Immer verrückter werden die Einfälle, mit denen die Handelnden ihre Planlosigkeit in der Krise verschleiern wollen. Nachdem es in Deutschland etwa bereits eine Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer in zahlreichen Landkreise und kreisfreien Städten gibt, lässt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit einer besonders grotesken Idee aufhorchen: Er will den Öffi-Passagieren einfach den Mund verbieten. 

Nicht nur symbolisch ist der Maulkorb, den man Millionen Schülern und Pendlern aufzwingen möchte. Zwar sieht der ÖPNV-Dachverband in der verordneten Pflicht von nicht für den privaten Gebrauch bestimmten und höchst umstrittenen FFP2-Masken keinen Sinn. Seine Alternative ist aber nicht minder unfassbar. Die Menschen sollen in Bus und Bahn nicht mehr reden dürfen – weder miteinander noch am Telefon. 

Sprechverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln

VDV-Sprecher Ingo Wortmann – ein angesichts der Idee eines Sprechverbots ironischer Name – ist vollends von seinem Vorstoß überzeugt. „Die Vermeidung von Gesprächen miteinander und per Telefon wäre eine weitere Möglichkeit, um die Aerosolausbreitung zu verringern“, so die Logik. Die Frage, wie „feucht-fröhlich“ er sich eine morgendliche Unterhaltung im Bus eigentlich vorstellt, muss dabei wohl unbeantwortet bleiben.

Ganz so erfinderisch ist die Idee dann aber doch nicht – denn in Corona-Zeiten gibt es kaum einen früher undenkbaren Vorschlag, der nicht längst Realität wäre. In Spanien gilt eine Empfehlung, sich nicht zu unterhalten, bereits seit dem Herbst. Auf den Balearen – darunter befinden sich auch Ibiza und Mallorca – ist das Sprechverbot in den Öffis seit vergangener Woche tatsächlich Vorschrift.

Lauterbach will Bus- und Bahnreisende aussperren

Es ist nicht der einzige kuriose Vorschlag für den öffentlichen Nahverkehr. SPD-Mann Karl Lauterbach, der sich auch eine Entfristung der Lockdown-Maßnahmen vorstellen kann etwa forderte eine Obergrenze bei der Beförderung. Dabei kämpfen Bus und Bahn schon seit Beginn der Krise mit Zulaufproblemen, die Auslastung beträgt bundesweit nur 30 bis 40 Prozent der früheren Zahlen.

Wenn das immer noch ‚zu viel‘ ist, stellt sich allerdings auch die Frage, wer für all die dadurch entstehenden Fehlstunden von Arbeitern aufkommen soll. Auch für die Idee des Sprechverbots kann sich Lauterbach übrigens erwärmen. Er will dabei aber auf Schilder setzen, welche die Menschen anweisen sollen, nicht zu sprechen. Er machte sich zudem für eine FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr stark. Am Mittwoch kam diese dann tatsächlich.