Polizist in der heutigen Zeit: Einer der schwierigsten Berufe, die man sich vorstellen kann. Eine immer gewaltbereitere „Kundschaft“, eine Bevölkerung, die Sicherheit zurecht einfordert und auf der anderen Seite, ein vor Jahren eingeleiteter Sparkurs, der für zusätzliche Herausforderungen sorgt.

Ein Beitrag von Georg M. Hofbauer

Im Gespräch über den Arbeitsalltag eines Polizisten: Karl Pogutter, Stadtpolizeikommandant von Linz. Schnell sind wir im Gespräch weggedriftet von den Ereignissen der Straße und bei den politisch ausverhandelten Dingen.

Streitlustiger Frühstückspartner

Es entwickelt sich ein dynamisches Gespräch. Ein Gespräch, in dem Pogutter Farbe bekennt, als Polizist, als sozialdemokratischer Ersatzgemeinderat in seiner Wohngemeinde Wartberg ob der Aist und als politisch überaus streitlustiger Frühstückspartner.

„Ich habe den Master in Politischer Bildung an der Johannnes Kepler Uni gemacht, lese FAZ, Die Zeit, Marx und Engels, auch das Atterseeforum und bin bekennender Roter“, sagt der Stadtpolizeikommandant mit dem noch immer konservierten Mutterwitz und der sympathischen Sprachfärbung aus seiner obersteirischen Heimat. Und Pogutter setzt nach: „Ich bin ein entschiedener Gegner des Neoliberalismus. Und Politik ist mein Lieblingsthema.“

40 Jahre Polizeipraxis

Doch nun zur Kehrtwende im beinahe amikalen, inspirierenden Gespräch, die der Stadtpolizeikommandant mit 40 Jahren Praxis, resolut und doch verschmitzt, einleitet: „Das alles darf jedoch bei meiner Arbeit überhaupt keine Rolle spielen!“

Zum Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung gesteht der „Polizist mit Leib und Seele“ ein: „Wir müssen daran arbeiten, dass es besser wird.“ Es spiele sich gerade ein Zeitenwandel in der Politik ab: In Österreich habe es eine lange Phase gegeben, in man glaubte, man käme mit weniger Polizei aus. Jetzt sei es schlagartig anders und es werde von großem Bedarf gesprochen.

Großer Personalbedarf

Bedarf an ausgebildeten Polizisten, der nicht gedeckt werden kann.
Vor diesem Hintergrund dürfe man, so Pogutter, sich nicht wundern, dass die Polizei überlastet sei und mit der Arbeit kaum noch nachkomme: „Es hängt alles immer von der Erwartungshaltung der Politik ab. Was will man von der Polizei?“

Damit steht natürlich der jahrelange Sparkurs, der von der Politik verordnet worden war, in der Kritik. Jetzt kommt der Polizeikommandant von Linz erst so richtig in Fahrt, „völlig unpolitisch“ natürlich: „Ich erwarte mir, egal von welcher Partei auch immer, ein differenziertes Umgehen mit der Polizei“, sendet er klare Signale an die Politik. Soweit sie ihn hören will und den „Wochenblick“ liest…

Zu viele verletzte Polizisten

Und zum Abschluss noch Stakkato-Fragen an den Profi, der genau vor 40 Jahren den Entschluß gefasst hatte, zur Polizei zu gehen, „mit romantischen Vorstellungen“, wie er selbst betont. Wie ist die Stimmung in der Truppe? „Sie könnte besser sein.“ Und wie viele verletzte Polizisten sind heuer schon zu verzeichnen? „Zu viele. Eindeutig.“