Trotz Krebsrisiko: Glyphosat-Lobby kauft in Russland Wissenschafter ein

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Mit gefälschten Studien Druck auf europäische Forscher aufgebaut

Trotz Krebsrisiko: Glyphosat-Lobby kauft in Russland Wissenschafter ein

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In einem offenen Brief an ihre Regierung forderten russische Wissenschafter auf, die Entwicklung von Gentechnik in der Föderation zu unterstützen. Mit einer gefälschten Studie, die ausgerechnet von Glyphosat-Hersteller Monsanto in Auftrag gegeben worden war, sollten Erkenntnisse renommierter Forscher aus der EU über die enormen Gefahren von gentechnischer Manipulation widerlegt werden. 

Ein Bericht von Petra Kovács

Hindernis fürs Geschäft

Österreich war im Juli 2019 das erste EU-Land, das Glyphosat verboten hatte. Eine Substanz, die für die Herstellung von Roundup, einem beliebten Unkrautvernichtungsmittel des GVO-Konzerns Monsanto, verwendet wurde. Ein 2015 von der Internationalen Agentur für Krebsforschung veröffentlichter Bericht kam zu dem brisanten Schluss, dass die Substanz für den Menschen „wahrscheinlich krebserregend“ sei. Eine 2019 von der University of Washington veröffentlichte Studie verknüpft Glyphosat gar mit einem um 41 Prozent erhöhten Krebsrisiko, insbesondere dem Non-Hodgkin-Lymphom.

Die Entscheidung Österreichs war jedoch nicht der erste Schlag für das GVO-Imperium in Europa. Im vergangenen Sommer hat der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) entschieden, dass Pflanzen, deren Genome mit der CRISPR Technologie, einer sehr präzisen Form der Genombearbeitung, verändert wurden, den sehr strengen Beschränkungen der Union für gentechnisch veränderte Kulturpflanzen unterliegen: „Organismen, gewonnen von Mutagenese sind GVO und unterliegen grundsätzlich den Verpflichtungen der GVO-Richtlinie.“ Das Urteil steht im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip und besagt, dass Gentechniken keine lange Sicherheitsbilanz haben und ähnliche Risiken wie Gentechniken älteren Stils bergen können.

Gentechnik unterstützen

Sicherlich hat es die Ag-Biotech-Lobby und insbesondere Bayer, den Eigentümer von Monsanto, verärgert, der dies als Hindernis für das Geschäft ansieht. Das jahrelange Bestreben der Ag-Biotech-Lobby, die üblichen Sicherheitsvorkehrungen für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) bei Produkten aus neuen Techniken der Genom-Editierung aufzuheben oder abzuschwächen, war jetzt in Gefahr.

Die GVO-Lobby entschied jedoch, sich mit dieser Situation nicht abzufinden. Es scheint, dass einige Mitglieder der scheidenden Europäischen Kommission die EU-Gesetzgebung zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln und Nutzpflanzen ändern wollen, um den Produkten neuer Techniken der Genom-Editierung Rechnung zu tragen, die oft als „neue Pflanzenzuchttechniken“ bezeichnet werden. So könnten gentechnisch veränderte Pflanzen und Produkte ohne Sicherheitskontrollen und möglicherweise ohne Kennzeichnung auf den Markt gebracht werden.

Wissenschafter unter Druck

Heutzutage gibt es auch in Russland ein strenges Gesetz in Bezug auf GVO: Transgenes Saatgut kann nicht in das Land importiert werden und GVO-Pflanzen dürfen nicht auf den Feldern wachsen. Im Februar 2014 wurde ein Gesetz zum Verbot in der Staatsduma der Russischen Föderation eingereicht. Doch bereits im April desselben Jahres wurde ein offener Brief an die Regierung veröffentlicht. Dort wurde die Entwicklung der Gentechnik in der Russischen Föderation unterstützt. Unter den Unterzeichnern war ein junger und bekannter Wissenschaftler. Noch während der Lesung des Gesetzentwurfs zum Verbot von GVO im Jahr 2016 wurde die Staatsduma des russischen Parlaments zudem von US-amerikanischen Biotech-Unternehmen durch Medien und finanzierte Wissenschaftler stark unter Druck gesetzt. Kurz vor der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs veröffentlichte die Nachrichtenagentur TASS einen Artikel, der von vielen russischen Nachrichtenagenturen aufgegriffen wurde. „Russische Wissenschaftler haben die Ergebnisse von Studien über die Gefahren von GVO widerlegt“, hieß es dort. Die Überprüfung wurde von Alexander Pantschin veröffentlicht und war voller technischer Fehler, schlechter wissenschaftlicher Standards und verzerrter Datenberichterstattung, wie aus der Reaktion einer Gruppe von Spitzenwissenschaftlern und anderer Experten in Russland hervorgeht.

Monsantos Interessen wahren

Anscheinend hat die GMO-Lobby beschlossen, gesponserte russische Wissenschaftler nicht nur innerhalb des Landes einzusetzen, sondern auch Druck auf die europäische Wissenschaftsgemeinschaft auszuüben. Alexander Pantschin erhielt 2012 mutmaßlich den Auftrag, Prof. Gilles-Eric Seralinis berühmte Arbeit über die Toxizität von gentechnisch verändertem Mais und Roundup anzugreifen.

Es stellte sich heraus, dass Monsanto an diesem Angriff beteiligt war. Angeblich hat Alexander Pantschin in den Kommentaren zu dem Artikel weiterhin Kritik an diesem Artikel sowie an anderen „Anti-GVO“ Artikeln geäußert, um die Interessen von Monsanto zu verteidigen.

Inakzeptable Lobbyarbeit

Michail Gelfand, stellvertretender Direktor des staatlichen Instituts für Informationsübertragungsprobleme, arbeitet an der russischen Regierung und kombiniert diese nicht nur mit gentechnikfreundlicher Forschung, sondern auch mit redaktioneller Arbeit in mehreren europäischen wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Gelfand ist wissenschaftlicher Redakteur in der Zeitschrift „PeerJ“, Redakteur in der Zeitschrift „Biology Direct“, Assoziierter Editor vom „Journal of Computational Biology“. Außerdem ist er Redaktionsmitglied einer Reihe von wissenschaftlichen Fachzeitschriften. „Warum braucht ein russischer Beamter Ihrer Meinung nach redaktionelle Arbeit in so vielen europäischen wissenschaftlichen Zeitschriften? Und wie hat er es geschafft, diese Arbeit zu bekommen?“, fragen nicht wenige Insider.

Es liegt auf der Hand, dass der Einfluss ausländischer und insbesondere russischer Fachkräfte und deren Lobbyarbeit für beliebige Interessen im Bereich der gesetzlichen Regulierung von GVO in Europa absolut inakzeptabel ist.

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