Ganz deutlich widerspricht die Polizeigewerkschaft AUF den durch Innenminister und Journalisten verbreiteten Schauergeschichten, es habe einen versuchten Sturm des Parlaments gegeben. Das belegen auch Videoaufzeichnungen. Zudem ist das Parlament zurzeit eine Baustelle, dort sind nur Baustaub und giftige Asbestrückstände zu holen.

Ein Kommentar von Willi Huber

Seinen Ausgang nahm die Geschichte im „Standard“ wo eine Redakteurin von ihrem Fahrrad aus beobachtet haben will, wie mit Holzlatten bewaffnete Radikale „das Parlament stürmen wollen“. Diese Personen sieht man aber auf keinem der veröffentlichten Filme, welche das Areal von verschiedenen Seiten abdecken. Zudem gab es nie eine Reaktion der Polizei, welche auf eine solche Handlung hingewiesen hätte. Nicht einmal die Linksradikalen, welche solche Demonstrationen gerne penibel dokumentieren, können ein Bild vorlegen, welches die Behauptungen untermauert. Wochenblick hat sich bereits mit dieser und anderen Märchenerzählungen intensiv auseinandergesetzt.

Nehammer gießt Öl ins Feuer

Der nicht durch besonders nobelpreiswürdige kognitive Leistungen auffällige Innenminister Nehammer nahm die Geschichte in seine aufgeregten Interviews auf und erzählte der Presse vom versuchten „Sturm“ auf das Parlament, so schrecklich wie der „Sturm“ auf das Kapitol in den USA (welcher hauptsächlich von Linksextremen getragen wurde).

Polizeigewerkschaft widerspricht vehement

Das Online-Portal unzensuriert.at berichtete wenig später, dass sogar der ORF die Falschmeldung zurücknahm. Das rief offenbar vereinigte Spindoktoren aus den Kreisen der ÖVP als auch Linksradikalen auf den Plan. Das Märchen wurde nun um angebliche „interne Funksprüche der Polizei“ erweitert. Nur: Bei der Polizeigewerkschaft will man von solchen Funksprüchen nichts wissen. Wörtlich steht in der Aussendung: „Insider können sich wohl an ganz andere Aufzeichnungen erinnern“. Das Protokoll dürfte dieser Quelle nach wohl eher frei erfunden sein. Freudig und regierungstreu verbreitet wurde es hingegen von der Kronenzeitung und der Heute. Somit steht Aussage gegen Aussage, wobei bei gewissen Medien nicht von einer späteren Richtigstellung ausgegangen werden kann. Diese gibt es ja auch nicht hinsichtlich haltloser Aussagen, zehntausende Menschen aus Rechtsradikale und Nazis zu denunzieren.

Dass die gesamte Geschichte eine absurde Konstruktion ist, beweist auch der Umstand, dass das Parlament eine unglaublich teure Baustelle ist, bei der es außer Staub und giftiger Asbestpartikel nichts zu holen gibt. Weshalb ein vernünftiger Mensch dieses „stürmen“ oder „besetzen“ möchte, erschließt sich wohl nur dem Innenminister und seiner Gefolgschaft.

Insgesamt handelt es sich hier wohl um einen weiteren Versuch, die Stimmung eskalieren zu lassen und noch härtere Vorgangsweisen gegen friedliche Demonstranten zu rechtfertigen.

Tatsächlich verlief die Demonstration nämlich so (Bildergalerie). Was die Regierung und andere Geschichtenerzähler vergessen ist der Umstand, dass jeder der zehntausenden Teilnehmern zuhause eine ganz andere Geschichte erzählt und das aus erster Hand. So verbreitet sich die Wahrheit hunderttausendfach durch Österreich und Kurz und Nehammer können nur mit langem Gesicht zusehen, denn da hilft ihre Zensurmaschinerie auch nichts mehr.