Seit 1. August ist das System zur Gesichtserkennung im Regelbetrieb und wird vom Bundeskriminalamt eingesetzt.

Wie eine Anfrage des Neos-Nationalratsabgeordneten Niki Scherak ergab, ist die Software zu Gesichtserkennung, die das Bundeskriminalamt 2019 für 448.813,20 Euro von einer deutschen Firma kaufte, bereits im Einsatz. Fortan wird, wenn schwere Straftaten begangen werden, mit den Bildern aus den Überwachungskameras Fotos generiert, die dann durch die Software auf bestimmte Merkmale des Gesichts abgeglichen werden und mit Bildern aus der Referenzdatenbank der Polizei verglichen wird. Während des Testbetriebes wurde bereits in 581 Fällen ein Abgleich mit dem Gesichtserkennungssystem durchgeführt. In 83 Fällen wurde von den Ermittlungsdienststellen bestätigt, dass der Abgleich mit dem Gesichtserkennungssystem zur Identifizierung des unbekannten Täters geführt hat, erklärt Innenminister Karl Nehammer bei der Anfragebeantwortung.

Fehlerquote bei Schwarzen

Interessant ist allerdings die Fehlerquote. Häufig hat Gesichtserkennungssoftware noch den Makel, dass nicht alle Personen gleich gut erkannt werden. So werden etwa Personen mit dunkler Hautfarbe und Frauen schlechter erkannt. Beim Erkennen weißer Männer funktioniert die maschinelle Gesichtserkennung derzeit jedoch am Besten – was die Frage aufwirft, weshalb China Gesichtserkennungssoftware bereits im Einsatz hat, oder verwenden die Chinesen andere Programme? Denn sie scheinen bereits weiter zu sein, was die Überwachung betrifft. Ebenso hat das System noch Probleme, wenn die Gesicher durch Masken, Schals, Brillen o.ä. verdeckt sind. Diese Fehler hält das Innenministerium derzeit jedoch für irrelevant. „Es werden keine Echtzeit- oder Online-Abgleiche durchgeführt“, so die Begründung. Die Software wird lediglich dazu eingesetzt, Fotos von unbekannten Tätern mit der Referenzdatenbank abzugleichen. „Der Abgleich bzw. das Ergebnis des Abgleichs alleine löst keinerlei unmittelbare Reaktion aus“, heißt es aus dem Miniterium.

Was kommt als nächstes?

Allerdings schreitet die technische Entwicklung bekanntermaßen immer mit Riesenschritten voran. Zu einem Echtzeit-Abgleich mittels Kameras auf den Straßen oder mit Drohnen ist es im Zweifel nur noch ein kleiner Schritt. Dies befürchten auch Datenschützer. Das System könnte nach und nach ausgeweitet und als Echtzeit-Tool eingesetzt werden. Zudem kritisieren sie auch, dass der Einsatz von Gesichtserkennungssoftware einen sehr schweren Eingriff darstellt, schließlich werden biometrische Daten gesammelt, analysiert und ausgewertet. Sollte dieses Szenario Wirklichkeit werden, könnte die Regierung etwa bei Demonstrationen in Echtzeit Daten über die Protestierer sammeln, solange sie nicht vermummt sind. Somit könnte man ganz bequem gegen Oppositionelle oder kritische Bürger vorgehen. Und von Vorteil für das System könnte dann auch der Baby-Elefanten-Abstand sein, auf den die Österreicher derzeit konditioniert werden. Ein entsprechender Abstand erleichtert sicher auch die Arbeit der Software, wenn die Maskenpflicht einmal gefallen ist.