Kampf um Hanf: Legalisierung und Widerstand

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Protestpotenzial steigt – jetzt warnt UNO vor Gefährlichkeit von Cannabis

Kampf um Hanf: Legalisierung und Widerstand

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Zunehmend wird die Debatte über die mögliche Gefährlichkeit oder Nützlichkeit von Cannabis wieder entfacht. In Deutschland ist ein Gesetz zur Legalisierung von Cannabis geplant, in Österreich will eine Bürgerinititative eine “Entkriminalisierung” erreichen. Nun warnt die UNO, dass der vermehrte Konsum zu einer Belastung der Gesundheitssysteme führe.

Zunehmend wird der Cannabis-Konsum als Begründung für die Übersterblichkeit seit Einsetzen der Corona-Impfungen herangezogen. Dabei zeigt nicht erst die Hippie-Generation, dass das „Gras“ schon seit längerer Zeit von Menschen konsumiert wird. Schon in der Jungsteinzeit vor 12.000 Jahren wurde im Nordwesten Chinas Cannabis angebaut, womit es zu den ersten Kulturpflanzen überhaupt gehört. Ein Drittel bis zur Hälfte der Österreicher hat zumindest einmal in seinem Leben Marihuana konsumiert, schätzt die Gesundheit Österreich GmbH in einem Bericht aus 2017. Rund 1 % der EU-Bürger kifft täglich oder fast täglich. Die Wirkungen gehen auf die über 100 enthaltenen sogenannten Cannabinoide zurück. Die bekanntesten sind THC (Tetrahydrocannabinol), das den Rauschzustand auslöst, und CBD (Cannabidiol). CBD macht allerdings nicht „high“. Der Leiter des Zentrums für Cannabismedizin in Steinheim in Nordrhein-Westfalen, Dr. Franjo Grotenhermen, beschreibt in einem „Stern“-Artikel die umfangreichen Wirkungen von CBD: „CBD hat angstlösende, antidepressive, entzündungshemmende, antibakterielle, antipsychotische und antiepileptische Eigenschaften, um die wichtigsten zu nennen.“ Auch für die Abmilderung von Entzugssymptomen bei Abhängigkeit von Drogen, Alkohol und Schlafmitteln kann es eingesetzt werden, erklärt der Experte. „Bei einigen Personen fördert CBD den Schlaf, bei anderen wirkt es dagegen wach machend. Wie bei anderen Medikamenten ist die Wirksamkeit nicht bei jedem Patienten gleich.“

Schädlicher Dauerkonsum

Regelmäßiger Konsum wurde allerdings mit Husten, Kurzatmigkeit, Auswurfbildung, Engegefühl in der Brust, verschlimmertem Asthma und der Entwicklung einer chronischen Bronchitis in Verbindung gebracht. Es gibt auch Hinweise darauf, dass ein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen, COPD (eine chronische degenerative Lungenerkrankung) und Lungenkrebs besteht. Marihuana kann einen Bereich des Gehirns beeinflussen, der für die Angstkontrolle verantwortlich ist. Manche Menschen bekommen nach dem Konsum Panikattacken oder Angstzustände. Auch Depressionen sind unter Kiffern häufiger anzutreffen. Mehrere Studien deuten auch auf negative Auswirkungen auf kognitive Funktionen hin. Die Folgen für das Kurzzeitgedächtnis sind eindeutig, doch Marihuana beeinträchtigt auch das Langzeitgedächtnis. Übermäßiger Konsum kann niedrigen Blutdruck, Lebererkrankungen oder Diabetes verursachen, aber auch den Testosteronspiegel senken, was sich wiederum auf die Anzahl und Qualität der Spermien auswirkt. Marihuana kann auch bereits bestehende psychische Erkrankungen verschlimmern.

Konsum-Anstieg

Im Drogenbericht der UNO für 2022 heißt es: „Die Legalisierung von Cannabis in Nordamerika hat offenbar zu einem Anstieg des täglichen Cannabiskonsums geführt, insbesondere bei starken Cannabisprodukten und vor allem bei jungen Erwachsenen. In diesem Zusammenhang wurde auch über eine Zunahme von Menschen mit psychiatrischen Störungen, Selbstmorden und Krankenhausaufenthalten berichtet.“ Zurückzuführen ist dieser Effekt darauf, dass die heutigen Cannabisprodukte einen viel höheren THC-Gehalt aufweisen, als das früher der Fall war. Das ist allerdings mit all seinen gesundheitlichen Implikationen schon seit vielen Jahren bekannt.

Die Dosis macht das Gift

Studien zeigen, dass Marihuana hilft, den Druck im Auge zu senken. Es kann dazu beitragen, das Fortschreiten des Glaukoms, einer Augenkrankheit, die den Druck im Augapfel erhöht und zur Erblindung führen kann, zu verlangsamen. Eine 2012 veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass Marihuana die Lungenkapazität erhöhen kann. Doch Experten sind sich uneins darüber, ob diese Verbesserung auf Marihuana oder das tiefe Einatmen beim Rauchen zurückzuführen ist. Eine 2003 durchgeführte Studie hat gezeigt, dass Marihuana bei der Vorbeugung epileptischer Anfälle sehr hilfreich sein kann. Das liegt vor allem daran, dass THC sich an die Gehirnzellen bindet, die die Entspannung regulieren und die Erregbarkeit kontrollieren. Forscher haben ebenfalls herausgefunden, dass Kiffen Krebs daran hindern kann, sich im Körper auszubreiten und sogar helfen kann, Krebszellen zu töten. Der Konsum kann die Stimmung verbessern, Schmerzen lindern, Angstzustände vermindern und Übelkeit unterdrücken. Wegen Letzterem wird es häufig zur Behandlung der Nebenwirkungen einer Chemotherapie eingesetzt. Einige Studien haben ergeben, dass Kiffer schlanker sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Sie verstoffwechseln Zucker offenbar besser, sodass sie weniger Fett ansetzen. Marihuana wirkt als Beruhigungsmittel, wobei höhere Dosen den gegenteiligen Effekt haben – die Dosis macht eben das Gift.

Protest-Potenzial

Kiffen mache lethargisch, lautet eines der Vorurteile, die Marihuana schon lange begleiten. Sind die aktuellen Legalisierungsbestrebungen vor diesem Hintergrund zu sehen? Sollen sich die Menschen zuhause einkiffen und faul vor Computerspielen herumhängen, wie es WEF-Vordenker Yuval Noah Harari für die vielen „nutzlosen Esser“ vorschwebt? Falls das der Plan war, scheint er so nicht aufzugehen. Denn in den drogenfreundlichen Niederlanden toben gerade Proteste der Bauern, die die Eliten in die Verzweiflung treiben. Schon der Corona-Widerstand gestaltete sich dort nach Polizeigewalt äußerst widerspenstig. Dieses Phänomen zeigte sich auch in vielen US-Staaten, die Cannabis legalisiert oder entkriminalisiert haben. Dort gab es im Laufe der vergangenen Jahre mitunter kriegsähnliche Aufstände – vor allem von Black-Lives-Matter-Aktivisten – in den Marihuana-freundlichen Staaten Minnesota, Michigan und Kalifornien. Und auch im Corona-Widerstand finden sich zahlreiche „Kiffer“.
Darüber, ob die Phänomene in Zusammenhang zueinanderstehen, kann nur gemutmaßt werden, bedarf weiterführender sozialwissenschaftlicher Erforschung. Klar ist aber: Das Protestpotenzial wurde durch die Legalisierung in den betreffenden Staaten offensichtlich nicht gemindert. Ist das die Motivation, die hinter der plötzlichen Warnung der UNO steht?

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