Immer mehr Menschen bauen in ihren Gärten wieder alte Sorten an.

„Der Verlust von biologischer Vielfalt erhöht auch das Risiko für Pandemien“ warnt Dagmar Urban, die politische Referentin der „Arche Noah“, des gemeinnützigen Vereins für den Erhalt, die Verbreitung und die Entwicklung vom Aussterben bedrohter Kulturpflanzensorten. Dabei stützt sie sich auf einen vom Weltbiodiversitätsrat IPBES herausgegeben Report, der diesen Zusammenhang deutlich macht.

Von Kurt Guggenbichler

Nicht nur wegen Corona hat der Verein „Arche Noah“ schon im vergangenen Sommer mit der Sammlung von Unterschriften begonnen, mit denen die Politik aufgefordert wird, die Saatgutvielfalt künftig stärker zu fördern und auch mehr Geld dafür zur Verfügung zu stellen.

25.000 Unterschriften für mehr Geld für Artenvielfalt

„Bis jetzt haben wir 25.000 Unterschriften gesammelt“, erläutert Urban, die diese am 1. März der für Agrarpolitik und Saatgutrecht zuständigen Ministerin Elisabeth Köstinger übergeben will. Im heurigen Budget seien leider nur fünf Millionen Euro für die Absicherung der biologischen Vielfalt eingepreist, heißt es, tatsächlich jedoch würde jährlich weitaus mehr Geld – zumindest aber eine weitere Million – benötigt, um die Biodiversitätskrise zu stoppen.

Über 90 Prozent der Apfelsorten bereits verschwunden

Denn die Saatgut-Vielfalt ist akut bedroht, sagt Urban, nicht nur in der Welt, wo nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) bereits 75 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen verloren gingen, sondern auch in Österreich. Denn:  „In den letzten 120 Jahren sind bei uns 90 Prozent der Apfelsorten verschwunden.“

Durch den jahrzehntelangen industriellen Anbau von Gemüse, sind auch in diesem Bereich nach FAO-Angaben weltweit bereits drei Viertel aller Sorten verschwunden. Diesen Niedergang versuchen nun schon seit einiger Zeit auch in Oberösterreich junge Landwirte sowie Betriebe und Initiativen aufzuhalten, die sich engagiert für die Wiederaufzucht oder die Bewahrung alter und seltener Sorten einsetzen.

Variantenreiche Ernährung stärkt die Gesundheit

Saatgut bilde die Basis für unsere Nahrung und sie sei nicht nur die Grundlage unserer Existenz, sondern auch ein wesentlicher Baustein für unsere Gesundheit, betont Urban: „Eine vielfältige Ernährung ist notwendig für ein starkes Gesundheitssystem.“

Darüber hinaus benötigten wir auf den Feldern auch ein gesundes Ökosystem und pflanzliche Vielfalt sei auch nötig für die Herstellung neuer Medikamente. Aus „Arche Noah“-Sicht wäre es wichtig, eine Koordinationsplattform für Genbanken und andere Erhaltungsinitiativen zu schaffen.