Immer mehr Künstler haben die Nase gestrichen voll vom behäbigen und planlosen Kurs der Regierenden in der Krise. Mit Alexander Klaws – Gewinner der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ (2003) – schert eine weitere gewichtige Stimme der deutschen Kulturlandschaft aus dem Schafstrott aus. Er ärgert sich vor allem über den Umgang der Mächtigen mit Künstlern. 

Da dürfte sich Ex-Kommunist Dieter Bohlen wohl wundern: Nachdem ihm bereits Michael Wendler als Juror für seine Casting-Show abhanden kam und RTL ihn aus den weiteren DSDS-Folgen amateurhaft raus retuschierte, rechnet mit Klaws eines DER absoluten Aushängeschilder der Sendungshistorie knallhart mit der Politik ab. Ob man den gebürtigen Münsterländer künftig bei RTL ebenso auslädt? Oder findet man beim Kölner Privatsender allmählich auf die Schiene zurück?

Hat Politik die Kulturschaffenden schon vergessen?

Und das Aufbegehren von Klaws ist keine kleine Kritik – sondern eine Total-Watschen für das Corona-Regime in Deutschland. „Ungefiltert aus tiefstem Herzen“ schrieb er auf Facebook seine Wut aus der Seele. Auslöser war, dass er eine der unzähligen Corona-Talkshows sah. Man frage sich mittlerweile, „ob es bei den ‚Machern‘ gewisser Sendungen, als auch in der Politik noch irgendwo jemanden da draußen gibt, der überhaupt noch an die Künstler, Kulturschaffenden oder Veranstaltungsbranche denkt.“

Für viele in der Branche bestehe der Lockdown bereits seit einem Jahr, dass dennoch von nur 70 Tagen der Beschränkungen gesprochen werde, sei eine „Ignoranz und fehlerhafte Außendarstellung, die ihn „nur noch wütend“ mache. Ständig spreche die Politik von Hilfen, die nirgends ankommen. Viele, einschließlich Klaws, fielen durch ein „von der Politik konstruiertes Raster“. Ahnungslose Minister könnten sich mit den vermeintlichen Hilfen nur „alibimäßig im Nachhinein rausreden“. In Wirklichkeit herrsche im zweiten Lockdown eine „weltfremde, ahnungslose Politik“ vor.

„Haufen überbezahlter Schlafmützen“ verhöhnt Steuerzahler

Dabei wirft Klaws den Regierenden unaufrichtige Motive vor, sie würden scheinbar nur denen helfen, die ihnen zu noch mehr Macht und Geld verhelfen: „Eine Hand wäscht ja bekanntermaßen die andere.“ Die Künstler würden seit einem Jahr die Füße still halten – honoriert werden dies aber nicht: „Als Dank dafür werden wir, teilweise nicht mal mit Arbeitlosengeld abgespeist, obwohl fast alle unterschriebene Verträge zu Hause rumliegen haben, die wir nicht erfüllen dürfen?!?“

Wenn es um die Entrichtung von Steuern gehe, halte „der Staat immer fleißig und vor allem pünktlich die Hand auf“. Erwarte man dann als „ehrlicher, immer pünktlich seine Steuern zahlender Bürger, einen Ausgleich dafür, dass man nicht arbeiten darf, wird man abschätzig ausgelacht“. Anstatt „Milliarden verschlingende Corona-Warn-Apps zu entwickeln, die sowieso nicht funktionieren“ sollte die Politik lieber daran denken, seinen Bürgern Steuererlässe zu gewähren. Statt eines Sozialstaates gebe es in der deutschen Politik einen „Haufen überbezahlter Schlafmützen“.

Politik „bohrt in der Nase“: Regionen gehen pleite

Besonders bedrückt Klaws, dass die Saison der „Karl-May-Festspiele“ in Bad Segeberg bereits zum zweiten Mal wegen Corona auszufallen droht. Dabei geht es ihm aber nicht vordergründig darum, dass er die Hauptrolle als Winnetou nicht spielen kann. „Sondern um eine komplette Region, die mehr oder weniger pleite geht, weil ihr in der Nase bohrt, anstatt Konzepte anzubieten, solche Events trotzdem mit den richtigen Konzepten stattfinden zu lassen, die es ja schon gegeben haben soll.“

Der bekennende Fußball-Fan verweist darauf, dass der Sportwelt die Beschäftigung sehr wohl ermöglicht wurde. „Wenn die Fußballwelt es schafft, trotz Corona um den halben Globus zu jetten, schaffen die Zuschauer und Beteiligten es ebenfalls, gesund in die Arena oder Konzerthalle oder Theater und wieder nach Hause zu kommen.“ Wenn die gesamte Veranstaltungsbranche mit ihrem jährlichen Milliardenumsatz wegen der „katastrophalen Politik“ verschütt gehe, beträfen die Konsequenzen nicht nur die Politik.

Mit Virus leben, statt Zeit & Geld zu vergeuden

Daher appelliert Klaws eindrücklich an die Regierung: „Handelt endlich menschlich – bietet Alternativen an, wie man lernt MIT dem Virus zu leben, und vergeudet nicht noch mehr Zeit und unser Geld.“ Das Messen mit zweierlei Maß helfe der Spaltung der Gesellschaft. Er betont, kein genereller Quertreiber zu sein: „Ich für meinen Teil bin weder Verschwörungstheoretiker noch Regierungskritiker, jedoch habe ich euch 1 Jahr lang vertraut, unterstützt und bin euch für unser aller Wohl gefolgt.“

Weil man aber „trotz aller Maßnahmen 1 Jahr später genauso weit sind, wie teilweise Länder, die weniger bis gar keine Maßnahmen hatten, reicht es“. Im Namen aller Künstler und anderen Menschen, die sich angesprochen fühlen, müsse sich etwas ändern: „Vergesst uns und das, was unser schönes Land ausmacht nicht!“

Klaws für soziale Ader bekannt

Das Multitalent Klaws ist ein Künstler, der seit Jahren für seine soziale Ader bekannt ist. Besonders setzt er sich für kranke Kinder ein, unterstützt die Kinder-Schlaganfall-Hilfe. Finanziell und persönlich: Regelmäßig besucht er etwa eine Kinderstation in der Region, um mit den betroffenen Kindern zu backen, zu singen oder zu tanzen.

Immer wieder sammelte er Mittel für das Projekt „Lichtblicke“, das in Not geratene Familien und Kinder in Nordrhein-Westfalen unterstützt – auch über Benefiz-Auftritte. Gut möglich, dass auch das erhöhte Leid von Kindern infolge der planlosen Corona-Politik ihm einen Schub gab, sein Schweigen zu brechen. 

Immer mehr Künstler begehren auf

Dass er sich politisch äußert und sich offen gegen den Zeitgeist stellt, ist allerdings auch für den Sänger und Schauspieler Neuland. Damit ist er nicht der erste: Seit Monaten schicken regelmäßig Kulturschaffende voraus, dass sie Situation für untragbar haltenWochenblick berichtete bereits im Herbst sowie im aktuellen WB-Spezialmagazin „Corona-Crash 2021“ über widerständige Künstler von Nina Proll über Monika Gruber bis hin zu Michael Wendler. Zuletzt sorgte auch Pop-Ikone Nena für Aufsehen, als sie sich klar gegen einen Impfzwang vor Konzerten aussprach.