Die eigene Wirtschaft ruiniert: Der Rubel rollt nach oben

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Völlig ins eigene Fleisch geschnitten

Die eigene Wirtschaft ruiniert: Der Rubel rollt nach oben

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Für die derzeitigen Probleme der Wirtschaft und auch die massiven Preissteigerungen und Teuerungen in allen Bereichen wird gern die Ukraine-Krise als Grund vorgeschoben. Doch in Wirklichkeit ist das Geschehen zwischen Lemberg und Lugansk nur ein zusätzlicher Tropfen, der das Krisen-Fass weiter zum Überlaufen bringt. Für die Politik ist er so ein willkommener Anlass, um von dem eigenen Versagen der letzten Jahre abzulenken.

„Die Inflation kommt nicht über uns als ein Fluch oder als ein tragisches Geschick; sie wird immer durch eine leichtfertige oder sogar verbrecherische Politik hervorgerufen“, sagte einmal der deutsche CDU-Politiker, Wirtschaftswissenschafter, Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard. So kommt auch die steigende Inflation jetzt nicht als plötzliches Ereignis, sondern ist unter anderem das Ergebnis der jahrelangen Niedrig- bzw. Null-Zins-Politik der EZB, die die Folgen der Wirtschaftskrise, der Griechenlandkrise usw. abfedern und die Wirtschaft wieder ankurbeln sollte. Zudem war es nötig, um den Euro-Raum zu stabilisieren und die gemeinsame Währung zu retten, da nur so eine Finanzierung möglicher Pleitestaaten gewährleistet worden konnte.

Gelddruckmaschine und Warenknappheit

Mit Staatsanleihenkäufen von mehr als 2.600 Milliarden Euro verdoppelte die EZB in den Jahren von 2015 bis 2019 nicht nur ihre Bilanz, sondern erhöhte auch die Geldmenge enorm. Und die Druckerpressen wurden nie wieder abgestellt, sondern liefen bei der Corona-Pandemie zu neuen Höchstleistungen auf. Die EZB-Bilanz liegt derzeit bei rund 8.000 Milliarden Euro. Und dieser „Überversorgung“ mit Geld stehen nun die Probleme der evidenzlosen aber überaus schädlichen Corona-Maßnahmen gegenüber. Durch ständige Lockdowns kamen Produktionen und auch die Lieferketten zum Stillstand bzw. wurden gestört. Als es dann wieder etwas anlief, traf eine riesige Geldmenge und eine wieder erhöhte Nachfrage auf ein vermindertes Angebot. Um die Folgen abzuschätzen, muss man kein Wirtschaftsexperte sein. Beschleunigt wird das Ganze noch, wenn es zu einem Sturm auf Sachwerte kommt und dadurch die Geldentwertung weiter befeuert wird.

Lieferketten durcheinander

Denn wie fragil das wirtschaftliche Gefüge ist, kann man seit der Pandemie beobachten. Dass der Total-Lockdown von Wuhan (China), des Verkehrsknotenpunktes und Industriezentrums Mittelchinas, die Preise für Halbleiter- und Elektronikbauteile in die Höhe schnellen ließ und zu ungewissen Lieferzeiten führte – und das weltweit – merkt man noch immer. Die Chip- oder Halbleiterkrise wird weiter andauern. Der Konzern „Intel“ rechnet mit einer Dauer bis mindestens 2024. Und dies ist natürlich nur ein kleiner Teil, der jedoch in viele Bereiche wie Automobilindustrie etc. ausstrahlt, wo Chips verbaut werden. Ebenso stiegen bereits während der Pandemie die Preise für Baustoffe wie Holz, Stahl oder Beton. Selbst die Lebensmittelpreise blieben nicht verschont, auch wenn sich dies nicht sofort bei den Verbrauchern bemerkbar machte. Aber schon im Mai 2021 waren starke Preissteigerungen bei Getreide oder Ölsaaten an der Tagesordnung. Einerseits durch Lieferengpässe und die dadurch bedingte höhere Nachfrage bei geringerem Angebot und auch durch Spekulationen an den Rohstoffbörsen. Schon damals wurde von verschiedenen Seiten vor den „teilweise historischen Preisausschlägen“ bei Weizen, Raps oder Mais gewarnt, die sich in wenigen Monaten auch in den Supermärkten niederschlagen könnten. Dazu kamen spätestens mit Jahresende noch die massiven Steigerungen bei den Energiepreisen hinzu. Dass man für Berichterstattung über derartige Probleme unter anderem von den „Profil“-Faktencheckern angegriffen wird, die sich auch nicht zu schade sind, um von „falschen Behauptungen“ oder „Horrormeldungen“ zu sprechen, wenn Wochenblick vor einer Verschärfung der Versorgungslage und einer möglichen Hungersnot warnt, geht auf keinen (Alu-)Hut mehr.

Krieg als billige Ausrede

Die wirtschaftlichen Verwerfungen nun auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu schieben, wie es die Politik derzeit tut, ist nichts weiter, als von dem eigenen jahrelangen Versagen abzulenken und nach billigen Ausreden zu suchen. Statt nun jedoch gegen die Krise wirksame Maßnahmen zu setzen, geht man mit der Sanktionspolitik gegenüber Russland noch daran, sie zu verschärfen. Und auch die fortlaufenden Corona-Maßnahmen und die Panikmache rund um das Virus machen es nicht besser. So sind die Auswirkungen des Knallhart-Lockdowns in Schanghai auf unsere Lieferketten noch gar nicht erst zu spüren. Dort, auf einem der größten Umschlagplätze der Welt, saßen aufgrund der Zero-Covid-Politik der chinesischen Regierung Hunderte Schiffe wochenlang fest und wurden nicht bedient.

Rubel steigt, Euro sinkt

Während man sich mit den Sanktionen ins eigene Fleisch schneidet, hat sich der (goldgedeckte) Rubel nach einem kurzen Fall erholt und ist auf seinem Allzeithoch– der Euro hingegen schwächelt. Zudem ist die Absage an russisches Öl und Gas nicht nur eine Gefährdung der Versorgungssicherheit der eigenen Bevölkerung, sondern auch ein Garant für weitere Preisanstiege. Zumal die Politik auch verkennt, dass sich Russland so nicht in die Knie zwingen lassen wird. Denn so viel darf man den Herrschenden im Kreml schon zutrauen, dass sie die neuen Sanktionen nicht unvorbereitet erwarteten. Bereits seit 2014 gibt es Sanktionen gegen Russland, das darauf seinerseits mit Einfuhrverboten, etwa für Lebensmittel, reagierte. Seitdem wurde die russische Landwirtschaft gezielt gefördert und vieles aus früherer Importwirtschaft, wie etwa Molkereiprodukte, wird nun selbst produziert. Andere Güter, wie etwa Früchte oder Gemüse, werden längst aus befreundeten Staaten importiert. Die Stimmen, die damals eine schlechte Versorgungslage für Russland wegen dieses Schrittes prophezeiten, waren rasch verstummt. Als damals die Frankfurter Allgemeine Zeitung den souveränen russischen Weg mit „Wohin Putin Russland führt, ist unklar. Aber immer deutlicher wird, dass auch die Bürger seines eigenen Landes seine Opfer werden“, kommentierte, konnte man noch nicht wirklich ahnen, dass diese schreckliche Prognose nun, rund 6 Jahre später, auf die EU-Bürger selbst zutrifft.

Quelle: Google

Erfahrung mit Krisen

Es mag den Russen tatsächlich schlechter gegangen sein, als uns derzeit noch, denn sie mussten auf vieles verzichten. So wie jetzt auf McDonalds, Coca Cola, Danone oder Netflix, die sich wie viele weitere US-Firmen im März vom russischen Markt zurückzogen haben. Aber man darf nicht vergessen, dass viele Russen die Sowjetunion er- und auch überlebt haben. Mangelwirtschaft, Versorgungsengpässe und eine angespannte Versorgungslage sind ihnen also nicht fremd. Doch sie mussten damals damit klarkommen und arrangierten sich und werden nun auch lernen, ohne McDonald, Coca Cola, Facebook und Google zu überleben. Fraglich ist allerdings, wie die verwöhnte westliche Wohlstandsgesellschaft mit Mangel klarkommt. Denn während Ljudmila oder Igor aus Tschjeljabinsk, Tobolsk oder Swjerinogolowskaja in ihrer durch den Kommunismus erlernten Leidensfähigkeit zur Not auf dem Acker ein paar Rüben klauben und Kleintiere halten, um damit durchzukommen, bleibt abzuwarten, wie gut sich die Bevölkerung der westlichen Staaten in Zukunft mit Mangel und Improvisation über Wasser halten kann.

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