Hofer: „Dass der Wechsel in Freundschaft vollzogen wird, war mir wichtig.“

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„FPÖ soll nie wieder an sich scheitern“

Hofer: „Dass der Wechsel in Freundschaft vollzogen wird, war mir wichtig.“

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Seit seinem Rücktritt als FPÖ-Parteichef liefen die Telefone bei Norbert Hofer heiß. Alle wollten sie das erste Interview mit Norbert Hofer nach dem Obmannwechsel, in dem er über seine Beweggründe spricht und aufklärt, wie es wirklich zum Wechsel kam. Doch Norbert Hofer entschied sich gegen die Mainstream-Medien. Stattdessen zog er exklusiv mit dem „Wochenblick“ Resümee.

Ein Interview geführt von Bernadette Conrads

Es gab viele Gerüchte rund um den Obmannwechsel in der FPÖ. Was ist nun die Wahrheit?
Ich hatte die Entscheidung dazu bereits einige Zeit zuvor getroffen und letztendlich während der Reha. Es war mir wichtig, den Wechsel noch vor der Wahl in Oberösterreich zu erledigen. Herbert Kickl sagte, er möchte das gerne machen und die mediale Berichterstattung dazu wurde immer lauter. So war es für mich der richtige Zeitpunkt.

Aber Sie sagten auch, Sie haben die Entscheidung schon lange vorher getroffen?
Dass ich das nicht ewig mache, diese Entscheidung habe ich schon lange davor getroffen. Ich habe mich nie als jemand gesehen, der wie Strache über ein Jahrzehnt Obmann der FPÖ sein will. Sondern als jemand, der die Partei in einer Krise übernommen hat und sie ab dem Zeitpunkt, an dem sie wieder stabil ist, übergibt.

Das klingt ja ganz anders als die Darstellung der Mainstream-Medien. Diese schrieben von einem Streit zwischen Ihnen und Kickl.
Als ich Obmann geworden bin, habe ich gesagt, die FPÖ wird nie wieder an sich scheitern. Nicht an sich zu scheitern, heißt für mich auch, nicht zu streiten. Mir war wichtig, dass der Wechsel in Freundschaft vonstattengeht. Das hat dann natürlich am Parteitag viele überrascht, wie glatt und ohne Probleme der über die Bühne gegangen ist.

Wie haben Sie den Parteitag empfunden? Waren Sie wehmütig?
Ich bin kein sehr wehmütiger Mensch, wenn eine Sache für mich abgeschlossen ist, dann ist sie das. Ich habe mich irrsinnig gefreut über den großen Applaus und die Standing Ovations. Und der Dank, der von allen Seiten gekommen ist. Denn meine Wegbegleiter wissen auch, dass es gar nicht so einfach war, die Partei in der Phase nach Ibiza zu stabilisieren. Wir hatten ja auch andere Phasen, man denke nur an Knittelfeld. Das ist dieses Mal wesentlich besser gelaufen.

Was waren die Herausforderungen in der Zeit nach Ibiza?
Jeder Tag war eine Herausforderung, ich erfuhr täglich neue Dinge, die mich sehr geärgert haben. Die Details, wie man mit der Partei umgegangen ist, als wäre sie das Eigentum von jemandem. Doch wir haben die Probleme dann in aller Ruhe abgearbeitet, Pressearbeit gemacht und den Kontakt zu den wesentlichen Funktionären in der Partei gehalten.

Würden Sie sagen, dass es ein Opfer war, die Partei durch diese Phase zu führen?
Ja, natürlich. Niemand wollte in dieser Phase Obmann sein. Doch ich habe mein ganzes Leben für diese Partei gearbeitet und nicht nur ich. Meine Frau, meine Mutter und auch mein verstorbener Vater haben mitgearbeitet, um die Partei groß zu machen. Da sagt man eben nicht: ‘Das ist mir egal.’ Und ich muss sagen: Es war eine wirklich spannende Phase.

Derer hatten Sie in der Tat schon mehrere im Laufe Ihrer FPÖ-Karriere. Ich hab Ihnen einen Norbären aus 2016 mitgebracht. Da waren Sie ein sehr erfolgreicher Präsidentschaftskandidat und fast hätten Sie Van der Bellen geschlagen. Werden Sie wieder als Bundespräsident kandidieren?
Das ist ja lieb! Ja, das kam damals sehr überraschend. Die Angriffe aus dem Ausland und der mediale Druck waren auch sehr hart, das muss ich schon sagen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Aber es war in der Tat eine sehr spannende Zeit. Ob ich noch einmal kandidiere, das halte ich mir noch offen.

Was waren die wichtigsten Schritte, die Sie gesetzt haben?
Am wichtigsten war mit Sicherheit die Durchführung des Nationalratswahlkampfes. Wir waren da auch sehr erfolgreich mit unserer Strategie. Ich habe klar kommuniziert, dass wir die Regierung mit der ÖVP fortsetzen wollen und das haben sich die Österreicher auch damals noch gewünscht. In Umfragen standen wir kurz davor, die SPÖ zu überholen. Wir hätten trotz Ibiza die zweitstärkste Partei werden können! Doch dann kam die Spesenaffäre und dann war es aus. Das haben die Wähler nicht verziehen.

Aber das ist nun Schnee von gestern, die Partei haben Sie also stabilisiert. Und wie geht es jetzt mit Ihnen selbst weiter? Die Medien vermittelten zum Teil das Bild, Sie wären nun komplett weg, dabei sind Sie nach wie vor dritter Nationalratspräsident.
Ich mache es genauso wie etwa meine Kollegin Doris Bures und nehme meine Termine als dritter Präsident des Nationalrates wahr. Man ist aus der Tagespolitik natürlich ein Stück weit draußen. Aber es sind die großen Leitlinien und Themen, die einen in dieser Rolle beschäftigen. Das sind zum Beispiel Besuche von Botschaftern, das Knüpfen und Pflegen internationaler Kontakte. Und das ist auch wichtig. Zum Beispiel habe ich unlängst gemeinsam mit Norbert van Handel und dem stellvertretenden Landeshauptmann Oberösterreichs, Dr. Manfred Haimbuchner, den chinesischen Botschafter in Oberösterreich getroffen.

Spannend, wie kam es denn dazu?
Die Idee dazu entstand bei einem meiner Besuche in der chinesischen Botschaft in Wien während einer Aussprache. Das war ein wichtiger Besuch. Oberösterreichs Industrie-Unternehmen leisten ein Drittel des österreichischen Exports. Und natürlich exportieren sie auch nach China, das Land ist somit ein wichtiger Wirtschaftspartner. Und das war auch eine große Ehre, dass sich der chinesische Botschafter extra die Zeit genommen hat, nach Oberösterreich zu kommen und mit uns zu sprechen.

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