„Eine schöne Gegend zum Radlfahren“, schwärmt FPÖ-Klub­obmann Herbert Kickl über das Innviertel, das seiner Ansicht nach aber auch ein guter Boden für freiheitliche Politik ist. Das zeigte dann der starke Zulauf zu seinen Auftritten in den Orten Kirchheim und Aspach, wo Menschen aller Altergruppen den Spitzenpolitiker für sein Versprechen, kantige Oppositionspolitik zu machen, beklatschten.

Ein Lokalaugenschein mit Kurt Guggenbichler

So wie Vizekanzler Werner Kog­lers Covid-19-Virus anscheinend weiß, dass es bei großen politischen Versammlungen nicht gefährlich sein darf, weil diese für die Demokratie wichtig sind, wusste am Samstag offenbar auch der Regen, was sich gehört.

Er schloss wenigstens bei der Ankunft von FPÖ-Klub­obmann Herbert Kickl im Innviertler Ort Kirchheim seine Schleusen, die schon seit dem frühen Morgen geöffnet gewesen waren.

Sogar die Sonne lachte ein wenig vom Himmel, als der Spitzenpolitiker am frühen Nachmittag den Gastgarten des örtlichen Kirchenwirts betrat, wo ihn das Patronat Doris und Johann Wimmer herzlich begrüßte und wo ihn auch schon viele junge Leute aus den Bezirken Braunau, Schärding, Ried und Wels erwarteten.

Raus aus dem Schlamassel

„Mit dieser Veranstaltung beenden wir zumindest bei uns im Innviertel die Corona-bedingt gewesene Stillstandzeit der Partei“, sagte mir der frühere oberösterreichische Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek schon bei der Anreise.

Weil er – ebenso wie seine Gesinnungsfreunde – das politische Feld in diesem Land nicht ganz „dem heiligen Sebastian und seinen Jüngern“ überlassen will, wie auch Herbert Kickl später noch bemerken sollte.

„Wir müssen wieder eine kantige Oppositionspolitik machen“, erklärte er dann den interessiert lauschenden jungen Leuten, „und wir werden und müssen uns aus dem derzeitigen Schlamassel, das nur von einigen Wenigen verursacht worden war, wieder herausmanövrieren.“

Die Worte Corona und Ibiza könne er bald nicht mehr hören, und überhaupt wäre es hoch an der Zeit, sich wieder mit den wesentlichen Dingen des Lebens zu befassen, sagte Kickl. Dies empfiehlt aber nicht nur er, sondern auch der stellvertretende oberösterreichische Landeshauptmann Manfred Haimbuchner, der Kickl bei dieser Stippvisite „auf starkem freiheitlichen Gelände“ (gemeint ist das Innviertel) begleitete.

Gute inhaltliche Arbeit

Bei ihrer Empfehlung hatten die beiden auch die Medien im Visier, die für Kickl „eine Kaste sind, die sich nur mit sich selber beschäftigt“ – ruhiggestellt durch Millionen-Zuschüsse der Regierung. Daher könnten die Türkis-Grünen zur Zeit machen, was sie wollen.

Dies sei eine gefährliche Entwicklung, warnt er, der man als freiheitlich gesinnter Mensch Einhalt gebieten müsse. Inhaltlich sei die politische Arbeit der FPÖ in der Vergangenheit auch stets in Ordnung gewesen, resümierte Kickl, und man habe den alten Koalitionspartner mit den Themen sogar vor sich hergetrieben.

„Dorthin müssen wir wieder zurück“, war er sich mit Haimbuchner einig, der manchmal die Schwäche der SPÖ in Oberösterreich bedauert. Dies sei für die Landes-FPÖ insofern problematisch, erläuterte der Vize-Landeschef, weil er für einige Themen oft einen politischen Partner bräuchte, um diese gegen die Mehrheitspartei ÖVP auf Landesebene durchzusetzen.

In der Bundespolitik stünden die Chancen für eine kantige Oppositionspolitik jedenfalls gut, denn Sebastian Kurz hätte seine besten Tage bereits hinter sich, glaubt Kickl.
„Eigentlich wäre es Aufgabe einer Regierung, das Land durch die Krise zu führen“, hämte der FPÖ-Klubobmann, „doch Kurz und Kogler führen die Krise durch das Land.“ Damit müsse Schluss sein, und für die Rückkehr zur alten Normalität sei es hoch an der Zeit, wenn das Land nicht völlig vor die Hunde gehen soll.

Zurück zur alten Normalität

Für diese Einschätzung gab es dann auch bei der zweiten Station von Kickls Innviertel-Besuch im Gasthaus Danzer in Aspach große Zustimmung durch Publikumsapplaus. Trotz des Wetters, das sich zwischenzeitlich wieder verschlechtert hatte, waren nicht nur viele Innviertler zu Kickls Kundgebung geströmt, dessen geschliffener und launiger, nichtsdestotrotz aber ernster Vortrag ein wenig an die Aschermittwochsreden erinnerte.

Wegen des wieder heftig einsetzenden Starkregens war sein Auftritt, der ursprünglich im Freien hätte stattfinden sollen, in den Saal verlegt worden. Dort versuchte man, die Abstandsregeln so gut es ging einzuhalten.

Doch da es sich um eine für die Demokratie politisch wichtige Veranstaltung handelte, ging man – eingedenk der bekannten Erklärungen des Vizekanzlers – davon aus, dass auch in Aspach das Virus wusste, dass es sich zurückhalten musste.

Die Freude der Menschen, sich wieder in größerer Zahl versammeln zu können, war im Saal deutlich zu spüren, und vor dem Virus schien sich auch keiner der Besucher zu fürchten.

Angst, so Kickl, sollte man vielmehr vor den Folgen des wochenlangen Stillstands haben, mit denen wir noch konfrontiert würden. „Der nächste Corona-Tote ist nämlich die Wirtschaft“, prophezeite der FPÖ-Klubobmann, der vor Kurz, „dem Baby-Elefanten der Regierung, und seinen Scheinheiligen“, eindringlich warnte.

Viele Fotos mit Herbert

Denen ginge es nicht um das Land, sondern um die Erhaltung der Macht, betonte Kickl, dem dies alles wie ein böser Traum vorkomme, aus dem er hoffentlich bald erwache. Damit dürfte er seinen vielen Zuhörern aus der Seele gesprochen haben, denn nach seinem Vortrag setzte ein enormer Selfie-Ansturm auf den Spitzenpolitiker ein.

Alle wollten sich mit Herbert fotografieren lassen: Junge, Alte, Frauen, Männer, Paare, Kinder, Rollstuhlfahrer. Klack, klack, klack! Da hätte sogar der „heilige Sebastian“ neidisch werden können.

Der glaube, einen Alleinanspruch auf die Rolle des Erlösers zu haben, formulierte ein begeisterter Besucher der Veranstaltung beim Danzer-Wirt in Aspach noch sarkastisch, ehe er glücklich den Nachhauseweg antrat, begleitet vom zufriedenen Lächeln Elmar Podgorscheks über die erfolgreich verlaufene Veranstaltung.