Seit vergangenen Mittwoch kommt die Grazer jüdische Gemeinde nicht mehr zur Ruhe. Nach pro-palästinensischen Schmierereien auf dem Gemeindehaus und an der Synagoge sowie der Zerstörung von Fensterscheiben, wurde am Samstag ihr Präsident, Elie Rosen, mit einem Holzprügel attackiert. Der Täter wurde als „dunkelhäutig mit weißer Kappe“ beschrieben.

von Kornelia Kirchweger

Zuspitzung in Graz

Spitzenpolitiker wie Bundespräsident, Bundeskanzler, Innenminister und Vertreter politischer Parteien verurteilten den Angriff auf das Schärfste. Jüdische Einrichtungen werden nun verstärkt überwacht. In einem Interview vor dem Angriff sagte Rosen, die Schmierereien seien nicht rechtsradikal. „Wir haben es in Graz verstärkt mit einem linken und anti-israelischen Antisemitismus zu tun. Das können wir klar feststellen. Es war nicht völkisch“. Studien belegen, dass in Europa mehr als 30 Prozent antisemitischer Vorfälle israelorientiert seien. Es habe heuer gravierende Fälle gegeben. Sogar einen Angriff auf einen Jugendlichen.

Wortloses Hindreschen

Rosen wollte mit seinem Auto auf das Grundstück des jüdischen Gemeindehauses einbiegen. Er und eine Begleitung trafen dabei auf einen Mann mit Baseballkappe, der auf einem Rad auf das Synagogenareal einfuhr und offensichtlich einen Stein dabei hatte. Rosen sei ausgestiegen, um den Mann zur Rede zu stellen. Da ging der Unbekannte auf ihn mit einem Baseballschläger los. Rosen konnte sich noch ins Auto flüchten und die Tür verriegeln. Der unbekannte Angreifer habe dann auf das Auto eingedroschen. Erst als Passanten dazu kamen, sei der Mann auf dem Rad geflüchtet. Der Angreifer, der als dunkelhäutig mit weißer Kappe beschrieben wird, habe während der ganzen Attacke kein Wort gesprochen. Die Polizei leitete sofort eine Fahndung ein.

IS-Geste auf Überwachungskamera

Die perfide Attacke passierte nach zwei Vandalenakten innerhalb weniger Tage. Am Mittwoch wurde die historische Mauer der im Jahr 2000 wieder eröffneten Synagoge und das nahe Gemeindehaus mit Pro-Palästinenser-Parolen beschmiert. Auf der Mauer stand (falsch geschrieben, aber erkennbar) „Palestin ist Frei“.  Zudem: „Unsere Sprache und unser Land sind rote Linien“. Schon bei diesem Vorfall wurden, laut jüdischer Gemeinde, Steine in den Hof geschleudert und eine IS-Geste in die Kamera gemacht. Beim zweiten Anschlag bewarf ein Unbekannter die Fenster des Gebetshauses mit Zement. Es entstand großer Sachschaden. Der Mann, der Rosen angriff, soll jenem ähnlich sein, der auf den Überwachungskameras beim Vandalenakt zu sehen ist.

FPÖ: „Importiertem Judenhass mit aller Härte begegnen“

Die FPÖ Steiermark verurteilt den Angriff auf Elie Rosen aufs Schärfste. Es sei nicht hinzunehmen, dass sich jüdische Mitbürger vielleicht bald nicht mehr auf die Straße trauen können. FPÖ-Klubobmann Mario Kunasek forderte in einer Pressemitteilung: Die heimische Politik darf sich nicht länger die alten Scheuklappen aufsetzen, vielmehr muss endlich dem insbesondere aus muslimischen Ländern importierten Judenhass mit aller Härte begegnet werden.“