Politik als Real-Satire: Müssen Kabarettisten um ihre Jobs fürchten?

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Kuriositätenkabinett zum Schaden der Bürger

Politik als Real-Satire: Müssen Kabarettisten um ihre Jobs fürchten?

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Zeiten wie diese sind eigentlich eher zum Heulen. Dass trotzdem noch viel gelacht wird, liegt an der Tatsache, dass der real existierende Alltag mittlerweile zur Real-Satire verkommen ist, wofür die derzeitige Politik und ihre handelnden Personen verantwortlich sind. Dies scheint von vielen Österreichern aber noch immer nicht bemerkt worden zu sein, wie mein Erlebnisbericht aus dem Alltag zeigt.

Ach wie gut, dass es unseren Bundespräsidenten gibt, schwärmt mein Bekannter, während ich mit ihm durch die Supermärkte streife auf der Suche nach noch leistbaren Lebensmitteln. Währenddessen blättert er am Zeitungsständer in den dort offerierten Print-Medien mit ihren Lobgesängen über Alexander van der Bellen, der im Kaunertal ziemlich abgehoben erklärte: „Österreich ist kein Spielzeug“. So sprach er in 2025 Metern Seehöhe, wie mir mein Begleiter berichtet, worauf ich kontere, dass dies aber auch für das Präsidentenamt gelten sollte.

Ernst gemeint?

„Er macht seine Sache schon gut“, höre ich meinen Bekannten sagen, während ich mich darüber ärgere, dass ich zum Supermark-Kunden mutieren musste, weil ich mir meine Besuche bei diversen Ab-Hof-Verkaufsbauern in der näheren und weiteren Umgebung meines Wohnortes wegen der horrenden Benzinpreise nicht mehr leisten kann. Die Supermärkte liegen Weg und Geld sparend vor meiner Tür.

Unser Präsident steht uns in diesen schwierigen Zeiten bei und auch mit guten Tipps zur Seite, fasst mein Bekannter den Inhalt eines von ihm überflogenen Zeitungsartikels zusammen und ich bin mir nicht sicher, ob er dies sarkastisch oder ernst meinte. Vermutlich gilt Letzteres. Ich will etwas Boshaftes darauf erwidern, beiße aber meine Zähne zusammen – was Van der Bellen ohnehin von uns verlangt.

Immer dieser Krieg

Ich bin damit auch schon geraume Zeit beschäftigt, vor allem beim Einkaufen. Meine Zähne klappen nämlich sofort hörbar aufeinander, wenn meine Augen im Supermarkt Waren erspähen, die noch vor wenigen Wochen weitaus weniger gekostet haben als heute. Davon betroffen ist auch eine meiner Lieblingsspeisen aus der Fertiggerichte-Abteilung, nämlich das Erdäpfel-Gulasch von „Chef Menü“, das jetzt für 3,29 Euro angeboten wird. Davor war es zu einem Preis mit einem Zweier vor der Kommastelle offeriert worden.

„Was mag die Kartoffeln so verteuert haben?“, wundere ich mich, während ich die Packung liebevoll in meinen Händen drehe, um sie nach kurzer Betrachtung wieder ins Fach zurück zu legen. Ohne mich! Ich unterstütze diesen Preissteigerungszirkus nicht. Der Ukraine-Krieg habe eben vieles verteuert, seufzt mir mein Begleiter vor. „Na sowas! Habe ich was nicht mitbekommen?“, denke ich: Ist das Eferdinger Becken schon in russischer Hand? Kann aber nicht sein, sage ich mir, da auch die Preise für Mozzarella und Zuckermelonen gestiegen sind und dort, wo diese herkommen, wird nachweislich nicht gekämpft.

Fast Affekthandlung

Ist alles schon sehr rätselhaft! Rätselhaft, weil undurchschaubar für den Bürger, so wie auch die wahren Ursachen für die immens hohen Energiepreise. Mit Ratschlägen wie „Immer-nur-um-20-Euro-tanken“ oder „Kühlschranktüren-schneller-schließen“ kann das Teuerungsproblem aber nicht aus der Welt geschafft werden. Diese Tatsache kann auch Bundespräsident Alexander van der Bellen und die Regierung wohl nicht mehr länger ignorieren. Monatelang hatten sich diese Herrschaften tot gestellt und Problemlösungen aufgeschoben. Wir müssen uns das erst anschauen, hieß es immer wieder. Doch nun, Tausende von gerauchten Zigaretten später, mobilisiert Van der Bellen einen Energiebeirat, wie ich schon in der Vorwoche in einer regierungshörigen Zeitung las.

„Der Präsident hat das Zepter des Handelns ergriffen“, frohlockt dazu mein Begleiter, worauf ich ihm beipflichte, weil Van der Bellens Reaktion, gemessen an seinem Arbeitstempo, fast schon einer Affekthandlung gleicht. Unser Mikado-Mann müsse sich aber auch zu den ausufernden Lebensmittelpreisen etwas einfallen lassen, sage ich noch und verweise auf die Lebensmittelindustrie, die bereits handelte und die Preise erhöhte, während die Regierung noch immer überlegt. Die Preise bei namhaften Süßwaren und Streichkäsen sind zwar nicht gestiegen, wie ich erfreut bemerke, aber deren Inhalte haben sich verringert, wie ich feststelle. Vom Inhaltschwund scheint auch die Packung mit meinem Lieblingsprosciutto von meinem Lieblingsdiskonter betroffen zu sein, weil ich darin weniger Schinkenblätter vorfinde als früher.

Satire vom Feinsten

Solche Tricks wären vor Jahren Themen für die mittlerweile dahingeschiedene TV-Sendung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ gewesen, doch heute sind derartige Vorkommnisse real existierender Alltag, der sicherlich nicht durch das feste Zusammenbeißen der Zähne erleichtert werden kann.

Das hielt den Propagierer dieses Rats aber nicht davon ab, auf dem Hochplateau in den Tiroler Bergen zu schwadronieren, dass er der Garant für eine solide Politik (die auch die Wirtschaft beeinflusst) sei. In Wahrheit jedoch lässt VdB dem Spiel der schwarz-türkis-grünen Kräfte freien Lauf, was ihn aber nicht daran hindert zu behaupten: „Ich bin der beste Kandidat!“ – Ist das nicht Realsatire vom Feinsten?

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