Bernadette Conrads sprach mit dem Aktivisten Jacob von "Studenten stehen auf"

Für das vergangene Pfingst-Wochenende waren in Berlin dutzende Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der deutschen Bundesregierung geplant. Die Behörden untersagten jedoch sämtliche Querdenker-Demonstrationen. Mehrere tausend kritische Bürger – und darunter viele junge Studenten – setzten dennoch alles daran, gegen die Corona-Diktatur aufzustehen. Die deutsche Polizei ging besonders rabiat gegen „Pfingsten in Berlin“ vor. Bernadette Conrads war am Samstag für den Wochenblick live vor Ort und entkam der brutalen deutschen Polizei selber nur um ein Haar.

Eine Reportage von Bernadette Conrads

Obwohl die deutschen Behörden die Kundgebungen zum großen Pfingstwochenende der Querdenker in Berlin untersagt hatten, trafen sich vergangenen Samstag um die Mittagszeit rund 5.000 Regierungskritiker vor dem Brandenburger Tor.

Berlin 2021 im Zeichen von Corona

Mit einem Uber fahre ich von meinem AirBnB vom Bobo-Bezirk Prenzlauer Berg aus zum Treffpunkt. Wir kommen am Berliner Dom vorbei. Seine barocke Palastarchitektur ist derzeit ikonisch von gigantischen Werbetafeln mit Corona-Impfpropaganda verdeckt. „#ÄRMELHOCH FÜR DIE CORONA SCHUTZIMPFUNG“ und „DEUTSCHLAND KREMPELT DIE #ÄRMELHOCH“ ist darauf zu lesen. Teils maskierte, teils unmaskierte, Alte, Junge, Männer, Frauen, eine Pflegekraft und eine „Person of Color“ machen es vor. Die Unmaskierten grinsen vom Gotteshaus, das zur prominenten Werbefläche umfunktioniert wurde. Allesamt zeigen sie stolz ihr Pflaster. Eigentlich bin ich noch ein wenig müde von der Corona-Party am Vorabend. Nun motiviert mich die Penetranz dieser Kampagne ungemein für die Demonstration.

Holocaust-Denkmal abgesperrt

Die Polizeipräsenz ist enorm und je näher wir dem Brandenburger Tor kommen, umso zahlreicher werden die Polizeibusse, die den Straßenrand säumen. Ansonsten herrscht kaum Verkehr, was „an Corona liege“, wie mir Berliner Bekannte zuvor erklärten. Im Vorbeifahren sehe ich in das verzerrte Gesicht einer Polizistin, deren Kollegen gerade noch eine Jause zur Stärkung einnehmen. Sie sieht ängstlich aus und scheint den Tränen nah. Ein eigenartiges Bild. Wird sie sich später unter dem Schutz des Polizeihelms beruhigen? 

Wir fahren am bekannten „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ vorbei. Zum ersten Mal sehe ich es in Natura. Doch eine nähere Erkundung bleibt mir verwehrt: Das Feld mit den 2711 Stelen ist mit Sperrbändern abgeriegelt. Wird es vor den in den Mainstreammedien oftmals als „rechtsradikal“ und „antisemitisch“ verunglimpften Querdenkern beschützt? Oder vielleicht doch vor den zahlreichen Anti-Israel-Kundgebungen? Erst am Vorabend konnte ich nach einem Besuch im deutschen Bundestag eine pro-palästinensische Kundgebung beobachten, die unter mächtiger Polizeipräsenz am Reichstag vorbeizog. Wie auch immer: Die Gefahr, in ein möglicherweise unmoralisches Instagram-Selfie-Fettnäpfchen zu tappen, ist dank dem Vorsehen der deutschen Behörden bereits von vornherein gebannt.

„Wird es gefährlich?“

Wie verabredet treffe ich Ulrich beim Tiergarten gegenüber vom Brandenburger Tor. Seit einem Jahr nimmt der 30-jährige Berliner regelmäßig an den maßnahmenkritischen Demonstrationen Teil. Eigentlich geht er gerne zu Fußballspielen, doch die Corona-Maßnahmen halten ihn von diesem Hobby fern. „Hat euch Mama alle gleich angezogen?“, ruft Ulrich, seines Zeichens ein sportlich gekleideter Marketingfachmann, frech in Richtung der Polizisten. Wohlwissend, dass sie ihn aufgrund der Distanz und der vielen Menschen nicht hören können. Das Wetter ist wechselnd und kühl. Mal scheint die Sonne durch, dann folgen wieder Regenschauer. „Kannst Du mit diesen Schuhen laufen?“, fragt er mich ernst und mustert mich vom Regenschirm, über meinen Stadtmantel bis hinunter zu meinen Stiefeletten. „Wird es denn gefährlich?“, frage ich ihn.

Wollen endlich wieder Tanzen

Um uns spielen Musiker das melancholische Corona-Protestlied „Wir wollen endlich wieder tanzen“. Es sind auch auffallend viele junge Leute zum Demonstrieren gekommen. Dazu wie gewohnt auch viele aus der Generation der besorgten Eltern und Großeltern, die durch den Testzwang in den Schulen und den dort drohenden Impfzwang für ihre Kinder und Enkelkinder politisiert wurden.

Verzweifelter Vater und Unternehmer will auswandern

Ein Vater dreier Kinder berichtet mir, dass er sich um seine Kinder sorge und ans Auswandern denkt. Und setzt betrübt nach: „Aber ich habe doch meine Firma hier in Deutschland.“ Er diskutiert mit Ulrich mögliche Optionen. In Russland sei die Welt noch in Ordnung und auch Weißrussland sei noch vernünftig, was die Maßnahmen angehe. Seine Kinder habe er wegen des Testzwangs bereits aus der Schule genommen. Die Berichterstattung der Systemmedien sei ein Verbrechen, ist er sich sicher. Er sei selbstständig und müsse sich nun zusätzlich mit seiner ebenso berufstätigen Frau um Unterricht und Betreuung der Kinder kümmern. 13 Stunden arbeite er am Tag, um seine Arbeitszeiten zu staffeln und sich die Betreuungstage der Kinder freizuschaufeln. „Wie soll ich das noch alles schaffen?“, fragt er uns sichtlich verzweifelt. Wir sind ergriffen von der Situation des aufopfernden Vaters. Mit Bedauern müssen wir feststellen, dass wir auch keine Antwort auf die Frage haben, die sich die Regierung gar nicht erst stellt.

Immer mehr Deutsche haben genug von den Systemmedien:

„Bananenrepublik“ Deutschland

Hipsterstadt Berlin. Der Geruch von Marihuana liegt in der Luft. Eine Frau reicht mir eine Banane: „Das hier ist eine Bananenrepublik. Darum sollten auch alle Bananen bekommen.“ Lachend zieht sie weiter, um den Nächsten eine Banane zu reichen. Ich bedanke mich für den Snack.

Initiative „Studenten stehen auf“ fordert Freiheit

Ulrich stellt mir die Aktivisten von der Initiative „Studenten stehen auf“ vor: „Das sind die Leute, mit denen ich hier unterwegs bin.“ Die Initiative wurde bereits im April 2020 gegründet und ist mittlerweile europaweit aktiv. Ihr Symbol ist ein roter Phönix. Denn wie der mythologische Vogel aus der Asche, sollen Bildung und Freiheit in neuem Glanz wiederauferstehen, erklärt mir eine Vertreterin der Initiative begeistert.

Ich spreche mit dem Aktivisten Jacob aus Hamburg. Seit April 2020 befindet er sich im Studenten-Widerstand. Jacob schildert, dass er nun schon seit fünf Jahren eine sehr freiheitliche Einstellung vertrete. Vor Corona habe er keine Angst gehabt, weil er den Medien schon lange kritisch gegenüberstehe. In Hamburg sei er dann auf die erste Demo gegangen und mittlerweile demonstriert er auch regelmäßig in Berlin. Jacob erklärt mir, dass er für die Vernetzung im Raum Hamburg zuständig sei und auch Vorlesungen und Veranstaltungen organisiere. Man baue derzeit die Strukturen aus.

Die Aktivisten investieren viel Zeit in den Aufbau von Ortsgruppen. 150 Vertrauensleute von „Studenten stehen auf“ seien an diesem Tag zur Demo nach Berlin gekommen. Deutschlandweit gebe es allerdings bereits ein „paar tausend“ Anhänger der Initiative.

Doch was fordern die Studenten? „Ein Leben in Freiheit, wir wollen zurück in die Präsenzlehre Unser Motto ist Freiheit für Wissenschaft, Meinung und Lehre. Wir konzentrieren uns darauf, dass das Studium, die Wissenschaft und die Bildung freiheitlicher werden.“, schildert Jacob.

Es geht weiter durch den Tiergarten

Ulrich unterbricht aufgeregt: „Die Bullen haben Fritz mitgenommen! Komm, wir müssen zu ihm.“ Die Studenten machen sich Sorgen: „Wo ist Fritz? Wo ist sein Bollerwagen?“ – der Aktivist transportierte damit die Fahnen und Sticker mit dem roten Phönix. Die Polizei spricht massenhaft Platzverweise aus und sperrt das Gebiet und verdrängt die Demonstranten. Einige Personen werden, abgeschirmt durch eine Vielzahl von weiteren Polizisten in Vollmontur, beamtshandelt. Es gibt kein Durchkommen, wir können Fritz nicht finden. Die Demo zieht durch den Tiergarten weiter.

Jetzt gilt es, wieder zurück auf die Straße zu kommen und dabei schneller als die Polizei zu sein. Noch sind die meisten guter Laune.

Geschafft! Wir kehren auf die Straße zurück und ziehen in die Poststraße.

Wilde Szenen in der Poststraße

„Friede, Freiheit, Demokratie!“, rufen die Demonstranten. Die Stimmung wird zunehmend aggressiver. Die Polizei nimmt scheinbar wahllos einzelne Personen fest und geht dabei – zum Ärger der Demonstranten – äußerst brutal vor.

Zu viert sollen Polizisten mit Fäusten auf einen Demonstranten eingeschlagen haben. Wir konnten seine Festnahme filmen. Der Mann wirkt mitgenommen. Demonstranten sehen im Vorgehen der Exekutive Nazimethoden.

Festnahme und Polizeidurchsage: „Machen Sie die Straße frei“

Es bildet sich zunehmend ein Kessel. Die deutsche Polizei scheint wesentlich brutaler vorzugehen, als ich es aus Österreich gewöhnt bin. Die Fronten scheinen verhärtet und eine Solidarität zwischen Polizisten und Bürgern scheint hier noch weniger gegeben. Scheinbar willkürlich greifen sich Polizisten einzelne Demonstranten heraus. „Wir müssen hier weg!“, ruft mir Ulrich eindringlich zu. Die Frage nach dem Schuhwerk ergab zunehmend Sinn. Wir laufen und möchten entkommen. Doch von allen Seiten drohen uns Polizisten einzukesseln. Die Straße ist stark verbaut, die Situation scheint zunehmend ausweglos. „Kommen wir über diesen Parkplatz weg?“, frage ich Ulrich. Er prüft die Lage und nickt: „Probieren wir’s!“

Die Flucht vor dem Polizei-Kessel

Wir laufen über den Parkplatz, weiter in einen kleinen Park. Zunehmend folgen uns weitere Demonstranten. Dahinter: Polizisten in Vollmontur. Ich stolpere über einen Draht und falle hin. Voll peinlich! „Scheiße! Alles gut?“, fragt mich Ulrich, der mir aufhilft. „Danke, alles okay.“ entgegne ich ihm und schon rennen wir weiter. Die Polizei hat uns bald eingeholt. Und dann das: Vor uns liegt ein hoher Zaun. Schnell klettere ich auf Ulrichs Geheiß gemeinsam mit weiteren Frauen über den Zaun. Er bleibt selbst dahinter und unterstützt ältere Menschen dabei, über die etwa zwei Meter hohen Eisengitter zu gelangen. Die ersten Polizisten sind nur noch wenige Meter entfernt.

Einige Demonstranten flüchten über den Zaun:

Die Polizei erreicht den Zaun. Nicht alle haben es darüber geschafft. Sie werden vermutlich festgenommen.

Studenten werden verwiesen, Palästinenser dürfen demonstrieren

Aus Telegram-Gruppen vernehmen wir, dass die Demonstration weitgehend von der Polizei aufgelöst wurde. „Das hat heute keinen Sinn mehr“, erklärt mir Ulrich. Wir treffen uns in einem Park beim „Gleisdreieck“ mit der Initiative „Studenten stehen auf“. Dort treffen wir auch auf Fritz. Er ist wohlauf und zeigt uns den Platzverweis den er von der Polizei erhalten hat. Die Studenten veranstalten noch Workshops. Darin wollen sie erlernen, wie sie ihren Protest professionalisieren können.

Auf dem Heimweg begegne ich auf dem Potsdamer Platz einer Pro-Palästina-Kundgebung. Sie findet im Beisein einiger Polizisten ungestört statt. Aber das kennen wir schon: Wie in Österreich hängt das Recht auf Demonstrationsfreiheit also auch in Deutschland von der Treue zur Bundesregierung ab.

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