Das erste Mal seit dem totalen Lockdown finden in Italien wieder Wahlen statt. Die zweitägigen Regionalwahlen (sie enden Montag Abend) werden zum Stimmungstest für die Mitte-Links-Regierung. Sie finden in sieben der zwanzig italienischen Regionen statt. Lega-Chef Matteo Salvini trat mit einer breiten, rechten Allianz in die Wahlen ein.

Mit einem Zusammenschluss aus Salvinis Lega, Fratelli d’Italia und Forza Italia ist es dem beliebten, rechten Parteiführer gelungen, Einheitskandidaten in allen sieben Regionen aufzustellen. Die starke, rechte Opposition tritt damit zum Kräftemessen gegen das linke Establishment an. Währenddessen sind die italienischen Links-Parteien vielerorts zerstritten. In Venetien und Ligurien rechnet man bereits mit einem klaren Sieg von Salvinis rechter Allianz. Doch auch in Marken und Apulien könnte den Linken der Sieg abgerungen werden.

Linke könnte Hochburgen verlieren

Die Linke droht ihre Hochburg Toskana und auch andere Regionen an das rechtsgerichtete Bündnis zu verlieren. 20 Millionen Italiener sind bis Montag Abend in den Regionen Kampagnien, Ligurien, Marken, Apulien, Aostatal, Venetien und der Toskana zum Wählen aufgerufen. Bis Sonntag lag die Wahlbeteiligung erst bei 12,3 Prozent.

Salvinis „Löwin“ soll Sieg über Toskana erringen

Doch vor allem in der Toskana wird das Rennen um die Regionalherrschaft spannend. Die Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem linksliberalen Eugenio Giani (PD) und der attraktiven Susanna Ceccardi (Lega) voraus.

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Salvini bezeichnet die schöne Juristin, die bereits mit 29 Jahren zur Bürgermeisterin der Kleinstadt Cascina gewählt wurde, als seine „Leonessa“, seine Löwin. Seit über 50 Jahren wird die beliebte Urlaubsregion von der Linken regiert. Mit Ceccardi könnte die Toskana ihren historischen Bruch mit der linken Mehrheit erleben.

Schicksalswahl für Salvini

Gerade für Matteo Salvini könnte die Wahl zur Schicksalswahl werden. Gute Ergebnisse könnten seine Position als Star der Rechten festigen, das Bündnis mit den beiden anderen Parteien schafft dafür eine gute Ausgangslage. Eine Niederlage könnte jedoch auch seinen späteren Sturz bedeuten.

Italienweites Referendum: Parlamentsverkleinerung

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Italien ist durch die jahrelange Misswirtschaft und nicht zuletzt durch den Corona-Lockdown schwer angeschlagen. Deswegen wird jetzt auch über eine Verkleinerung des Parlaments abgestimmt. Neben der Regionalwahlen findet so auch ein landesweites Referendum statt. So sollen die Italiener entscheiden, ob die Parlamentssitze im Unterhaus von 630 auf 400 Sitze und im Senat von 315 auf 200 Sitze reduziert werden sollen.