In Deutschland ist längst auch das Private politisch. Und das Politische ein Problem, wenn man die falsche Meinung hat. Da gibt es Menschen, die lieber hätten, wenn die Trümmer der Flut-Katastrophe auf ewig herumliegen, als dass die freiwillige Aufräumarbeit „den Falschen“ hilft. Zu „den Richtigen“ gehören hingegen TV-Moderatorinnen der Meinungs-Sender. Die kann man schon mal als fleißige Helfer hochjazzen, auch wenn sie gar nicht selbst Hand anlegen, sondern sich einfach nur mit Matsch bemalen.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Ein Sender mit Stützpunkt in den Flut-Bundesländern ist der Privatsender RTL. Und dort scheint man wohl auf seine langjährige Erfahrung mit „Scripted Reality“-Shows (vulgo: „Assi-TV“) zurückgegriffen zu haben. Eine bekannte Moderatorin schmierte sich mit Matsch voll und inszenierte sich als Fluthelferin. Tagelang feierte man sie in mehreren Portalen ohne jedes kritische Hinterfragen als Heldin. Dann tauchte ein Video auf, das zeigt, dass es sich bei ihrer vermeintlich aufopferungsvollen Mithilfe um eine besonders dreckige, mediale Ente im Hochwasser handelt.

Parallelen zum Fall Relotius: Kein „Einzel-Betrug“

Der Sender reagierte darauf mit Kindesweglegung, man wusste natürlich von nichts. Aus diesem Grund habe man bereits am Montag die Konsequenzen gezogen und sie beurlaubt. Jo, mag man ihnen eh glauben. Aber dann ist das mit der Außenkommunikation immer noch so eine Sache. Drei Tage lang schwieg man sich darüber aus, was nicht der Bock einer einzelnen Person sein konnte, die nach eigenen Aussagen in den Tagen zuvor wirklich geholfen haben will, aber sich um ihr „sauberes Oberteil“ schämte. Erst als die Sache „zu groß“ wurde, suchte man die Flucht nach vorn, aber nicht ohne sich zuerst an der Ex-Mitarbeiterin abzuputzen.

Der Umgang erinnert an den Fall Relotius. Auch damals war die Aufdeckung der Causa nur an der Oberfläche ein vorbildlicher Umgang mit einem Betrüger in den eigenen Reihen. In Wirklichkeit hatte die interne, redaktionelle Prüfung über Jahre versagt. Lieber gefiel man sich mit seinen rührenden Geschichten, die den Zeitgeist perfekt wiedergaben. Und so blendete man offensichtliche Widersprüche aus. Danach gab man den Überraschten und das eigentliche Opfer – und war fein aus der Nummer raus.

„Böse“ Rechte helfen, „gute“ Linke, tun als ob

Apropos Fluthilfe und Inszenierung: Da war doch was. Denn irgendwie musste man den Makel der schiefen Optik bei der Hilfe ja lösen. Denn während AfD-Politiker in Rheinland-Pfalz sich sofort aufmachten, um den Menschen im Überschwemmungsgebiet zu helfen und sich nicht zu schade waren, sich dreckig zu machen, halfen die Klima-Hüpfer um Luisa Neubauer anders. Sie stellten sich in Berlin vor einen Brunnen und zeterten über den „Klimawandel“ als vermeintlichen Auslöser.

Die Deutschen sollen auf gar keinen Fall als Flutopfer durchgehen, sondern müssen ein Flut-Tätervolk bleiben, so die verquere Logik. Einen Sandsack trug auf einem Bild zumindest SPD-Mandatar Helge Lindh, seine Schuhe und sein Polohemd sind blitzeblank. Als die Kritik in sozialen Medien am mutmaßlich inszenierten Bild wuchs, waren alle Kritiker natürlich wieder einmal böse, rechte Trolle. Und so langsam dämmert es: Nicht nur die Existenzen unzähliger fleißiger Bürger, sondern auch die Felle der Deutungshoheit schwimmen dahin.

Statt zu informieren: WDR-Mann setzt Hetz-Tweet ab

Zum Glück hat man aber noch seine Apologeten dieser „Gut und Böse“-Denkschule in so mancher Redaktionsstube sitzen. In diesem Fall ausgerechnet in jener des WDR, der eigentlich zuständige Sendeanstalt wäre, um die Bürger vor drohenden Katastrophen zu warnen. Aber nachdem auch die Politik tagelang die Warnungen ignorierte und eine Evakuierung verschlief, spielte man lieber die Popnacht. Nur Stunden später ertranken Menschen und Träume in den Fluten.

Niemand ist der Schuldige. Wenn schon die TV-Stationen versagen, wie hätte man denn schon Menschen warnen können? In einem Land, in dem man seit Monaten absolut jeden Einreisenden mit einer Quarantäne-SMS nervt, gewiss unvorstellbar. Also muss man halt Schadensbegrenzung betreiben. Und so kam das Narrativ der „bösen Rechten“ und „bösen Querdenker“ auf, die sich ja nur für ihren eigenen Vorteil als Fluthelfer „inszenieren“ wollen.

Während man Impfbusse als „Katastrophenhilfe“ versteht, sollen maßnahmenkritische Eltern auf gar keinen Fall helfen, pfui Deibel! Da hilft nur mehr der Einsatz von WDR-Mann Georg Restle. Und zwar nicht im Überschwemmungsgebiet, sondern auf Twitter.

Jahrelanges Politversagen für Ausmaß mitverantwortlich

Diese Behauptung ist nach der Enthüllung um die RTL-Journalistin nicht nur ziemlich schlecht gealtert. Denn: So viel, wie man bei so einer seltenen Hybris speiben möchte, gibt es vermutlich nicht einmal wegzuräumen. Schuld am Ausmaß der Katastrophe ist nämlich nicht der Mensch und sein möglicher Einfluss auf das Weltklima, sondern das kollektive Versagen der Öffentlichkeit. Frei nach Merkels infamer, mutmaßlicher Aussage aus der Asylkrise: Ist uns egal, ob wir Schuld am Zustrom der Wassermassen sind, nun sind sie halt da.

Dabei ist ein Gutteil dieser Problematik wirklich von Menschenhand gemacht. Und das nicht von malochenden Kohlearbeitern, die zu allem Überdruss noch einen 20 Jahre alten Diesel fahren. Sondern von Polit-Darstellern, die lieber den Fluthilfe-Fonds plünderten, um Asylanten zu alimentieren. Oder von jenen Politikern, die in mehreren Bundesländern – einschließlich des schwer getroffenen Nordrhein-Westfalen – die Flut-Soforthilfe für Betroffene kürzten.

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“

Und plötzlich wird Merkels Appell an das Volk, sich selbst zu helfen und privat zu spenden, von einer dreisten Ansage zur nüchternen Feststellung, was unter ihrer Kanzlerschaft bei der Sicherheit der Menschen kolossal verbockt wurde. Dass die deutsche Bundesregierung keine Ahnung hat, was sie tut, zeigte sich indes eindrucksvoll in einer Pressekonferenz vor wenigen Tagen. Es ist ein Offenbarungseid, der seinesgleichen sucht – und es ist eigentlich unverzeihlich. 

Das könnte Sie auch interessieren: