Eigentlich ist Antje Weissböck eine friedfertige Person. Doch die eigene Notlage und die ihrer Kollegen hat sie dazu gezwungen, zur Revolutionsmutter einer heimischen Friseurgruppe zu werden, die wieder ganz schnell normal Geld verdienen können muss, um nicht Pleite zu gehen.

Von Kurt Guggenbichler

„Denn wenn das mit den Lockdowns so weitergeht, sind wir bald alle ruiniert“, betont Weissböck, die in Furtpoint bei Manning den Friseursalon „Antjes Haarwerk“ betreibt.
Denn auch im Motor ihres „Werkls“ ist schon seit einem Jahr Sand im Getriebe. Das Geschäft stottert. Doch trotz des „Gnadenaktes“ der Regierung, die körpernahen Dienstleister mit Testauflagen und Maskenzwang wieder ihre Betriebe öffnen zu lassen, kommt das Geschäft nicht in Fahrt.

Im Stich gelassen

Antje macht dies für ihren Betrieb an Hand ihrer Abrechnungen vom 1. Jänner bis 16. März dieses Jahres deutlich. „Ich habe in dieser Zeit 7.671,50 Euro eingenommen“, rechnet sie vor und weist auch mit Galgenhumor darauf hin, dass bei monatlichen Fixkosten von 7.000 Euro nicht mehr viel übrigbleibt. An staatlicher Unterstützung hat sie bislang aber nur einen Ausfallbonus von 1.099 Euro erhalten. „Aus diesem Grund habe ich mir heuer auch die Sozialversicherung stunden lassen müssen“, sagt Antje und betrachtet wehmütig ihre Kontosammelliste vom Vergleichszeitraum des Vorjahres, wo noch 20.767 Euro auf der Einnahmenseite standen.
Die Maßnahmen der Regierung zur Bewältigung der Corona-Krise, die nicht nur für Weissböck und ihre Mitarbeiter nicht nachvollziehbar sind, kosten unsere Existenzen, meutern die oö. Friseur-Freischärler, die ihr Anliegen am Montag bis nach Wien auf den Ballhausplatz trugen, weil sie sich auch von der Wirtschaftskammer im Stich gelassen fühlen.

Zwangsmitgliedschaft in Kammer beenden

„Mit den zuständigen Leuten in der Wirtschaftskammer in Oberösterreich haben wir wochenlang versucht, einen persönlichen Gesprächstermin zu bekommen“, erläutert Weissböck, „aber dort erfand man immer fadenscheinige Einwände, um mit uns nicht von Angesicht zu Angesicht reden zu müssen. Obwohl sie als Zwangsmitglieder nur noch geringe Hoffnungen hegen, von der Kammer in ihren Anliegen unterstützt zu werden, haben sie sich dennoch noch einmal aufgeschwungen, mit Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer ins Gespräch zu kommen, und ihm einen Brief geschrieben. Darin klagen sie, dass die öffentliche Hand von ihnen schon verlange, Steuern, Sozialversicherungen und Kammerumlagen zu zahlen, sie andererseits aber daran hindere, ihre Geschäfte zu führen.

Keine validen Daten

„Wir verlangen von der Wirtschaftskammer ein energischeres Auftreten, sonst wollen wir diese Vertretung nicht mehr haben“, fordern die Friseure, die keine Kammer haben wollen, die nur noch „der verlängerte Arm der Regierung ist.“ Außerdem, so Weissböck und ihre Mitstreiter, wolle man sich auch nicht mehr als „Druckmittel der Regierung zum Testen von Menschen“ missbrauchen lassen. Es gäbe keine validen Daten von erhöhter Ansteckungsgefahr in Friseursalons.