Nach den chaotischen Tagen, die auf das Aus der Bundesregierung folgten, scheint sich die FPÖ rechtzeitig zum Finale des EU-Wahlkampfs gefangen zu haben. Der „beste Innenminister aller Zeiten“, Herbert Kickl war an vorderster Front der Wähler-Mobilisierung dabei, als Spitzenkandidat Harald Vilimsky von der „größten Wähler-Rückholaktion aller Zeiten“ sprach. Der „erfolgreichste Kandidat der Geschichte der Partei“, Norbert Hofer erinnerte an seine sensationellen Ergebnisse bei der knapp verlorenen Bundespräsidentenwahl.  

Der Viktor Adler Markt im Herzen von Wien-Favoriten war Freitagnachmittag Schauplatz des EU-Wahlkampf-Finales der FPÖ. Das blaue Bonmot der Stunde, „Jetzt erst recht!“, wurde dabei nicht nur von den Rednern auf der Bühne, sondern vor allem auch von den vielen tausenden Unterstützern auf der Straße greifbar gemacht. Musik, Österreich-Fahnen, Luftballons und FPÖ-Warnwesten verwandelten diesen Teil der Bundeshauptstadt in eine blaue Welle der Solidarität.

„Atom-Anschlag“ auf Freiheitliche

Die größte „Wähler-Rückholaktion die es jemals gegeben hat“, versprach der gebürtige Favoritner Harald Vilimsky, der vom Zuspruch der Menge so überwältigt war, dass er zu Beginn seiner Rede erst einmal ein Selfie mit der eindrucksvollen Szenerie machte. Es ginge bei der EU-Wahl vor allem darum, internationale Netzwerke zu verhindern, die versuchen würden, den Todesstoß für die Mitgliedstaaten vorzubereiten und eine zentralistische Regierung weiter auszubauen. Unterbrochen wurde seine Rede von „Kurz muss weg“-Rufen, eine deutliche Ansage in Richtung Ballhausplatz, wie Vilimsky konstatierte. Trotz des „Atom-Anschlags“ der mit einem illegalen Video auf die FPÖ aus Ibiza verübt worden war, betonte der Spitzenkandidat die Demut und die hingabevolle Arbeit dafür, dass Österreich nicht untergehen werde. „Es lebe unsere Heimat Österreich, es lebe die Demokratie, es lebe Rot-Weiß-Rot“.

„Deutschland hat Merkel, wir haben Hofer und Kickl“

„Ich bin wieder da“, begrüßte Norbert Hofer die Menge und dachte an all die Angriffe der „eingehängten Linken“ beim Präsidentenwahlkampf zurück. Angriffe, die auch damals schon nicht selten aus dem Ausland gekommen wären. Wie, so betonte Hofer, auch das Video aus Ibiza. Doch wer gedacht hätte, dass mit solch einer Aktion die freiheitliche Familie zu zerschlagen gewesen wäre, der hätte sich schwer getäuscht. „Die ÖVP ist nicht mehr türkis, sie ist wieder schwarz“, stellte der designierte Partei-Boss fest. Doch FPÖ-Politiker seien nicht wehleidig, fuhr er fort und ging in seiner Rede auf Konfrontationskurs in den dringendsten Fragen Europas. „Wenn Leute nur kommen um das Sozialsystem zu benutzen, dann sag ich ihnen, ihr seid nicht willkommen“. „Deutschland hat Merkel – Österreich hat Hofer und Kickl“, das sei für Norbert Hofer der beste Weg. Am Sonntag werde man jedenfalls ein klares Zeichen setzen, dass die freiheitliche Familie hinter Harald Vilimsky noch geschlossen zusammen stünde. Vilimsky sei ein rot-weiß-roter Adler in Brüssel – unter Papageien, die dort nur alles nachplappern würden.

„Herbert, Herbert, Herbert!“

Als erster Redner kam aber bereits zuvor unter tobendem Applaus der Menge, empfangen von minutenlangen „Herbert, Herbert, Herbert!“-Rufen, der ehemalige Innenminister Herbert Kickl auf die Bühne. „Ich habe mit meinen Leuten dafür gesorgt, dass wir Herr in unserem eigenen Haus bleiben“, erklärte dieser und scherzte, dass er eigentlich für diesen Tag geplant hätte, im Innenministerium den „Trümmerhaufen“ zu beseitigen, den seine Vorgänger im Amt hinterlassen hätten. Jetzt ginge es eben an, einen anderen „Trümmerhaufen“ wegzuräumen – jenen, den das „schwarze Machtkartell der ÖVP“ mit dem, so Kickl, „unnötigen in die Luft sprengen der erfolgreichen Bundesregierung“ angerichtet hat. „Warum ist es so still in den Ermittlungsbehörden, wenn es darum geht, wer dieses Video hergestellt hat?“, fragte der Ex-Innenminister und fuhr fort: „Es kann ein Zufall sein, dass meine Entlassung als oberster Chef der Polizei, die hier ermitteln hätte können, jetzt erfolgte – aber es muss keiner sein“. Dass die Wahrheit aber eines Tages ans Licht kommen würde, war sich Herbert Kickl aber sicher.

Möglichkeit für Revanche

Eine Stimme für die FPÖ bei der EU-Wahl am Sonntag sei eine Möglichkeit der Revanche für das Aus der Bundesregierung und gleichzeitig eine so wichtige für die Kräfte in der EU, die es mit den Interessen der Nationalstaaten Europas gut meinen würden.