Ein Videomitschnitt von einer Parteiveranstaltung am vergangenen Wochenende sorgt deutschlandweit für Empörung. Dort ließ eine Funktionärin der Linken offenbar ganz ungeniert Gewaltfantasien freien Lauf…

Am 29. Feber und 1. März traf sich vieles, was Rang und Namen bei der in Teilen vom Verfassungsschutz beobachteten Partei hat in Kassel zu einer „Strategiekonferenz“. Dabei sollte erörtert werden, wie die Partei bei gesellschaftlichen Grundsatzfragen „erfolgreich eingreifen“ könne. Mittendrin statt nur dabei: Parteichef Bernd Riexinger.

Funktionärin: Erschießung von „ein Prozent der Reichen“

Bei einer Podiumsdiskussion über einen „sozial-ökologischen Systemwechsel“ kommt es dann zum Eklat. Eine Funktionärin in der ersten Reihe meldet sich zu Wort. Es handelt sich um die Berlinerin Sandra L. von der LAG Betrieb und Gewerkschaft & BAG Klimagerechtigkeit. Sie kritisiert zuerst, dass man das Thema einer Energiewende nicht den Grünen überlassen dürfe. Dies führe nämlich zu einer Privatisierung, welche ärmere Menschen ausschlösse.

Nach diesem prinzipiell sachlichen Einstieg redet sich L. aber in einen Strudel: „Eine Energiewende ist auch nötig nach ’ner Revolution. Und auch wenn wir dat ein Prozent der Reichen erschoss’n ham, ist es immer noch so, dass wir heizen müssen.“ Daraufhin klatschen einzelne Besucher. Sie führt noch weiter aus, dass man von der „Meta-Ebene“ Abschied nehmen müsse. Schließlich bittet die Diskussionsleiterin sie, allmählich zum Ende ihrer Ausführungen zu kommen.

Parteichef Riexinger witzelt über „nützliche Arbeit“

Nachdem das Mikro wieder am Podium ist, nützt Parteichef Bernd Riexinger die Gelegenheit zum Kommentar – und witzelt über die Situation. Denn: „Ich möchte bloß sagen, wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein“. Auch das ist angesichts der Geschichte der SED als Rechtsvorgängerin der Linken und deren Verbindungen zur tatsächlich Arbeitslager unterhaltenden Sowjetunion eine zumindest unglücklich Äußerung.

Linken-Parteichef in Erklärungsnot

Gerade auch die Rolle von Riexinger, der seit 2012 gemeinsam mit Katja Kipping den Parteivorsitz innehat, bringt die Partei nun in Erklärungsnot. Der Parteichef selbst rechtfertigte dies auf Twitter. Es handle sich um eine „völlig aus dem Kontext“ gerissene Aussage seiner Parteikollegin. Allerdings bedaure er, dass er diese „nicht sofort unmissverständlich zurückgewiesen“ habe. CSU-Generalsekretär Markus Blume forderte dennoch seinen umgehenden Rücktritt.

Ausgerechnet vor Thüringen-Wahlwiederholung

Für einen kommt der Mitschnitt jedenfalls vollkommen zur Unzeit: Den Thüringer Linken-Chef Bodo Ramelow. Dieser war am 5. Februar zugunsten des FDP-Kandidaten Kemmerich als Ministerpräsident abgewählt worden. Weil auch AfD-Stimmen für diesen Ausgang verantwortlich waren, ereignete sich daraufhin ein regelrechtes Politbeben in Deutschland. Der Liberale trat nach massivem öffentlichen Druck zurück.

Angesichts der notwendigen Wiederholung der Wahl, welche am heutigen Mittwoch stattfinden soll, versuchten diverse Journalisten von Mainstream-Medien Ramelow als bürgerlichen Ausläufer seiner Partei zu verkaufen. Dieser muss sich nun also nicht nur mit dem Vorwurf herum schlagen, nach Informationen der Bild selbst einst nur aufgrund eines AfD-Abweichlers ins Amt gekommen zu sein.

Ramelow distanziert sich von Aussagen

Sondern er hat auch das Problem, dass eine Berliner Parteikollegin mit dem Erschießen von Vermögenden kokettierte. Vielleicht auch deshalb distanzierte sich Ramelow besonders intensiv von deren Aussagen.

Auch Ramelow mit umstrittenen Sagern

Auch Ramelow sorgt in jder Vergangenheit mit umstrittenen Äußerungen für Schlagzeilen, wie etwa der rechtsliberale Journalist Boris Reitschuster auf seinem Blog zusammenfasst. Neben einem Tweet aus dem Jahr 2012, als er sich „mit Genossen Stalin in Uljanowsk“ wähnte, war dies auch seine einstige Weigerung, die DDR als „Unrechtsstaat“ zu bezeichnen. Des weiteren soll er einst Fürsprache für die verbotene KPD geleistet haben.