Kürzlich eskalierten die Auseinandersetzungen krimineller Clans in Berlin. Nun scheint eine Welle der Gewalt in Essen (Nordrhein-Westfalen) zu drohen.

Die Zeitung „Der Westen“ berichtet von verstörenden Bildern. So sollen zwei libanesisch-stämmige Männer von rund 30 Syrern angegriffen worden sein. Die kurz darauf eintreffende Polizei habe allerdings niemanden mehr vorgefunden. Wenig später – so soll auf einem Video zu sehen sein – marschieren zahlreiche Männer durch Essen und suchen nach den Angreifern. Ebenfalls ist zu hören, wie sie auf Arabisch Syrer beleidigen.

Clan-Kriminalität nichts neues in NRW

Für die Polizei ist dies nichts Neues. Schon seit Jahren hat Nordrhein-Westfalen ein Problem mit kriminellen türkisch-arabischen Clans. Insgesamt gehen Ermittler von von 111 kriminellen Clans aus, die in dem Bundesland ihr Unwesen treiben. Besonders betroffen sind die Großstädte im Ruhrgebiet, wobei Essen dabei eine Häufung von Tatverdächtigen und Straftaten aufweist. So sollen allein 3.779 den Clans zuzuordnende Tatverdächtige für 6.104 Straftaten verantwortlich sein. Wie es nun scheint, geht die Polizei schon länger von möglichen Eskalationen in dem Milieu aus.

Verteilungskämpfe im kriminellen Milieu

Dabei geht es einerseits um Verteilungskämpfe und die Erschließung neuer Gebiete, wie der leitende Kriminaldirektor Thomas Jungbluth erklärt: „Es gibt Schlägereien im Milieu, wo wir mutmaßen, dass das erste Schritte Richtung Verteilungskämpfe sind.“ Dafür nennt er auch Beispiele: „Man darf nicht vergessen, dass sich die Clans untereinander nicht wohl gesonnen sind. … Ein anderes Beispiel aus einer anderen Stadt: Hier hat die Polizei sehr erfolgreich einen Teil eines Clans aus dem Verkehr gezogen, der im Rauschgiftgeschäft tätig war. Da hat ein anderer Clan gesehen: ‚Die sind weg, hier können wir uns breit machen.‘ Der Clan hat versucht, das Geschäftsfeld zu übernehmen.“

Auch ethnische Konflikte spielen eine Rolle

Vernachlässigen darf man jedoch auch nicht die Konflikte, die auf ethnischen Komponenten beruhen. Schließlich haben viele Clan-Mitglieder einen Migrationshintergrund – viele haben eine türkische (15 Prozent) oder libanesische (31 Prozent) Staatsangehörigkeit, 36 Prozent haben eine deutsche Staatsangehörigkeit, fünf Prozent sind staatenlos. So erklärt auch Wirtschafts- und Islamwissenschaftler Ahmad A. Omeirate (36) aus Berlin gegenüber „Der Westen“ die Situation: „Es besteht eine historische Antipathie zwischen bestimmten syrischen und libanesischen Gruppen, die schon seit dem Bürgerkrieg im Libanon ab 1975 besteht“ und warnt zudem vor einer weiteren Eskalation.

Parallelwelten und eigene Gerichtsbarkeit

Wie stark die Clans mittlerweile in Deutschland sind, zeigten erst kürzlich die Rivalitätskämpfe zwischen Tschetschenen und dem Remmo-Clan in Berlin. Innerhalb von nur 24 Stunden kam es da zu drei Übergriffen. Die Berliner Polizei befürchtete bereits einen ausgewachsenen Clan-Krieg auf den Straßen der Bundeshauptstadt. Allerdings einigten sich beide Seiten schließlich auf ein internes Friedensgespräch um ihre Konflikte vorerst beizulegen. Die Polizei und der Rechtsstaat können nur zuschauen