gezielt mit Migranten und auch Dunkelhäutigen ablichten ließ. Er möchte offenbar im Wählerpool der „Mitte“ fischen und positioniert sich gezielt ein Stück weiter links als die FPÖ.

Ob diese Anbiederung an den Mainstream von seinen früheren Wählern goutiert wird, oder er neue Wähler für sich gewinnen kann, wird die Wien-Wahl am Sonntag zeigen. Sollte Straches Team den Einzug in den Wiener Landtag schaffen, so wäre die Spaltung des Dritten Lagers damit offiziell besiegelt.

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