Wissen wir, wer kontrolliert, was wir wissen?

Einheit statt Vielfalt

Wissen wir, wer kontrolliert, was wir wissen?

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Wissen ist bekanntlich Macht. Teilweise wurde es wie ein Schatz gehütet, zu dem niemand Zugang haben sollte, auf der anderen Seite soll es – gerade heutzutage – möglichst frei und für alle zugänglich sein. Doch dabei ist längst nicht alles an Wissen verfügbar gemacht. Doch wer bestimmt eigentlich darüber und hält die Fäden bei diesen Entscheidungen in der Hand?

Vom Matthias Hellner

Angeblich ist die Gesellschaft offener geworden, dass verfügbare Wissen und Informationen sind dank Internet überall und zu jederzeit abrufbar. Alles ist wunderbar transparent und auch der Bürger kann jederzeit Informationen auch zu staatlichen Belangen erhalten. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist dieser Wunschtraum ausgeträumt. Zahlen oder Statistiken, also wesentliche Informationen zur Einschätzung der tatsächlichen Lage, sind teilweise einfach nicht zu bekommen oder werden so veröffentlicht, dass sie schlicht nicht nachvollziehbar sind. Der Staat behält einfach eine Informationshoheit und entscheidet, was er den Bürgern an Wissen zukommen lässt oder nicht. Die Macht der Information liegt also in wenigen Händen. Und wer jetzt glaubt, dies hätte sich durch die Ära des Internets völlig geändert, irrt.

Das Internet als Ratgeber

Wurden früher Fachbücher, Enzyklopädien oder andere Nachschlagewerke bemüht, ist für viele Menschen heutzutage das Internet der Wissensspeicher Nummero I. Bei vielen Fragen wird es ganz einfach bemüht. Dabei hat die Suchmaschine Google weltweit einen Marktanteil von 92 Prozent und kann so natürlich schon wesentlich eine Vorauswahl der abgerufenen Informationen vornehmen und sei es durch die bloße Reihung der angezeigten Seiten. Und dahinter steckt natürlich ein Riesengeschäft.
Denn auch viele der Internetseiten sind kommerziell, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht unbedingt ersichtlich scheint. Ein Beispiel für häufige Internetsuchen sind etwa Krankheitssymptome. Bei einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung gaben 2018 rund 46 Prozent der Deutschen an, dass sie vor einem Arztbesuch ihre Symptome googeln. 2017 ergab eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom, dass sogar bis zu 70 Prozent der Befragten regelmäßig Gesundheitsthemen wie Ernährung, Krankheitssymptome oder Fitnessthemen im Internet suchen.

Medizintipps von Dr. Google

Eine der beliebtesten Seiten ist dabei NetDoktor. Ursprünglich aus Dänemark stammend, gab es bald auch Ableger in Norwegen, Schweden, in Deutschland und auch in Österreich. Den wenigsten Gesundheitsbeflissenen, die auf der Seite nach Rat suchen, dürfte allerdings bekannt sein, wer diese Seite eigentlich betreibt. Die deutsche Seite gehört mittlerweile der Hubert Burda Medien GmbH, die auch Anfang diesen Jahres die Seiten NetDoktor.at und NetDoktor.ch von Eva Dichand – Herausgeberin von „Heute“ und Gattin des Krone-Chefs Christoph Dichand – erwarb. Die Burda Medien GmbH gibt unter anderem auch die Zeitschriften Bunte, Focus, Chip heraus und ihr gehören auch die Bewertungsseite Holiday Check und das soziale Netzwerk Xing. Und dabei gehört die GmbH, die sich nach wie vor im Familienbesitz befindet, bei Weitem noch nicht zu den wirklich „Großen“ am Markt.

Monopole der Verlage

Als einer der größten Verlage in Europa gilt das Medienunternehmen Gruner + Jahr. Es gibt unter anderem auch die Zeitschriften Brigitte, Capital, GEO, das PM Magazin, den Stern heraus. Beteiligt ist das Unternehmen auch an der Spiegel Gruppe, Prisma Media (einem der führenden digitalen Medienunternehmen in Frankreich), der Manager Magazin Verlagsgesellschaft und vielen mehr, insgesamt über 60 Beteiligungen. Gruner + Jahr befindet sich selbst im vollständigen Besitz von Bertelsmann, wurde aber im August von RTL Deutschland erworben. RTL Deutschland gehört zur RTL Group, die wiederum – richtig – zu Bertelsmann gehört.
Zu Bertelsmann gehört auch die Verlagsgruppe Penguin Random House mit Sitz in New York, die aus mehr als 250 Einzelverlagen besteht und hauptsächlich im englisch- und spanischsprachigen Raum präsent ist. Als Ende 2020 bekannt wurde, dass Penguin Random House auch die US-Verlagsgruppe Simon & Schuster übernimmt, wurde Kritik laut, da somit rund 25 Prozent der weltweiten Buchproduktion fortan von der Gruppe kontrolliert würden.

Was wir wissen dürfen und was nicht

Bei so viel geballter Marktmacht stellt sich natürlich die Frage, wie frei und ungefiltert die Informationen und das Wissen sind, welches dem Bürger im Internet, in Zeitschriften und Magazinen oder in Büchern dargeboten wird. Was nicht passt, wird nicht veröffentlicht oder nicht gedruckt und kommt auch nicht in den Buch- und Zeitschriftenhandel. Dabei kann man auch auf den Handel bauen, wenn es um unliebsame Inhalte geht. So ging es dem Buch „Die große Verschwulung“ von Akif Pirinçci, Buchgroßhändler und Filialketten weigerten sich, es zu verkaufen. Und das ist bei weitem kein Einzelfall: So klaffte etwa bei dem Buch „Finis Germania“, welches auch in den Spiegel-Bestseller-Listen zu finden war, in Thalia-Regalen eine Lücke. Schließlich hätte ja sonst die Gefahr bestanden, dass es auch noch gekauft wird. Auch andere Bücher – etwa Corona-kritische – verschwanden schon aus den Buchhandlungen oder aus dem Angebot von Online-Buchhändlern oder werden von vielen Verlagen gleich ganz abgelehnt.

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