Am 17.05.2019 schredderte das Ibiza-Video die bis dahin erfolgreiche türkis-blaue Bundesregierung. Mit ihr, so konnte man dieser Tage erfahren, wurden nicht zuletzt auch viele Pläne Herbert Kickls zerstört.

Ein Kommenat von René Rabeder

„Heimatschutzministerium“ statt Innenministerium

Der ehemalige Innenminister wollte den Ort seines Schaffens in „Heimatschutzministerium“ umbenennen. Auch ein Grenzzaun hätte entstehen sollen, damit Österreich nicht ein zweites Mal regelrecht überrannt werden könne. „Das hätte der Bundespräsident aber wohl nicht verdauen können“, attestierte Kickl unlängst.

Wie in billigen Agenten-Filmen

Scheinbar waren die Vorhaben des 50-Jährigen aber auch vielen einflussreichen Leuten außerhalb der Hofburg ein Dorn im Auge. Ein türkis-schwarzes Machtspiel um die Personalie Kickl und das Amt des Innenministers folgte und stürzte die Republik endgültig in eine politische Krise. Nur sechs Tage nach Veröffentlichung des Videos schredderte ein Mitarbeiter des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz dann auch noch die naive Vorstellung, dass Politik irgendwie anders funktionieren würde als in billigen Agenten-Filmen.

Nervöser Mitarbeiter des Kanzleramts

Ganz normale Vorgänge, will Kurz, der seinen „neuen Stil“ zu gerne auch einmal in der Wiener Stadthalle anbeten lässt, darin gesehen haben. Ich frage mich, wohl mit der Mehrheit der Bevölkerung gemeinsam, was daran normal sein soll, in den Stunden nach „Ibiza-Gate“ einen nervösen Mitarbeiter des Kanzleramts unter falschem Namen loszuschicken, um sensible Daten zu Staub zu verwandeln.

Wieviel kriminelle Energie steckt eigentlich in solch einem „normalen Vorgang“ in der Politik, Herr Kurz? 76 Euro hat es gekostet, die Datenträger zu pulverisieren. Die Rechnung hat der ungeschickte „ÖVP-Geheimagent“ nie bezahlt.

Volkspartei schreddert ihr eigenes Image

Ob Sebastian Kurz bald die Rechnung für die „Schredder-Affäre“ begleichen werden muss, wird man noch sehen. Klar ist: Das souveräne Saubermann-Image der Volkspartei wird gerade zerbröselt. Begonnen damit hat ZiB-Moderator Armin Wolf, der ÖVP-Generalsekretär Nehammer vor den Augen der Wähler so schredderte, wie die Firma Reisswolf all jenes, das wir nie erfahren dürfen.