Um Katzen macht der Sepp einen großen Bogen

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Pühringers letztes Geheimnis

Um Katzen macht der Sepp einen großen Bogen

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Josef Pühringer liebt die Menschen, sofern sie nicht erklärte Widersacher seiner Person sind. Was er nicht mag und fürchtet, sind Katzen. Wenn es geht, machte er einen weiten Bogen um sie – nicht nur am Freitag, den 13. Am liebsten jedoch ist es ihm, wenn sich ihre Wege überhaupt nicht kreuzen.

Ein Beitrag von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer ist nicht sehr groß – 1.69 Meter. Bis zur Decke seines früheren Büros im Landhaus hätte er daher nie zu springen vermocht wie er es einmal selbst launig formulierte, trotz des Ärgers, den ein Politiker so erlebt. Bis zur Decke wären es schließlich fünf Meter gewesen.

In Gefahr

Als Politiker mache man sich nämlich viele Feinde, auch wenn die Zahl von Pühringers Freunden immer noch sehr groß zu sein scheint wie der Andrang bei seiner Ehrenzeichenverleihung („Wochenblick“ berichtete) zeigte.
Doch mit seiner Kultur- und seiner Gesundheitspolitik hat er sich in den 22 Jahren seiner Amtszeit als Landesvater viele Gegner gemacht. Für seine damalige Entscheidung, das Kraftwerk Lambach zu bauen, hat es sogar Morddrohungen gegeben.

Auch wenn das für eine Familie nicht gerade lustig sei wie es Pühringer salopp ausdrückte, so hat er sich nicht wirklich davor gefürchtet. Denn wenn’s sein muss – das zeigen viele seiner Entscheidungen, die er traf – ist der Sepp, der Pühringer, wie ihn die Oberösterreicher nennen, ein durchaus mutiger und kampflustiger Mann, der sich auch parteiintern niemals die Butter vom Brot nehmen ließ.

Brauchten mutigen Landespatron

Dabei wäre es so einfach gewesen, ihn aus der Fassung zu bringen, was seine Gegner aber nicht gewusst haben dürften. Pühringers engeres Umfeld hat dies aus guten Gründen nach außen hin auch immer gern verschwiegen. Im Landhaus benötigte man eben einen mutigen Landespatron, der dort eisern die Stellung hielt.

Man hätte Pühringer aber nur eine lebendige Katze auf den Schreibtisch ins Landhaus-Büro setzen müssen und er hätte es nie wieder betreten. Vor diesen vierbeinigen Viechern hat der Sepp stets einen Heidenrespekt gehabt, wissen seine langjährigen Weggefährten. Sie vermuten, dass dies die Folge eines schlimmen Kindheitstraumas sei.

Verweigerung

Trotzdem haben sie ihre Späßchen damit getrieben und den Josef gern mit Katzen erschreckt. Gelegenheit dafür war reichlich geboten, da Pühringer mit seinen Kumpels, die sich zu einem oberösterreichischen Freizeit-Reiseklub zusammengeschlossen hatten, einmal jährlich fremde Länder besuchten – zu Bildungs- und Vergnügungszwecken.

Einige dieser Reisen führten die damals noch jungen Burschen auch in südliche Gefilde, wo es von Katzen meistens nur so wimmelt wie zum Beispiel im Hafen von Lesbos. Mit dem Schiff dort angekommen, habe sich Pühringer angesichts der großen Zahl der am Kai hockenden Vierbeiner zunächst standhaft geweigert von Bord zu gehen, erinnert sich Mitreisender Gottfried Kneifel.

Katzenausstellung

Und wo es gerade keine Katze gab, um den Sepp damit zu schocken, wurde von seinen Kumpels rasch eine aufgetrieben. Es war bei einem Besuch in Amsterdam, wo Franz Hiesl dem Sepp eine Katze ins Hotelzimmer setzte, worauf Pühringer den Raum nicht mehr betrat.

Auch zu Hause, in Traun, sah sich Pühringer – damals noch in seiner Funktion als Landeshauptmann – außer Stande, eine Katzenausstellung zu eröffnen, „weshalb ich eingesprungen bin“ erzählt Gottfried Kneifel, damals noch Bundesrat.

Höllentempo

Zum Glück jedoch für die Menschen und für das Land hat Pühringer jedoch niemals Berührungsängste vor Andersdenkenden oder politischen Mitbewerbern gehabt. In dieser Hinsicht wäre eine Phobie wesentlich fataler gewesen.
„Ich habe mich immer als Brückenbauer verstanden“, betont Pühringer, der jetzt in seiner Funktion als Seniorenbundobmann daran arbeitet, die Kluft zwischen Alt und Jung zu überbrücken. Dabei lege er ein derart höllisches Tempo vor, wundern sich seine Wegbegleiter, weshalb ihn Hiesl unlängst ein wenig zu drosseln versuchte. „Heast, Sepp! – Du bist in Pension!“ Mit diesen Worten hatte er Pühringer nur darauf aufmerksam machen wollen, sich in seinem politischen Ausgedinge-Amt doch etwas einzubremsen.

Mit einem Katzengeschenk für Pühringer könnte Hiesl seinem Ratschlag vermutlich sofort Nachdruck verleihen….
Aber ohne Engagement und Bewegung kann Pühringer eben nicht leben. Das wissen auch seine Freunde. Für längeres Faulenzen an irgendwelchen Stränden sei er völlig ungeeignet wie er selbst eingesteht, ebenso für längere Meditationen im stillen Kämmerlein. Ein Mann wie der Sepp muss sich draußen tummeln und unter Menschen gehen, um glücklich zu sein.

Menschenfreund

Die menschliche Gesellschaft (wenn möglich ohne Katzen) hatte Pühringer auch schon während seiner Amtszeit als Landeshauptmann oft und gern gesucht und es auch locker ausgehalten, wenn er dabei viele Hände schütteln musste wie einst auch in einem Kaffeehaus in Mondsee, seinem bevorzugten Urlaubsort.

Seine Grüß-Gott-Motorik hat dort auch eine ältere Dame beobachtet, die daraufhin den Landesvater am Ärmel zupfte, um ihm mitfühlend mitzuteilen. „Sie tun mir leid. Jeder grüßt Sie und Sie müssen jeden grüßen.“ Worauf sie Pühringer anlächelte und ihrerseits tröstete, indem er konterte: „Liebe Frau, leid muss ich ihnen erst tun, wenn mich als Politiker keiner mehr grüßt.“
Pühringer wird wohl dafür sorgen, dass es auch in seiner Pension noch lange so bleibt.

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