Staat lässt eigene Bürger im Stich: Nach Delogierung mussten sie zelten

Sozialstaat ohne Hilfsangebote für die eigenen Leute

Staat lässt eigene Bürger im Stich: Nach Delogierung mussten sie zelten

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Das viel gepriesene österreichische Sozialsystem hilft, wo es kann und will – sehr gern bei ausländischen Zuwanderern. Nur bei der Hilfe für Einheimische scheint es sich manchmal schwerzutun, wie der Fall der Tiroler Familie Sandrine und Dietmar Jenewein aus Ebbs bei Kufstein zeigt, die schon seit 29. Juni an wechselnden Orten im Zelt nächtigen, weil sie keine Unterkunft mehr haben und auch keine bekommen.

Von Kurt Guggenbichler

„Da die Ämter und Behörden mit dem Prüfen und Überprüfen unserer Situation zu keinem Ende finden, bauen wir Abend für Abend unser ausgeborgtes Viermannzelt an einer möglichst sichtgeschützten Örtlichkeit in der Umgebung von Ebbs auf, wo wir dann die Nacht verbringen“, sagt das verzweifelte Paar: Wild campieren sei eigentlich verboten, gibt es zu, aber anders wüsste es sich nicht mehr zu helfen. Die Jeneweins hätten es schon bei allen möglichen Stellen probiert, um zu einer Wohnung zu kommen – bislang vergebens.

Hilfe durch Familie

Tagsüber halten sich Sandrine und Dietmar, die jeweils 49 Jahre alt sind, meist in der Wohnung ihres 29-jährigen Sohnes Dominik auf, der deswegen auch schon Schwierigkeiten mit seinem Privatvermieter bekommt. Die ganze Lage sei prekär und die beiden sind auch ziemlich verzweifelt. Dietmar wirkt manchmal abwesend, denn die Situation gehe ihm sehr an die Nieren, sagt seine Frau. Er sei mit den Nerven am Ende! Seit ihr Mann vor vier Jahren bei einem Unfall fast alle Finger seiner rechten Hand verlor, kann er nicht mehr arbeiten und bezieht Notstandshilfe. Eine Stelle, die er auch mit einer kaputten Hand ausüben könne, habe er bislang nicht bekommen.

Eigentlich hätten die Jeneweins schon bald nach Dietmars Unfall ihre 100 Quadratmeter-Wohnung, in der sie bis zu ihrer Delogierung am 29. Juni dieses Jahres gelebt hatten, nicht mehr bezahlen können. Die Monatsmiete betrug 1.000 Euro. Aber weil sie damals von Tochter Lea (22) finanziell unterstützt wurden, konnten sie ihre alte Wohnung noch halten.

AMS bei Arbeitssuche wenig hilfreich

Doch Lea hat psychische Probleme, die noch von einem Vorfall in der Schule herrühren, der sich dort in ihrem Teenageralter ereignet hatte, und daher wird sie zurzeit auch wieder von „Pro Mente“ betreut und behandelt. Diese Probleme bei Lea seien nämlich einmal stärker und einmal schwächer, erläutert die Mutter.

Da die Tochter jetzt nur noch Reha-Geld von der PVA beziehe, sei die junge Frau auch nicht rosig dran, erläutern die Eltern. Mit ihrer Schwester Lara-Ivessa (18) lebe sie in einer Wohngemeinschaft. Sandrine Jenewein, die einige Zeit als Hilfskindergärtnerin gearbeitet hatte, ist im Moment auf Arbeitssuche, wie sie betont, sie hätte vom AMS bislang aber noch kein Arbeitsangebot bekommen.

Von der Zeltstadt aus in einen Kindergarten zur Arbeit zu gehen, könne sie sich auch nur schwer vorstellen. Trotzdem hofft sie auf eine Verbesserung ihrer bald unhaltbaren Situation.

Vom Staat enttäuscht

Dietmar Jenewein ist verbittert, vor allem angesichts der Tatsache, dass die ausländischen Zuwanderer vom Staat offenbar besser unterstützt würden als in Not geratene Österreicher im eigenen Land, wie er beklagt. Heute Abend nach dem „Wochenblick“-Gespräch wird er sich mit seiner Frau wieder erneut nach einem geeigneten Übernachtungsplatz in der Umgebung umsehen müssen.

„Hat alles keinen Sinn mehr“, grummelt er, während ich mich von den beiden verabschiede und in der Nähe jenes Platzes zurücklasse, an dem sie die vergangene Nacht im Zelt verbrachten.

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