Wochenthema: Afrika steht vor den Türen Europas

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Bevölkerung wird sich verdoppeln

Wochenthema: Afrika steht vor den Türen Europas

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Der „Schwarze Kontinent“ droht aus allen Nähten zu platzen. Die enormen Geburtenraten vieler afrikanischer Staaten werden dazu führen, dass sich die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten verdoppeln wird. In manchen Ländern haben bereits 75 Prozent der Einwohner konkrete Pläne vom Auswandern nach Europa geschmiedet.

Eine Reportage von René Rabeder

Afrikas Wanderlust

Als „demografisch-ökonomisches Paradoxon“ bezeichnen Wirtschaftswissenschafter den Sachverhalt, dass eine Bevölkerung oder eine soziale Schicht umso weniger Kinder bekommt, je wohlhabender und gebildeter sie ist. Mit anderen Worten: Je höher das Pro-Kopf-Einkommen und der Bildungsstand, desto niedriger ist die Geburtenrate. Unter den 30 Ländern der Erde mit der höchsten Fertilitätsrate finden sich 26 afrikanische Staaten. Vor allem südlich der Sahara explodiert die Bevölkerung regelrecht. Dort herrscht eine Geburtenrate von 34,5 pro 1.000 Einwohnern, was mehr als 36,45 Millionen Geburten pro Jahr bedeutet. Ungefähr alle zwei Wochen kommt eine weitere Million Menschen in Afrika dazu. In den nächsten zwei Jahrzehnten wird sich die Bevölkerung des „Schwarzen Kontinents“ verdoppeln. Dieses rasante Bevölkerungswachstum stellt Afrika vor enorme Herausforderungen. Bereits jetzt können dort 37 Millionen Kinder im Grundschulalter nicht zur Schule gehen. Und das alles hat drastische Auswirkungen.

Laut dem renommierten US-Forschungsinstitut „Pew Research“ würden beispielsweise drei Viertel aller erwachsenen Nigerianer oder Ghanaer auswandern, wenn sie die Mittel dazu hätten. Rund 40 Prozent dieser Bürger haben wohl bereits konkrete Pläne entwickelt, ihre Heimat innerhalb der kommenden fünf Jahre zu verlassen. Sogar in politisch stabilen Ländern, wie etwa Tansania, tragen sich 43 Prozent der Menschen mit dem Gedanken. Und das entspricht auch dem Durchschnittswert aller afrikanischer Staaten. In absoluten Zahlen geht man von mindestens 150 Millionen Afrikanern aus, die sich bis zum Jahre 2050 auf dem Weg nach Europa machen werden. Afrikanische Regierungen werden wenig dagegen unternehmen, dass sich dieser Trend umkehrt. Ganze Volksökonomien leben mittlerweile jetzt bereits gut von jenem Geld, welches erfolgreiche Glücksritter aus Europa in die alte Heimat überweisen. Laut Weltbank kommen so global gesehen mindestens stolze 405 Milliarden Euro zusammen. Und auch diese Zahl wird jährlich weiter steigen.

Forderungen der EU

Im Europäischen Parlament scheint man all dies wohlwollend aufzunehmen und sogar noch weiter befeuern zu wollen. Anders lässt sich ein bereits im März angenommener Entschließungsantrag nicht erklären. Nämlich jener „zu den Grundrechten von Menschen afrikanischer Abstammung in Europa“. Unter der Erwägung von 20 Punkten, in denen unter anderem ausgeführt wird, dass „durch den Fortbestand diskriminierender Stereotypen“ in einigen unserer Traditionen, einschließlich der Gesichtsschwärzung als Unterhaltungsmaskerade („Blackfacing“), tief verwurzelte Stereotypen über Menschen afrikanischer Abstammung, die Diskriminierung noch verschärft werden könnte, werden in dem Dokument konkrete Forderungen gestellt. So fordert die Kommission auf, einen EU-Rahmen für nationale Strategien für die soziale Inklusion und Integration von Afrikanern zu entwickeln. Darüber hinaus fordert die EU die Mitgliedstaaten auf, die Geschichte der Afrikaner „einschließlich der vergangenen und andauernden Ungerechtigkeiten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (etwa Sklaverei)“, anzuerkennen und ihr zu gedenken. Hier, so die EU weiter, gelte es vor allem auch, die „gewaltigen Errungenschaften“ und positiven Beiträge von Menschen afrikanischer Herkunft“ zu feiern. Sogenannte „Monate der schwarzen Geschichte“ sollen dazu eingeführt werden.

Verordnete Vernaderung

Einen Punkt weiter denken die Europa-Parlamentarier diesen Gedanken noch konsequenter durch und fordern gar, „Das internationale Jahrzehnt der Menschen afrikanischer Abstammung“ offiziell zu begehen. Natürlich darf hier auch der Ruf nach Wiedergutmachung und der Entschädigung, aber auch nach öffentlichen Entschuldigungen, nicht fehlen. Weiters werden EU-Organe und Mitgliedstaaten aufgefordert, sich um eine „systematische Bekämpfung“ der ethnischen Diskriminierung und Hassverbrechen zu bemühen. Hierzu sollen konkret Daten erhoben werden, um die Wurzeln fremdenfeindlicher und diskriminierender Reden und Handlungen zu ermitteln und zu bekämpfen. Auch Zivilgesellschaftliche Organisationen, also NGOs, sollen bei der Vernaderung zukünftig eine noch größere Rolle spielen. Untersuchen, verfolgen und bestrafen. Diese Wortfolge findet sich in dem Antrag in Bezug auf „Hassverbrechen gegen Menschen afrikanischer Herkunft“ häufiger. Die Kombination aus „Datenerfassung“, „NGOs“ und „Strafverfolgung“ lässt kritische Beobachter natürlich aufhorchen.

Herkunft verschweigen

Besonders brisant wird es dann bei Punkt 17 des Antrags. Dort werden Mitgliedstaaten der EU aufgefordert, „die Erstellung von Profilen auf der Grundlage der Rasse oder der ethnischen Zugehörigkeit in allen Formen der Strafverfolgung, der Terrorismusbekämpfung und der Einwanderungskontrolle zu beenden und die Praktiken der unrechtmäßigen Diskriminierung und Gewalt offiziell anzuerkennen und zu bekämpfen, indem in den Behörden  Anti-Rassismus-Schulungen zur Beseitigung von Vorurteilen abgehalten werden“. Einige Seiten weiter vorne wurde unseren Polizisten sogar unterstellt, dass „Erwachsene und Kinder afrikanischer Abstammung in Polizeigewahrsam zunehmend gefährdet“ sein würden. Es käme in der Obhut europäischer Beamter nämlich „nicht selten zu Gewalttaten und Todesfällen … im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Befugnissen.“

Haben Europa aufgebaut

Wenige Zeilen weiter wird verlangt, Initiativen für Afrikaner in den Bereichen „Beschäftigung, Unternehmertum und wirtschaftliche Emanzipation zu fördern und zu unterstützen, damit den überdurchschnittlich hohen Arbeitslosenquoten und der Diskriminierung von Menschen afrikanischer Abstammung auf dem Arbeitsmarkt entgegengewirkt wird.“ Dem vorausgegangen ist die Erwägung, dass „Menschen afrikanischer Abstammung im Laufe der Geschichte erheblich zum Aufbau der europäischen Gesellschaft beigetragen haben, viele auf dem Arbeitsmarkt jedoch diskriminiert werden.

Arbeiten und wohnen

Da ist dann auch nur logisch, dass auch dazu aufgefordert wird, gegen die vermeintliche Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt vorzugehen. „ … die Ungleichheiten beim Zugang zu Wohnraum mit konkreten Maßnahmen anzugehen sowie für angemessene Wohnverhältnisse zu sorgen.“ Auch an die Zukunft ihres eigenen Berufsstands haben die Abgeordneten gedacht. Sie fordern auf, Initiativen zur Förderung der politischen Beteiligung durch Afrikaner zu unterstützen und zu entwickeln. Eine Kernforderung im Entschließungsantrag  soll dafür sorgen, dass sich an der eingangs ausgeführten Sachlage nichts ändert. Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, sicher zu stellen, dass „Migranten, Flüchtlinge und Asylwerber auf sicherem und legalem Wege in die EU einreisen können.“

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