Politiker (wie auch Journalisten) haben Vorbildfunktion. Ein Fehlverhalten sollten Volksvertreter (und Journalisten) daher vermeiden, kommt aber leider oft vor und ist – um bei der Politik zu bleiben – auch kein Alleinstellungsmerkmal der FPÖ.

Ein Kommentar von Kurt Guggenbichler

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Vernichtung des Mitarbeiters hatte noch kein System

Andere Parteien sind nämlich auch nicht davor gefeit, kompromittiert zu werden. Ich erinnere mich noch gut an die peinlichen Fehltritte zweier oö. Abgeordneter, was aber 1990 noch keine Regierungskrise verursachte.

Warum sich die Aufregung noch in Grenzen hielt? Weil das Proporzsystem von ÖVP und SPÖ noch funktionierte und weil es auch noch nicht Usus war, politische Mitbewerber mit heimlich aufgenommenen Bildern gesellschaftlich zu vernichten. Auch mir hat man vor Jahren ein Video angeboten, das eine wichtige oö. Persönlichkeit mit einem starken Nahverhältnis zur ÖVP in einem Hotelzimmer in einer Situation zeigte, die für eine christliche Partei wohl nicht akzeptabel gewesen wäre.

Obwohl dieses Filmchen von keiner politischen Relevanz war, so hätte es nach der Veröffentlichung doch zu einem Erdbeben in der heimischen Polit-Szene geführt. Darüber hinaus hätte es auch den persönlichen Lebensbereich dieses bekannten Mannes schwer verletzt. Es hätte schon eines ziemlich miesen Charakters bedurft, um daraus Kapital zu schlagen und den Sittenverfall schon damals beschleunigt.