Nazis und Bolschewisten: Der Propagandakrieg in der Ukraine

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Nazis und Bolschewisten: Der Propagandakrieg in der Ukraine

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Für Russland ist es eine „Sonderoperation zur Entmilitarisierung und Entnazifizierung“, für die Ukraine ein Kampf um das Überleben eines unabhängigen Nationalstaats. Viele dürften sich jedoch fragen, was Moskau mit dieser Formel eigentlich meint. Die Wurzeln der Kriegspropaganda gehen dabei weit zurück, mindestens bis in die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts.

Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung wird von Russland immer wieder plakativ ein ukrainischer Freiwilligenverband angeführt – das Regiment Asow. Dieses wurde 2014 für den Kampf gegen russische Separatisten in der Ostukraine aufgestellt und wurde wenige Monate später auch in die Nationalgarde eingegliedert.

Bild: GianlucaAgostini, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Immer wieder tauchten dabei auch Bilder im Internet auf, die der russischen “Entnazifizierungs-Legende” rechtzugeben scheinen. Auch das Abzeichen des Regiments (siehe Beitragsbild) dürfte spätestens westlichen linken Politikern einen Schauer über den Rücken jagen, sofern es der Nationalstolz der Ukrainer nicht schon zuvor getan hat.

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Schließlich ist in der EU und vor allem in Deutschland so etwas wie Patriotismus schon lange verpönt, auch wenn man jetzt im Zuge des Kriegs der Ukraine gewillt ist über seinen Schatten zu springen und längst geächtete Tugenden wie Heimatliebe, Heldenmut und Kampfgeist zu feiern bereit ist. Und sich zudem sogar gewillt zeigt, einem “nationalistischen” Staat Waffen zu schicken – auch wenn im Falle Deutschlands eine “Entsorgung militärischen Sondermülls” fast wahrscheinlicher scheint, da fast ein Drittel der auserkorenen Waffen unbrauchbar sind…

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Nazipropaganda aus dem Kreml

Für Russland sind die Bilder natürlich ein gefundes Fressen, um den Einmarsch zu rechtfertigen. Nachdem der Krieg gegen den Terror nicht zieht und die Demokratie von den USA gepachtet ist, besann man sich offenbar alten sowjetischen Vokabulars. Nicht ohne Grund erlebte in Russland in den vergangenen Jahren auch die Person Stalins eine Art “Wiederauferstehung” als großer Politiker und Generalissimus. Und nicht ganz umsonst sind auch die Hälfte der Mitglieder des Sicherheitsrates der Russischen Förderation durch die selbe Schule gegangen wie Wladimir Putin, durch die der Geheimdienste bzw. des KGB.

Junger Nationalstaat

Für die Ukraine ist es ein Überlebenskampf. Als junge Nation ist sie in ihrer Geschichte lange Zeit im Schatten (Litauen)-Polens, Österreichs und Russlands gestanden. Erst durch die russische Revolution im Zuge des ersten Weltkriegs kam es zur Gründung eigenständiger ukrainischer Nationalstaaten. Diese waren jedoch weiterhin umkämpft und auch Schauplatz des Bürgerkriegs zwischen „Weiß“ und „Rot“.

Die Ukrainische Volksrepublik und die Westukrainische Volksrepublik hatten daher keinen langen Bestand. Ihre Gebiete fielen an Polen, die Tschechoslowakei und Rumänien, der Großteil wurde von den Bolschewiken erobert. Zunächst wurde die ukrainische Sprache und Kultur in der Ukrainischen Sowjetrepublik gefördert. Auch die Kodifizierung des Ukrainischen erfolgte erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Russifizierung und Holodomor

Dies änderte sich in den 30er Jahren, als Stalin eine Anti-Volksgruppenpolitik in der Sowjetunion initiierte. Zudem kam es im Zuge der Zwangskollektivierung, der Verfolgung freier Bauern als „Kulaken“ und staatlicher Repressionen im Sinne einer Russifizierung, die alles ukrainische beseitigen sollte, zu einer Hungersnot, die auch als Holodomor bekannt wurde und von 1931 bis 1932 allein in der Ukraine – je nach Schätzung und Einberechnungen – zwischen 3,5 bis 14,5 Millionen Menschen das Leben kostete.

Ukrainischer Widerstand

Schon in den 20er Jahren bildeten sich auch eine ukrainische Exilregierung und auch Widerstandsbewegungen, wie etwa die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die für eine freie und selbstständige Ukraine und somit auch gegen Polen und die Sowjetunion im Untergrund tätig waren. Aus ihr ging 1942 die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) hervor, die gegen Polen und Sowjets kämpfte und mit der Wehrmacht kollaborierte, aber auch mit sowjetischen Partisanen gegen die deutschen Truppen vorging.

Eines ihrer bekannten Mitglieder war Stepan Bandera, der 1959 in München vom KGB ermordet wurde. Teile der UPA leisteten in der ukrainischen Sowjetrepublik bis 1956 Widerstand. Viele ihrer Mitglieder verschwanden als „Banderabanditen“ für immer in den Lagern des Gulag oder wurden vom Geheimdienst liquidiert. Für Ukrainer, vor allem im westlichen Landesteil, gelten die UPA-Angehörigen als Unabhängigkeitskämpfer. Auch wurden für Bandera Denkmäler errichtet.

Wieder russische Unterdrückung?

Ähnlich wie in den baltischen Staaten war ein offenes Bekenntnis zur eigenen Nation und Kultur für die Ukraine erst nach dem Abschütteln des sowjetischen Jochs in den 1990er Jahren möglich. Dabei galt es, als junger Nationalstaat Traditionen zu finden bzw. an diese anzuknüpfen. Dies gestaltete sich natürlich umso schwieriger, je kürzer der Bestand als freier Staat zuvor war.

Eine einigende Klammer fand sich in der jüngeren Geschichte, die viele noch vom eigenen Erleben kannten: In der Ablehnung der sowjetischen Herrschaft, denn Erinnerungen an Repressionen und Holodomor waren und sind noch lebendig. Somit speist sich auch der Widerstandsgeist aus der Furcht vor neuer Unterdrückung, ob nun Bolschewiken oder ein neuer Zar im Kreml sitzt. In Russland behauptet man dagegen eine Rückkehr der “Faschisten”, auch wenn niemand auf den Propagandazug aufspringt.

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