Grüner Eifer: Klagenfurter Kaserne soll Namen eines Kommunisten tragen

Bisheriger Namenspatron angeblich "umstritten"

Grüner Eifer: Klagenfurter Kaserne soll Namen eines Kommunisten tragen

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Ein neues Kapitel der Umbenennungsorgien wegen historischer Belastung haben jetzt die Bundes-Grünen aufgeschlagen: Sie wollen die Namenswidmung der Windisch-Kaserne in Klagenfurt ändern. 

Bislang trägt diese den Namen von Generalmajor Alois Windisch (1892-1958), der im ersten Weltkrieg den Maria-Theresien-Orden und im zweiten Weltkrieg das Ritterkreuz verliehen bekam. Weil dieser an umstrittenen Feldzügen in Skandinavien teilnahm, wollen die Grünen stattdessen den kürzlich verstorbenen Wehrmachtsdeserteur Richard Wadani (1922-2010) ehren. Wie der ORF am Dienstag berichtete, nahmen die Grünen den 75. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslager Mauthausen als Anlass für den Vorstoß.

Ex-Kommunist anstelle eines Kommunismus-Opfers?

Brisant an der geplanten Umbenennung ist aber weniger das polarisierende Wirken von Alois Windisch in den Kriegsjahren, sondern sein späteres Schicksal. Windisch wurde nämlich im kommunistischen Tito-Regime in Jugoslawien von Partisanen gefoltert und in einem unfairen Prozess zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Anschließend musste er bis 1952 in einer Todeszelle ausharren. Die Bedingungen dort waren derart grausam, dass er an den Folgen der Entbehrungen nur sechseinhalb Jahre nach seiner Enthaftung verstarb.

Umso pikanter ist also, dass an die Stelle eines Opfers eines kommunistischen Regimes nun ausgerechnet ein Ex-Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) treten soll. Dieser blieb Wadani nämlich viele Jahre lang treu, erst nach brutaler Niederschlagung des Prager Frühlings im Jahr 1968 kehrte er dieser Gesinnungs-Gemeinschaft den Rücken. In späteren Jahren setzte er sich vehement für die Aberkennung des Ehrengrabs für den Jagdpiloten Walter Nowotny (1920-1944) in Wien ein.

In diesem Jahr bereits Kaserne in Wien umbenannt

Es ist nicht die erste angedachte Umbenennung einer Kaserne in jüngerer Vergangenheit: Bereits im Jänner taufte man die Rossauer Kaserne in Wien auf Bernardis-Schmid-Kaserne. Die Umwidmung, die noch auf Initiative des Verteidigungsministers der Übergangs-Regierung, Thomas Starlinger, zurückgeht, ist weniger brisant – Anton Schmid (1900-1944) versteckte hunderte Juden des Wilnaer Ghettos; Robert Bernardis (1908-1944) gehörte zu den Verschwörern des 20. Juli 1944 im Stauffenberg-Gefolge. Ihre Rezeption ist in der Zweiten Republik einhellig positiv.

FPÖ: Debatte ist “Ablenkungsversuch” der Regierung

Im Fall der Windisch-Kaserne in Klagenfurt ist indes unklar, ob die Anregung von Eva Bliminger, der gedenkpolitischen Sprecherin der Grünen, zur Umsetzung kommt. Diese stellt den Namensträger einseitig anhand seiner Rolle im zweiten Weltkrieg dar: “Nach dieser Person sollte keine Kaserne benannt sein”. Unklar bleibt, ob sie dem Image ihrer in Kärnten vor zwei Jahren krachend aus dem Landtag geflogenen Parteikollegen einen Gefallen mit dem Vorschlag tut.

Wie das Verteidigungsministerium jedenfalls betont, seien allfällige solche Anträge eine Aufgabe der militär-historischen Denkmalkommission. Kritik übt die Kärntner FPÖ am Vorschlag: Die Debatte darüber sein vor allem ein Versuch, “vom Versagen in der Bundesregierung” abzulenken. Die Bevölkerung jedenfalls hätte gegenwärtig andere Sorgen als Namen von Kasernen.

Umbenennungs-Diskussionen als Polit-Dauerbrenner

Dass man Persönlichkeiten aufgrund deren vermeintlicher oder tatsächlicher historischer Belastung eine Widmung ehrenhalber streicht, ist keine neue Debatte. Für bundesweite Diskussionen sorgte etwa die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Ringes in der Wiener Innenstadt. Immer wieder regen gerade linksgerichtete Akteure solche Aktionen an, wobei einige Städte wie Innsbruck oder Graz mittlerweile als Kompromiss “belastete” Straßen- oder Gebäudenamen mit Zusatztafeln kennzeichnen.

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