Kommentar: Menschen dürfen niemals als Ungeziefer bezeichnet werden

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Kommentar: Menschen dürfen niemals als Ungeziefer bezeichnet werden

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„Die Menschen müssen begreifen, dass sie das gefährlichste Ungeziefer sind, das je die Erde bevölkert hat.“, sagte einst der österreichische Maler und Architekt Friedensreich Hundertwasser. Gewiss, der bekennende k.u.k.-Monarchist Hundertwasser wird damit den Hang des Menschen zur Zerstörung der Umwelt und zu seiner Neigung zu kriegerischen Auseinandersetzungen gemeint haben.

Ein Kommentar von Chefredakteur Christian Seibert

Skandalöse Karikatur

Auch wenn man Künstlern einen weiteren Rahmen des Sagbaren zugestehen muss, ist diese Aussage trotzdem abzulehnen! Man kann Menschen für ihr Handeln kritisieren, doch niemals für ihr Menschsein selbst. Man kann etwa die deutsche „Kapitänin“ Carola Rackete dafür kritisieren, dass sie sich als Schlepperin betätigte, dutzende afrikanische Migranten anstatt in die sicheren Häfen Tunesiens oder Marokkos lieber nach Lampedusa schiffte und somit italienisches Recht brach.
Natürlich kann man auch die „Identitäre Bewegung“ dafür kritisieren, dass sie vor dem „großen Austausch“ warnt. Deren Frontmann Martin Sellner monierte übrigens jüngst, dass wir eben nicht mehr von dem „Austausch“ schreiben. Ohne dabei zu erwähnen, dass wir trotzdem ungeschönt über die Folgewirkungen der Migration berichten. Es muss im Rahmen der Demokratie jedoch auch möglich sein, wertneutral über „Identitäre“ zu berichten, wenn diese mit nicht nachvollziehbaren Hausdurchsuchungen konfrontiert sind ohne sofort „IB-Nähe“ attestiert zu bekommen. Man sollte „Identitäre“ auch nicht in Karikaturform als Ungeziefer  darstellen, wie es in dieser Woche in den OÖNachrichten geschehen ist.

Menschen – kein Ungeziefer

Ganz besonders, wenn man sich selbst gerne das Gütesiegel des „seriösen Qualitätsmediums“ umhängt. Chefredakteur Gerald Mandlbauer hat angekündigt, sich für die Publikation der widerlichen Karikatur zu entschuldigen. Auch Fehler gehören im Journalismus dazu. Ob der Presserat hier ähnlich hart „richtet“ wie in der Vergangenheit gegenüber dem „Wochenblick“, bleibt abzuwarten. In einer Demokratie sollte man jedenfalls im Gespräch bleiben und nicht richten. Weil wir Menschen sind – und kein Ungeziefer.

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