In Linz räumte die Polizei unter Beobachtung von zahlreichen Medienvertretern und begleitet vom lautstark geäußerten Unmut der dort versammelten Gäste am späten Montagnachmittag das gut besuchte „Badcafé“, in dem die Betreiberin Alexandra Pervulesko den Lockdown für beendet erklärt hatte.

Von Kurt Guggenbichler

„Wenn nur alle so mutig wären“, schwärmte ein Gast über die 51jährige Wirtin des Lokals in dem kleinen Haus Badgasse 7 in der Linzer Altstadt, wo es sich pikanterweise unter dem mächtigen Gebäude der oberösterreichischen ÖVP-Zentrale duckt.
Doch für Pervulesko, die sich nicht länger unter dem Corona-Regierungsdiktat ducken konnte, hat die eigenwillig vorgenommene Öffnung weniger mit Mut zu tun, als vielmehr mit Verzweiflung, weil sie nicht mehr wisse, wie sie sonst Geld verdienen könnte, um ihr Kind zu ernähren. Sie sei alleinerziehende Mutter und könnte ihren Buben nicht verhungern lassen. Sie wolle keine Revolution machen, sagt sie zu den Medienvertreten, sondern nur noch wieder ein Einkommen haben.

Regierung half Unternehmerin nicht

Natürlich weiß Pervulesko, dass sie mit ihrer „Flucht nach vorn“ gegen Verordnungen verstößt und zugegebenermaßen habe sie auch Angst vor den möglichen Folgen, wie sie betonte. „Ich weiß, dass mir eine Strafe bis zu 30.000 Euro blühen kann“. Sie wolle sich aber nicht vorwerfen lassen müssen, nicht alles für ihre Familie und für die Bestreitung ihres Lebensunterhalts getan zu haben. Zumindest versuche sie es. Von der Regierung sei bis jetzt nämlich keine finanzielle Unterstützung bei ihr angekommen und wohl auch keine zu erwarten, obwohl sie nicht schuld an ihrer finanziellen Misere sei. Ihr Lokal hat sie im Jahr 2019 renoviert und eingerichtet. Ohne früheren Umsatz gibt es auch keine Staatshilfen. Ihr durch den Lockdown verursachter Schaden betrage bereits bei 29.000 Euro.

Staatsmacht rückte in Kompaniestärke an

„Weit haben wir es gebracht“, raunte einer der Gäste kurz vor dem Eintreffen der Staatsmacht, die in Kompaniestärke anrückte (konkret: sieben Einsatzwagen), um die Wirtin und die im Lokal versammelten Leute zunächst zu belehren und danach noch ihre Personalien aufzunehmen. Es soll fast 100 Anzeigen gegeben haben, von gut 40 Personen wurde die Identität festgestellt.

Mit weiteren Kontrollen, so war zu vernehmen, sei zu rechnen.
„Nie im Leben hätte ich gedacht, dass in Linz so etwas einmal möglich sein könnte“, räsonierte Pervulesko und spielte damit auch auf ihre kurzfristige Verhaftung bei einer Demonstration einige Tage zuvor an (Wochenblick berichtete).

Beim zweiten Einsatz Lokal versiegelt

Ihr Vater, meinte sie, der Schauspieler am Landestheater gewesen sei, würde sich in seinem Grab umdrehen. Fazit vieler Besucher des Badcafés, die Pervulesko unterstützen wollten: „Schön wäre es gewesen, wenn auch noch andere Lokale als Lockdownbrecher mitgemacht hätten.“

Das Lokal wollte sie an diesem Montag um 20:00 schließen. Bis dahin herrschte bei glücklichen Gästen ausgelassene Stimmung. Das änderte sich mit dem zweiten Anrücken der Polizei. Das Lokal wurde auf Anordnung des Magistrats geschlossen und behördlich versiegelt. Nicht nur die Gäste sind ausgesperrt. Auch die Wirtin darf das Cafe nun ein Monat lang nicht betreten. Wie sie nun ihr Kind ernähren soll, ist unklar. Eine Möglichkeit, ihr finanzielle Hilfe zukommen zu lassen, besteht über die Seite der Organisatoren der Freitagsdemo, https://www.neuewahrheit.com/ .

Als sehr wichtig erwiesen sich die Livestreams, welche das Geschehen für Zeugen in ganz Österreich dokumentierten. Zum Erscheinungszeitpunkt dieses Artikels haben insgesamt bereits rund 150.000 Menschen die Videos gesehen.