Österreichs Behörden sollen umfassend um die Gefährlichkeit des Islamisten des Wien-Terrors gewusst haben. Drei geheime Verfassungsschutz-Operationen sollen sich mit dem Täter beschäftigt haben. FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl vermutet, dass der Islamist  durch ein Leck im Innenministerium vor einer anstehenden Razzia gewarnt wurde und daraufhin aktiv wurde.

Bereits im April 2019 soll der Terrorist, ein 20-jähriger Albaner mit nordmazedonischer und österreichischer Doppelstaatsbürgerschaft, zu einer Jugendhaftstrafe verurteilt. Er wurde 2018 an der türkischen Grenze gefasst, nachdem er versuchte dort dem IS als Kämpfer beizutreten. Im Dezember 2019 wurde er jedoch auf Bewährung frühzeitig freigelassen. Laut Innenminister Karl Nehammer stand der Islamist nicht unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes. Herbert Kickl hält diese Darstellung für unwahr: „Sollte sich das herausstellen, dass diese Darstellung nicht zutrifft, so ist der Innenminister rücktrittsreif!“

Stand Täter unter Beobachtung des Verfassungsschutzes?

Kickl verortet eine große Vertuschungsaktion seitens der Behörden. Es spreche vieles dafür, dass der Attentäter unter Beobachtung des Verfassungsschutz stand und dass es bereits polizeiliche Ermittlungen gegen ihn und sein Netzwerk gab. Ansonsten sei es unwahrscheinlich, dass innerhalb kürzester Zeit nach dem Anschlag 14 Verhaftungen stattfanden. Dennoch bleibe der Innenminister bei der Auskunft, dass der Attentäter nicht unter Beobachtung stand.

Teil von 3 Verfassungsschutz-Operationen

„Wir haben Kenntnis über zwei verdeckte Ermittlungsaktivitäten“, erklärte Herbert Kickl.

  • Im Zuge der Operation „Ansa“ wurde seit Anfang 2020 die islamistische Szene in Wien beobachtet. Sowohl der Täter als auch sein Umfeld seien dadurch auf dem Radar des Verfassungsschutzes gewesen. Dieser hielt fest, dass der erschossene Täter häufiger Gast in salafistischen Moscheen war.
  • Auch die Operation „Zulu“ soll sich mit dem Terroristen beschäftigt haben.

Im Zuge der Operation „Ramses“ waren bereits für die frühen Morgenstunden des 3. November zahlreiche Hausdurchsuchungen in der Islamistenszene angesetzt. Deswegen seien auch so viele Islamisten so kurz nach dem Anschlag verhaftet worden, mutmaßt Kickl.

Undichte Stelle vermutet

Kickl vermutet eine undichte Stelle im österreichischen Verfassungsschutz. Es sei ein eigenartiger Zufall, dass der Islamist wenige Stunden vor der bereits vorgesehenen Razzia den Anschlag beging. Die Razzia hätte auch den 20-Jährigen betroffen.

Familie sah ihn als Problemkind

Der 20-jährige Islamist war kein unbeschriebenes Blatt. Bereits zu Schulzeiten soll er als Problemkind gegolten haben, heißt es aus dem näheren Umfeld des Terroristen. Seine Familie habe sich stets Sorgen gemacht, dass der Junge auf die schiefe Bahn gerate. Doch es passierte offenbar nichts. Der gebürtige Mödlinger blieb das Sorgenkind der Familie und wurde zum Mörder der Wiener Terror-Nacht.

Wenig Begeisterung für Fußball

2015 versuchte er sich noch beim Österreichischen Kleinfeld Fußball Bund (ÖKFB) als Feldspieler. Doch sein Engagement für den Sport währte nicht lange: Nach nur einem Spiel, in dem er keine Tore schoss, ließ er den Mannschaftssport wieder bleiben.

Wollte lieber für den IS kämpfen

Nur drei Jahre später soll er jedoch versucht haben, sich dem Islamischen Staat in Syrien anzuschließen. Diese Absicht wurde jedoch vereitelt: Er wurde an der türkischen Grenze gefasst und daraufhin in Österreich inhaftiert. Mittlerweile bekennt sich der IS zum Terror-Anschlag von Wien.

Erhielt „Deradikalisierungs-Gütesiegel“

Am 5. Dezember 2019 wurde der Islamist frühzeitig aus der Haft entlassen. Innenminister Karl Nehammer erklärte, dass der 20-Jährige es geschafft habe, „das Deradikalisierungsprogramm der Justiz zu täuschen“. Auch Justizministerin Alma Zadic verteidigte die Entlassung: Wie gesetzlich vorgesehen, sei er am 5. Dezember 2019 nach zwei Dritteln Haft bedingt entlassen worden, unter Auflage regelmäßiger Kontakte zu den Organisationen „Neustart“ und „Derad“. Derad soll dem Islamisten laut Herbert Kickl ein „Deradikalisierungs-Gütesiegel“ ausgestellt haben, indem er als unbedenklich eingestuft wurde.

Slowakei warnte Österreich

Mitte Juli versuchte der ethnische Albaner Munition für sein Ak-47 Sturmgewehr in der Slowakei zu beschaffen. Das ging jedoch schief: Nachdem der 20-Jährige, der gemeinsam mit einem Freund im Auto der Mutter anreiste, keine Waffenberechtigung vorweisen konnte, verständigte der Verkäufer die Polizei. Wochenblick berichtete. Diese verständigte daraufhin die Behörden in Österreich. Wieder geschah offenbar nichts. Ex-Innenminister Herbert Kickl findet es unverständlich, dass der Islamist, der nur auf Bewährung in Freiheit war, nicht erneut verhaftet wurde, nachdem er sich rechtswidrig gefährliche Munition für sein Sturmgewehr kaufte.

Neuer Hinweis im Oktober

Im Oktober soll erneut ein Hinweis über die akute Gefahr des Islamisten beim Verfassungsschutz eingegangen sein. Hätten die Behörden darauf reagiert, hätte der Terror-Anschlag verhindert werden können.