Enormer Aufwand: IS-Kinder nach Österreich zurückgeholt

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Kinder der Islamistin Sabina S. sind "daheim"

Enormer Aufwand: IS-Kinder nach Österreich zurückgeholt

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Seit Wochen brodelte die Gerüchteküche über eine Rückholung der Kinder der bosnischstämmigen Sabina S., die sich 2014 von Wien aus dem Terroristen-Staat „IS“ angeschlossen hatte. Die Großmutter der Frau erreichte am Rechtsweg die Anerkennung der österreichischen Staatsbürgerschaft und somit die Rückholung auf diplomatisch/polizeilich/militärischem Wege.

„Was kostet den Steuerzahler diese Rückholung?“ fragte ein Facebook-Nutzer. „Wäre interessant zu wissen … kein Geld vorhanden in Österreich für Behinderte, kranke Menschen, Pensionisten, Obdachlose, überall wird gekürzt…“, schrieb er sich in Rage. Fragen, die vermutlich auch andere Österreicher bewegen, die mit ihrer Steuerleistung zur Rückholung der beiden mutmaßlichen Vollwaisen beitrugen.

In Wien radikalisiert

Man geht davon aus, dass der Vater der Kinder im “Islamischen Heiligen Krieg” getötet wurde. Auch die Mutter, Sabina S., die sich im Alter von 15 Jahren von Wien aus über Ankara und Adana zum Islamischen Staat absetzte, soll in Syrien ums Leben gekommen sein. Die Tochter bosnischer Einwanderer wurde in der Altum-Alem-Moschee in Wien radikalisiert, wo der Salafist Ebu Tejma predigte. Gemeinsam mit einem anderen Mädchen im Alter von 16 Jahren entschied sie sich 2014 dazu, dem Islamischen Staat beizutreten, für den Islam zu kämpfen und dort vor Ort islamistische Terroristen zu heiraten.

Später tauchten im Internet Fotos der beiden Jugendlichen auf, auf denen sie Burkas und Sturmgewehre trugen. Die Zeitung „Paris Match“ wollte im Jahr 2015 erfahren haben, dass beide tschetschenische Kombattanten geheiratet hätten. Damals hätten sie aber ihre Meinung bereits geändert gehabt und wollten zurück nach Österreich. Dies wäre ihnen von ihren Männern aber nicht gestattet worden. In Folge gab es verschiedene Berichte über den Verbleib von Sabina S. Englische Medien berichteten schon im Jahr 2015 von ihrer Ermordung bei einem Fluchtversuch. Der Anwalt ihrer Mutter gab hingegen an, dass die junge Frau erst im Jahr 2019 in Baghouz ums Leben kam – was auch viel eher zum Alter der beiden Kinder passt.

Die Mutter von Sabina bzw. die Großmutter der beiden mutmaßlichen Waisenkinder, Senada S., hatte seit längerer Zeit mit juristischen Mitteln für eine Rückholung gekämpft. Unterstützung erhielt sie dabei von  Thomas Schmidinger, einem Politikwissenschaftler und Aktivisten. Sehr bekannt wurde Schmidinger vor kurzem, als ihm die USA im September die Einreise verwehrten – das gleiche Schicksal hatte im März den Identitären-Chef Martin Sellner ereilt.

Senada S. und Schmiedinger hatten die Kinder in einem kurdischen Gefangenenlager in der Provinz Al-Hasakah lokalisiert. Die kurdische Eigenverwaltung stimmte der Herausgabe der Kinder aber nicht zu, solange die österreichische Staatsbürgerschaft nicht nachgewiesen werden konnte. Auf juristischem Wege wurde das Sorgerecht der Großmutter anerkannt und die Staatsbürgerschaft auf Basis einer DNS-Probe im August bestätigt. Bei dem DNS-Abgleich soll auch die UNICEF beteiligt gewesen sein. Da die Mutter über die österreichische Staatsbürgerschaft verfügte, überträgt sich diese automatisch auch auf ihre in Syrien geborenen Kinder. Österreich ist rechtlich dazu verpflichtet, Staatsbürger zurückzuholen.

Bundesheer organisierte Rückholung

Als die ersten Medienberichte hinsichtlich einer Rückholung konkreter wurden, fragte Wochenblick beim Ministerium für Landesverteidigung nach, welches ans Außenministerium verwies. Dieses war damals zu keiner Auskunft bereit.

Am Mittwoch, dem 2. Oktober, landeten die beiden IS-Kinder am Flughafen Wien. Sie waren an der syrisch-irakischen Grenze an eine österreichische Delegation übergeben worden. Die Rückholung wurde wohl durch das Bundesheer organisiert, welches die Kleinkinder abschirmte und zur Untersuchung in ein Heeresspital brachte. Es handelt sich um zwei Jungen im Alter von 3 und 1 Jahren.

Noch ungeklärt ist der Fall der Maria G., einer Salzburgerin, die ebenfalls mit zwei Kindern im kurdischen Gefangenenlager Al-Hol inhaftiert ist. Auch in diesem Fall wird von einer Rückholung ausgegangen. Sollte Maria G. nach Österreich zurückkehren, wartet ein Gerichtsverfahren auf sie.

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