Der Notting Hill Carnival ist eine jährliche Londoner Veranstaltung zur Förderung der karibischen Kultur und der Toleranz zwischen verschiedenen Ethnien. Jetzt steht die weiße Sängerin Adele wegen ihrer Teilnahme daran unter Rassismusverdacht.

Dieses Jahr wurde die Veranstaltung aufgrund der Coronavirus-Pandemie virtuell ausgetragen. Adele veröffentlichte zu diesem Anlass ein Foto. Im Netz wird der Popstar von Linken und Dunkelhäutigen für den Karnevals-Look angegriffen. Sie werfen der britischen Sängerin Rassismus vor.

Das Foto zeigt die Sängerin in einem Bikinioberteil mit jamaikanischer Flagge und Bantu-Knoten, die traditionell von schwarzen Frauen getragen werden: 

 

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Happy what would be Notting Hill Carnival my beloved London 🇬🇧🇯🇲

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„Frisur, die nicht zu weißen Menschen gehört“

Für die Frisur wird Adele jetzt mitunter heftig kritisiert. So bezichtigen sie Nutzer die sogenannte „kulturelle Aneignung“ (englisch: Cultural Appropriation) durch ihr Foto zu normalisieren. Ein Kommentator schreibt: „Ich rate Ihnen dringend, sich weiterzubilden und Ihr weißes Privileg zu überprüfen“ und führt weiter aus: „Und um zu verdeutlichen, worauf ich mich beziehe, ist es die Aneignung einer Frisur, die nicht den weißen Menschen gehört. Es steht Ihnen nicht zu, diese Frisur zu tragen.“

„Krank und rassistisch“

Ein anderer sagt: „Angesichts der zunehmenden rassistischen Spannungen muss ich fragen, warum? …Warum hat Adele, eine kluge, junge, gebildete Frau wie sie, dieses offensichtlich kulturell unangemessene Outfit gepostet, während die Spannungen so besonders hoch sind. Versteht sie nicht, was sie tut?“ Ein anderer nannte das Outfit sogar „krank und rassistisch“.

Dennoch erhielt das Foto mehr als fünf Millionen Likes. Die 15-fache Grammy-Gewinnerin hat bisher noch nicht auf den Shitstorm reagiert.

Linke finden „kulturelle Aneignung“ rassistisch

Ausgehend von der US-amerikanischen Linken wird die sogenannte „kulturelle Aneigung“ zunehmend als rassistisches Verhalten deklariert.
Gemeint ist damit das Übernehmen fremder, kultureller Verhaltensweisen durch Weiße. Betroffen sind davon oftmals Kostüme (Bsp.: Indianerkostüme bei Kindern), aber auch alltägliche Looks, wie zum Beispiel Dreadlocks.

Sie sollen von Weißen nicht getragen werden, fordern die Vertreter der antirassistischen Strömung, die ihre Wurzel an US-amerikanischen Universitäten hat. Weiße seien ihrer Ansicht nach zu privilegiert, um von den Vorzügen bunter, fremder Kulturen profitieren zu dürfen. Deswegen hätten sie kein Recht auf das Aneignen solcher fremder, kultureller Codes.