Ein erschreckender Fall von „Sklaverei“ hat sich in Deutschland ereignet. Nun müssen sich zwei Syrer, ein Vater und sein Sohn, vor Gericht verantworten.

Was im bayerischen Pressath eine junge Frau erdulden musste, ist kaum vorstellbar und eigentlich für Deutschland undenkbar. Die damals noch minderjährige Syrerin Katbeh A. wurde mittels Fernehe nach islamischen Recht mit dem nach Deutschland geflüchteten Khaled E. verheiratet. Arrangiert hatte die Ehe Khaleds Vater Ahmad E., der die Jungfrau auch aus Syrien über die Balkanroute nach Deutschland schleuste, damit ein Stammhalter gezeugt werden kann. Als die junge Frau am 14. Mai 2018 in Deutschland ankam, wurde die Ehe nach islamischen Recht noch einmal erneuert und anschließend auch prompt durch Khaled vollzogen.

Schläge, Demütigungen, Vergewaltigungen

Was dann für die Syrerin begann, kann nur als Hölle auf Erden bezeichnet werden – es wirft aber ein bezeichnendes Licht auf das Frauenbild, welches teilweise noch immer im Islam vorherrscht. Wie die Staatsanwaltschaft berichtete, wurden der jungen Frau für die Schleusung zuerst die drei Goldringe, die sie als Morgengabe für die Ehe erhalten hatte, abgenommen. Wenn sie nicht im Sinne der Angeklagten „funktionierte“, wurde sie mit einem Gürtel regelrecht ausgepeitscht, mit einem Kleiderbügel oder mit Fäusten geschlagen oder an das Bett gebunden. Nur wenn sie ihrem Gatten – bzw. „Besitzer“ – die Füße küsste, hörten die Misshandlungen auf. Auch während der Schwangerschaft musste sie diese Torturen erdulden, wurde geschlagen, gewürgt und vergewaltigt. Teilweise dürften die Misshandlungen auch von den Angeklagten mit dem Handy gefilmt worden sein. Nach der Geburt des gewünschten Stammhalters sollte die Frau schließlich über die Türkei wieder nach Syrien gebracht werden, um sie dauerhaft von ihrem Kind zu trennen.

Es drohen mindesten 10 Jahre Haft

In der Türkei wurde die Frau jedoch aufgegriffen und am 11. September 2019 zurück nach Deutschland gebracht. Dort lebt die inzwischen 19-Jährige jetzt mit ihrem Kind in einem Frauenhaus, denn nach Syrien zu ihrer Familie kann sie nicht zurück, da sie Schande über die Familie gebracht hat. Die beiden mutmaßlichen Täter Ahmad E. (48) und sein Sohn Khaled (22) müssen sich nun Wegen Menschenraubs vor Gericht verantworten. Dem Sohn werden zudem gefährliche Körperverletzung in mehreren Fällen und Vergewaltigung in vier Fällen vorgeworfen. Den beiden Männern – in Deutschland sind sie inzwischen anerkannte Kriegsflüchtlinge – drohen drohen mindestens 10 Jahre Haft. Das Ende des Prozessen und das Urteil werden für den 23. Juli erwartet.