Es ist unfassbar, was sich deutsche Männer bieten lassen müssen. Und es wird immer schlimmer und bizarrer! Jedenfalls wenn es nach dem Auswärtigen Amt geht. Viele ausländischen Beobachter können darüber nur noch den Kopf schütteln.

Kommentar von Guido Grandt

Männer werden in der Gesellschaft immer mehr zum „Feindbild Nummer 1“ erklärt. Sie seien „privilegiert“ und hätten „unbewusste Vorurteile“, die dazu führten, dass Frauen Karriere machten. So heißt es zumindest bei den feministischen Männerfeinden und auch bei der Gleichstellungsbeauftragten des Auswärtigen Amtes.

Deshalb erstellte jene auch gleich eine „Verhaltensliste“ für Männer, um Zeichen für mehr „Diversität“ im Auswärtigen Dienst zu erreichen. Mitarbeiter sollen monatlich für Diskriminierung „sensibilisiert“ und „Barrieren abgebaut“ werden, um zu einer „lückenlosen Gleichstellung“ und „mehr Freiheit“ zu gelangen. Ein dementsprechendes Regel-Poster soll sogar im Büro aufgehängt werden. Unfassbar!

Und so sehen diese Verhaltensregeln für Männer aus, die die Kampagne „Zeichen setzen“ der Gleichstellungsbeauftragten samt ihrem Team erstellt wurde, um „Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit“ zu fördern:

1. Reflektiert und hinterfragt Rollenbilder
Macht euch eure unbewussten Vorurteile bewusst.Wir alle wissen, dass es sie gibt: Die unbewussten Vorurteile, die jede und jeder von uns hat, und die alle von uns betreffen. Der Gender Bias ist eine unbewusste Denkabkürzung unseres Gehirns, aufgrund derer wir Annahmen über typische oder untypische Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften von Frauen oder Männern treffen. Das einzige Gegenmittel: Regelmäßige Check-Ups …

2. Lasst Emotionen zu
Traut euch, Gefühle zu zeigen und zu verbalisieren.Auch Männer dürfen traurig sein, weinen und lachen oder Freude, Liebe und Begeisterung zeigen, wenn ihnen danach zumute ist. Egal wie – zeigt Emotionen und Empathie und unterdrückt eure Gefühle nicht, das ist ungesund! Denn an der Behauptung, dass geteiltes Leid nur halbes Leid sei und die gemeinsame Freude sich verdoppele, ist tatsächlich etwas dran.

3. Seid fortschrittliche Väter
Entwickelt eine gesunde Work-Family-Balance. Viele Väter wünschen sich mehr Zeit mit ihren Kindern und wollen diese dabei unterstützen, ihre Persönlichkeiten und eigene Interessen zu entwickeln. Aber nur wenige nehmen Angebote wie Elternzeit wahr, verringern ihre Arbeitszeit oder schöpfen die Möglichkeiten des flexiblen Arbeitens aus. Gleichstellung betrifft alle Bereiche unseres Lebens – auch und gerade unsere Familien!

4. Achtet auf die faire Verteilung von Aufgaben
Übernehmt Verantwortung in der Care-Arbeit.Durchschnittlich leisten Frauen pro Tag 52,4% mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. Dies betrifft insbesondere die Kinderbetreuung und die Hausarbeit, aber auch die Pflege von Angehörigen. Die unfaire Verteilung von Haushaltstätigkeiten und anderen Care-Aufgaben führt aber nicht nur im Alltag zu Ungerechtigkeiten, z.B. zu einem erhöhten mentalen Druck, einem Mangel an Zeit für andere Tätigkeiten wie bezahlter Erwerbsarbeit oder zu einem höheren Burnout-Risiko, sondern wirkt sich auch negativ auf die später durchschnittlich niedrigere Altersversorgung von Frauen aus.

5. Benutzt eine geschlechtergerechte Sprache
Erhöht die Sichtbarkeit von Frauen und nicht-binären Personen.Sprache schafft Realität. Eine geschlechtergerechtere Sprache trägt dazu bei, die Sichtbarkeit von Menschen zu erhöhen, die derzeit im generischen Maskulinum nicht abgebildet werden …

6. Setzt euch im Arbeitkontext für mehr Fairness ein
Helft mit patriarchale Strukturen am Arbeitsplatz zu überwinden.Auch in der Arbeitswelt ist das Patriarchat immer noch präsent. Oft wird das als so normal empfunden, dass die daraus erwachsenden Ungerechtigkeiten kaum ins Bewusstsein vordringen. Um diesen Strukturen entgegenzuwirken, sollte man für Diversität sorgen – sowohl auf den Panels als auch hinter den Kulissen. Gebt Frauen in Besprechungen Raum für ihre Beiträge, hört zu, unterstützt, verzichtet auf Mansplaining und hinterfragt euer Handeln – geht ihr wirklich vollkommen gleich mit Männern und Frauen um?

7. Positioniert euch klar gegen Sexismus
Hinterfragt euer Verhalten und handelt, wenn ihr Sexismus oder sexuelle Belästigung beobachtet.Fast jede Frau in Deutschland hat in ihrem Leben bereits sexuelle Belästigung erlebt. Diese reicht von anzüglichen oder abwertenden Kommentaren bis hin zu sexueller Gewalt. Aber auch abseits von verbalen oder physischen Übergriffen ist Sexismus eine permanente Begleitmelodie des Lebens von Frauen und nicht-binären Personen. Solidarisiert euch mit betroffenen Personen, mischt euch ein und stellt auch euer eigenes Verhalten auf den Prüfstand.

8. Kämpft gemeinsam für Geschlechtergerechtigkeit
Macht auf Ungleichheiten aufmerksam und bekämpft sie.Männer sind vielseitig privilegiert. Sie sitzen häufiger in Vorständen und Chefetagen, leisten weniger unbezahlte Arbeit und sind seltener von sexueller Belästigung oder Abwertung betroffen. Männer sind oft immer noch das Maß aller Dinge und bewegen sich darum mit einer größeren Selbstverständlichkeit als Frauen oder nicht-binäre Personen in unserer Welt. Diese privilegierte Position ermöglicht es aber auch, sich wirkungsvoll gegen Ungleichheiten zu positionieren und Geschlechtergerechtigkeit zu fordern und zu leben!1
Alle Männer nur Sexisten?

Die BILD, Deutschlands größte Tageszeitung, brachte es bezüglich der „Männer-Verhaltensregeln“ auf den Punkt: „Die Behörde greift hier massiv in die Privatsphäre der Mitarbeiter ein. Denn: Männer werden pauschal als unreflektierte Sexisten dargestellt, die angeblich Frauen unterdrücken und sich nicht um ihre Familie kümmern.“

Auf die diesbezügliche Anfrage beim Auswärtigen Amt wurde erklärt, dass die Gleichstellungsbeauftragte in der „Ausübung ihrer Tätigkeit weisungsfrei“, in ihrer „Amtsführung“ also „unabhängig“ sei. Deshalb würde offiziell diese Kampagne auch nicht kommentiert.

Neuer Kampfbegriff: „Toxische Männlichkeit“

Die Gleichstellungsbeauftragte und ihr Team jedenfalls fabulieren zudem: „Die Auseinandersetzung mit individuellen Erfahrungen gibt uns die Chance, das Kleine im Großen und das Große im Kleinen zu betrachten. Dies gilt insbesondere für Rollenbilder und subjektive Erfahrungen mit Männlichkeit. Darum haben wir zwölf Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes gebeten, uns etwas über Klischees, toxische Männlichkeit, Rollenverteilungen und ihre persönliche Haltung zu einer geschlechtergerechten Sprache zu erzählen.“

Da ist es also, das neue Schlagwort mit dem Männer verunglimpft werden: „Toxische Männlichkeit“. Mit dieser „giftigen Männlichkeit“ ist das für die Gesellschaft schädliche Verhalten von Männern gemeint, sprich Gewalt, Dominanz, Aggressivität, Misogynie (dem krankhaften Hass von Männern gegenüber Frauen) und Homophobie.

Männliche Umerziehung und „maskulinistische Politik“

Feministen verwendeten den Begriff der „toxischen Männlichkeit“ insbesondere im Kontext der MeToo-Bewegung und von Donald Trump in Bezug auf „maskulinistischer Politik.“ So weit sind wir also schon in der Gesellschaft 2021: Männer sollen/müssen doch tatsächlich „umerzogen“ werden. Würde man dementsprechende „Verhaltensregeln“ für Frauen erfinden, wäre der Aufschrei wohl enorm.

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