Ein schönes Beispiel für Multi-Nationalismus: der russische Pharmakonzern R-Pharm wird an seinem bayrischen Standort in Illertissen den aktuell aussichtsreichsten Corona-Impfstoff herstellen und dazu das Werk mit 20 Mio. Euro expandieren. Der „Oxford-Impfstoff“ (CHAdOx1 nCoV-19) wurde von der Oxford-Universität gemeinsam mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca entwickelt. AstraZeneca arbeitet eng mit zwei von Bill Gates finanzierten Instituten zusammen und ist auch EU-Vertragspartner. Basis des Impfstoffes sind manipulierte Schimpansen-Viren, die Nebenwirkungen angeblich unbedeutend.

Von Kornelia Kirchweger

Aussichtsreichster Impfstoff

Noch im ersten Quartal 2021 soll in Bayern die Fertigung des „Oxford-Impfstoffes“ gegen das Corona-Virus mit 500 Mio. Impfdosen Jahresproduktion beginnen. Der Impfstoff wirkt angeblich zweifach: er fördert die Bildung bestimmter Anti-Körper und T-Zellen – beide wichtig für die Immunabwehr. Er basiert auf bestimmten manipulierten Viren, die eigentlich bei Schimpansen vorkommen. Bisher festgestellte Nebenwirkungen, wie Erschöpfung und Kopfschmerzen seien nichts Ernstes, heißt es. Das Mittel zählt zu den aussichtsreichsten Impfstoff-Kandidaten. 35 Länder sollen damit beliefert werden.

Gesponsert von Bill Gates

AstraZeneca arbeitet eng mit dem Serum Institut von Indien (SII) und den von Gill Gates finanzierten Instituten CEPI (Koalition für Innovation zur Vorbereitung auf Epidemien) und GAVI (Impfallianz) zusammen. Das Unternehmen hat auch in den USA den Covid-Impfstoff AZD1222 laufen, der gerade an Erwachsenen klinisch erprobt wird. Bill Gates hat dazu 750 Mio. US-Dollar beigesteuert. Ob das Mittel tatsächlich wirkt, kann nicht einmal AstraZeneca bestätigen. Die USA bestellten bereits 300 Mio. Dosen (zu je 4 US-Dollar). Gates‘ erklärtes Ziel ist die parallele Entwicklung von sieben Impfstoffen, in der Hoffnung, dass einer davon funktioniert. Von den Verschwörungstheorien, er wolle die Menschen über die Covid-19- Impfung „mikrochippen“, hält er nichts: „Ich war noch nie an irgendeiner Art von Mikrochip beteiligt. Es sei schwierig, „dieses Zeug zu leugnen“, weil es so „dumm oder seltsam ist“.

Auch die EU ist Kunde

Die EU-Kommission hat im August einen Vorvertrag mit AstraZeneca über den Kauf eines möglichen Covid-19-Impfstoffes unterzeichnet. Sollte der Impfstoff sicher und wirksam sein, will Brüssel 300 Mio. Einheiten des Serums, plus einer Option auf weitere 100 Mio Dosen, kaufen. Inkludiert ist auch die Möglichkeit, den Impfstoff an Länder mit niedrigem und mittleren Einkommen zu spenden oder an andere Länder in Europa weiter zu geben. Die Zulassung soll beschleunigt werden, die Regulierungsprozesse werden laut EU flexibel aber solide sein.

WHO: keine gesicherten Ergebnisse

Indes meint Weltgesundheitsorganisations-Sprecherin Margaret Harris: „Keiner der Impfstoffkandidaten in fortgeschrittenen klinischen Studien hat bisher ein“ klares Signal „für die Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent gezeigt“, breit angelegte Corona-Impfungen seien daher nicht vor Mitte 2021 zu erwarten. Ungeachtet dessen, will Russland schon im Oktober mit dem selbst entwickelten Impfstoff „Sputnik-V“ mit Massenimpfungen beginnen. US-Präsident Donald Trump hat einen Corona-Impfstoff bis 1. November angekündigt. Laut WHO gibt es weltweit 34 Impfstoff-Kandidaten, die zur Zeit an Menschen getestet werden, weitere 142 Mittel sind in vor-klinischer Begutachtung.