Volks-Verarsche. So nennt man das landläufig in meiner Heimat, wenn hohe Herren das gemeine und untertänige Volk an der Nase herum führen. Wenn die Politik den Bürgern eine Realität vorgaukelt, die so – in Wirklichkeit – gar nicht existiert.

Ein Kommentar von Stefan Magnet

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Eine Pseudo-Realität, die nur konstruiert wurde, von eben den hohen Politikern und ihren willfährigen Helfern: Den gekauften Medien und kläffenden Journalisten. Und diese Kumpanei aus Politik und Massenmedien erschafft eine Scheinwelt mit dem Ziel, das Volk dumm und gefügig zu halten, während man Dinge beschließt, die nicht immer zum Vorteil des betrogenen Volkes sind – aber immer, so ein ungeschriebenes Gesetz, zum Vorteil der handelnden Akteure gereichen. Die Medien wurden mit 15 Millionen Euro Zusatz-Gage aus dem Steuersäckel belohnt, die Politik von Kurz mit unsagbar hohen Umfragewerten – ebenso wie seine Freundin Angela Merkel.

Wochenlang wurde im Land mit Verordnungen und fragwürdigen Erlässen diktiert – man verabschiedete sich meilenweit von den ansonsten demokratischen Gepflogenheiten. Unzählige Kritiker zeigten auf und meldeten ihre Bedenken an, dass das alles ja vom Gesetz und der Verfassung nicht gedeckt sein könne.

Doch charmant lächelnd und 150% selbstsicher wischte der Corona-Führer Sebastian Kurz alle Bedenken weg: Es wäre notwendig gewesen, so Kurz, dass „wir schnell gehandelt haben“. Den möglichen Verfassungsklagen sehe er gelassen entgegen, lächelte er weiter, denn bis eine Überprüfung der fragwürdigen Diktate durch die Höchstgerichte stattgefunden habe, „werden sie nicht mehr in Kraft sein“. Zitat Kurz.

Der Aufschrei der gekauften Medien blieb natürlich aus, denn für diesen Zweck wurden sie ja zeitgerecht eingekauft.

Wochenland wurde den Österreichern eingeredet, dass sie sich nicht – auch nicht zu privaten Feiern – treffen dürften. Zu Ostern mussten wir zuhause bleiben und Familienfeiern wurden abgesagt. Familientreffen dürften nicht stattfinden – das alles wäre illegal und jeder, der dagegen handeln würde, mache sich einer Straftat schuldig. Tausendfach hoben die Kreaturen des Spitzel- und Denunziantentums wieder ihre Köpfe aus der Versenkung und vernaderten ihre Nachbarn, weil diese die neuen Gebote der Regierung missachtet hätten. Doch auf welcher Rechtsgrundlage eigentlich? Was war das entsprechende Gesetz? – Es gab und gibt keine Gesetze, die diese Verbote rechtfertigen. Das klärt jetzt auch die Regierung, rechtzeitig zum Beginn des Ramadan, auf: Private Feiern wären natürlich erlaubt. Hey Leute, ihr hättet ruhig Ostern gemeinsam feiern können! Aber alleine Eierpecken ist ja auch lustig… Hey Leute, seid nicht so blöd: Macht es wie die Moslems! Die haben noch Sinn für Familie, die feiern noch gemeinsam – die Regierung hat es ja niemals verboten. Und Innenminister Karl Nehammer? Der stellt sich am Dienstag Vormittag seelenruhig vor die Kameras und sagt, so nebenbei, die bisherige Rechtsgrundlage zur Unterbindung privater Feiern wäre eine sogenannte „Lärmbelästigung“ gewesen!

Also wie? Die Rechtsgrundlage für die Auflösung von privaten Veranstaltungen war bislang „Lärmbelästigung“?

Volks-Verarsche, sage ich. Pardon, es gibt kein harmloseres Wort.

Nach der Lüge, es würde keine Ausgangssperren geben, ehe man sie wenige Stunden später dann doch umsetzte, nach der Lüge, es würde keine Maskenpflicht kommen, ehe man sie dann doch verordnete, kommt nun das kleinlaute Eingeständnis, dass private Feiern ja nie verboten gewesen wären. Zu keinem Zeitpunkt. Wer es anders verstanden hat, der ist eben ein Idiot – aber auch für Idioten wollen wir regieren, sagt die Regierung, und so hat man eben den Text auf der Homepage des Ministeriums nun verständlicher formuliert, damit die Idioten auch wirklich idiotensicher verstehen, was die hohen Herren ihnen anbefehlen.

Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht, so sagt schon ein altes Sprichwort.

Und wenn uns eines die Geschichte gezeigt hat: Jede Volks-Verarsche hat ein Ende. Das gutmütigste, bravste, ruhigste Volk hat irgendwann einen Punkt erreicht, wo es nicht mehr mitspielt. Davon sind wir womöglich weit entfernt. Womöglich aber auch nicht.

Das abschreckende Beispiel des großen Staatskanzlers Fürst Klemens Wenzel Lothar von Metternich, der vielen heutigen Politikern strahlendes Vorbild ist, sollte Warnung genug sein. Auch er dachte am Jahresbeginn des schicksalhaften Jahres 1848 noch nicht an Aufstand und Revolution des von ihm verachteten Volkes. Aber die immer offensichtlichere Kluft zwischen Realität und Pseudo-Wirklichkeit brachte selbst das ansonsten so gutmütige Volk von Wien auf die Straßen. Fette Pfründe für die Machthaber – und Schikanen und Verbote für das Volk: Eine gefährliche Mischung. Als das Volk den Betrug erkannt hatte, musste Metternich über Nacht aus seinem noblen Wiener Palais am Ballhausplatz fliehen – ins ferne Exil nach London.

Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Hoffen wir, dass Einsicht und Vernunft die Oberhand behalten und der liebe schöne Friede weiterhin die Herzen beseelen möge.