In einem Interview mit der „Heute“-Zeitung verriet Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP), wie Urlaubsreisen im Jahr 2021 wieder möglich werden sollten. „Mit dem Grünen Pass – die EU-Kommission wird am 17. März einen Vorschlag vorlegen – hoffen wir, sicheres Reisen in gewissen Bahnen wieder ermöglichen zu können. Es kommt natürlich immer darauf an, wie die epidemiologische Entwicklung in anderen Ländern und bei uns ist. Eine Vorhersage für den Sommer ist daher schwierig, aber wir tun alles dafür, dass wir hier auch positive Ausblicke geben können,“ so die türkise Ministerin. Doch sie hält sich damit für wichtiger, als sie ist.

Von Franziska Bernhard

Laut dem Webportal „Canitravel.net” sind derzeit von insgesamt 248 Ländern und Gebieten 61 für den Reiseverkehr aus Österreich uneingeschränkt geöffnet, weitere 104 Länder binden die Einreise an gewisse Auflagen. Ein weltweiter Reiseverkehr ist damit theoretisch möglich. Außerdem muss man hierzu wissen, wie die Einreisepraxis in den jeweiligen Ländern bewertet wird.

Edtstadler flunkert über Situation in anderen Ländern

Keinesfalls ist es so, wie Edtstadler behauptet, dass allein die epidemiologische Lage eine Rolle spielt. Vielmehr geben die jeweiligen Auslandsvertretungen der Länder vor Ort eine Einschätzung der Lage zuhause ab. Das heißt also, dass etwa die österreichische Botschaft im Ausland den Behörden vor Ort tendenzielle Hinweise gibt, ob eine Einreise ihrer Bürger risikobehaftet wäre oder nicht.

Nachdem zahlreiche, vorwiegend konservativ regierte US-Bundesstaaten jüngst sämtliche Corona-Maßnahmen aufgehoben haben, drängen auch in Europa und Asien einige Länder auf Öffnung. So erlaubt etwa Zypern die problemlose Einreise für Bürger aus verschiedenen Länderkategorien, teils ohne jegliche Einschränkungen, teils mit negativem Testergebnis.

Zahlreiche Länder haben eigene Touristen-Programme

Seit Anfang März sollen dort im Zwei-Wochen-Takt sämtliche Maßnahmen stückweise fallen. Auch Portugal und Griechenland, die in der heimischen Presse als Seuchenherde verschrien werden, haben eigens entwickelte Programme entwickelt, um europäischen Arbeitnehmern zu ermöglichen, ihr Home Office in den sonnigen Süden zu verlegen. Während Griechenland massive Steuererleichterungen für Ausländer plant, stellt Portugal auf seinen Atlantikinseln jedem, der sein Home Office dorthin verlegen will, sogar einen kostenlosen Arbeitsplatz zur Verfügung.

Auch Thailand hat die Einreisesperre grundsätzlich aufgehoben; nach einer zehntägigen Quarantäne können sich Reisende frei im Land bewegen. Ähnlich verhält es sich auch mit zahlreichen Ländern Süd- und Mittelamerikas oder auch Tansania, Kenia und Südafrika, die seit geraumer Zeit einen immensen Zustrom in sechsstelliger Zahl von europäischen Maßnahmen-Flüchtlingen verzeichnen.

Grüner Pass in Wirklichkeit wie „Eiserner Vorhang“

„Wenn man wieder reisen möchte“, so Edtstadler, „wird man für die Buchungen nachweisen müssen, dass man keine Gefahr für andere darstellt.“ Seltsam nur, dass es weder die Länder am Mittelmeer noch am Indischen Ozean interessiert, ob Frau Edtstadler einen „grünen Pass“ ausgestellt hat oder nicht. Wenn Edtstadler also den ominösen „grünen Pass“ als Bedingung fürs Reisen einführen will, dann handelt es sich viel weniger um eine Einreiseerlaubnis ins Ausland, sondern vielmehr um eine Ausreiseerlaubnis aus dem Inland!

Es ist also offenkundig zu beobachten, dass etwa die Hälfte der weltweiten Nationen schrittweise öffnet, während die europäischen Kernländer schrittweise schließen, indem sie ihren Bürgern in absehbarer Zeit schlichtweg die Ausreise verweigern, wenn sie keinen „grünen Pass“ und damit keine Impfung vorweisen können. Die Einreise ist nämlich in keinem einzigen Land der Welt daran gebunden.