„Das macht alles keinen Spaß mehr“, räsoniert die als Hotel-Rebellin bekanntgewordene Unternehmerin Bettina Grieshofer aus Bad Aussee, die ihre erst vor zwei Jahren eröffnete Pension mit dem geschichtsträchtigen Namen „Anna Plochl“ nun verkaufen will. Dass man sie nicht arbeiten lässt, macht sie „rasend“, zumal die umtriebige 51-Jährige gewohnt ist, immer etwas zu tun.

Von Kurt Guggenbichler

Deshalb beschäftigt sich die gebürtige Liezenerin, die vor 15 Jahren im Ausseerland ansässig wurde, in dieser Corona-Lockdown-Stillstandzeit nun mit dem Sichten der Kaufangebote für ihr Haus, wofür es wenigstens 30 Interessenten gebe. Doch keines der Offerte hätte bislang ihr Interesse zu wecken vermocht, bemerkt sie im Hinblick auf die ihr vorschwebende Kaufsumme. Immerhin hatte Grieshofer eine Million Euro und vier Monate harter Arbeit in ihre kleine und feine Herberge investiert, deren acht Zimmer sie gern mit Gästen gefüllt sähe. In Vor-Corona-Zeiten sei dies auch kein Problem gewesen, das Ganzjahreshaus war immer gut belegt, zumindest noch bis vor acht Monaten.
Dann wurde das Leben in der Republik heruntergefahren und seit dieser Zeit kommen keine Gäste mehr. Seitdem ist die Pension genau so leer wie die Kasse des kleinen touristischen Betriebes.

Noch ist Haus geöffnet

Deshalb nähme Bettina auch gern einige Privatgäste bei sich auf. Geschäftsreisende dürfte sie ohnehin jederzeit bei sich beherbergen, auch ohne Corona-Test, wie sie betont. „Verrückt, nicht?“ Dass sie Geschäftsreisende zwar bei sich unterbringen könne, Vergnügungsreisende aber nicht, hält Grieshofer für einen „ziemlichen Schwachsinn“. Als ob das Virus in dieser Hinsicht unterscheiden würde … „Wenn Privatreisende zu mir kommen wollen, lasse ich sie sicher bei mir wohnen“, sagt Grieshofer, freilich nicht ohne die Gäste darüber zu informieren, dass diese – wie auch sie selbst – dann mit einer Strafe zu rechnen hätten.
Daher dürfte Bettina vermutlich gar nicht in die Verlegenheit kommen, die Rebellin zu spielen. Im Moment würden ohnehin keine Privatreisenden an ihrer Tür klopfen – leider!
Deren Geld könnte sie aber gut gebrauchen, zumal sie vom Staat an finanzieller Hilfe nichts zu erwarten hat.

Die Hilfe ist unzureichend

Denn da sie ihre „Plochl“-Herberge noch nicht so lange betreibt und ihr Umsatz-Minus nur 38 Prozent beträgt, schaut Bettina durch die Finger. Grieshofer müsste mindestens 40 Prozent Umsatzminus nachweisen können, um den Ausfallbonus von 15 Prozent zu bekommen. Zum Sterben ist das zu viel, zum Leben aber zu wenig, lässt sie durchblicken und betont: „Das Unternehmertum in diesem Land steht mir bis hier!“ Dazu zeigt sie mit der flachen Hand auf ihren Hals.

Die Verkäuferinnen in den Supermärkten hätten es gut, denn die würden sich ihr Geld noch selber verdienen dürfen, sagt sie und seufzt: „Wir aber sind nun zur Untätigkeit verdammt und gezwungen, den Tag irgendwie rumzubringen“, meint sie auch mit Blick auf ihren Vater Willi Streit, der seiner Tochter beim Betreiben des kleinen Boutique-Hotels ein wenig zur Hand gegangen ist. Nun sind die beiden ihre eigenen Gäste und hoffen wohl auch nicht mehr auf bessere Zeiten, sondern nur noch auf ein gutes Kaufangebot!