Ein Chemieleck im Werk des koreanischen Elektronikproduzenten LG an der Ostküste Indiens forderte bisher 11 Todesopfer, 1000 Menschen mussten ins Krankenhaus. Im Werk wird Styrol-Synthesegas erzeugt, das zur Herstellung von Kunststoff verwendet wird. Das Werk wurde gestern nach dem Corona-Lock Down erstmals wieder hochgefahren. Nachdem es auch in anderen großen Werken Unfälle gab, werden Fragen nach Sabotage oder Anschlägen laut.

Videos zeigen, wie Menschen im Umkreis von etwa drei Kilometern auf den Straßen nach Luft ringen, zusammenbrechen und ziellos durch die Straße laufen. Es herrschte Panik, weil das Gas wie Nebel in der Luft hing. Menschen, die zu Hause waren, rannten wegen Atemnot panisch ins Freie. 1.000 Personen wurden wegen Atemproblemen und brennenden Augen von 25 Rettungswägen ins Krankenhaus gebracht. Elf Personen starben, darunter ein acht Jahre altes Mädchen.

Ganzes Dorf wurde evakuiert

Eine Person starb, weil sie – vom Gas benommen – in einen Brunnen fiel und ertrank. Eine andere Person sprang in Panik vom Balkon eines zweistöckigen Gebäudes. Die anderen starben im Krankenhaus. Rettungskräfte mussten Türen von Häusern aufbrechen, weil die Bewohner sie von innen versperrt hatten und bewusstlos auf dem Boden lagen. 3.000 Menschen aus einem Dorf nahe des Werkes wurden evakuiert.

Feuer als Ursache

Das Chemiewerk ist die größte Anlage der südkoreanischen LG Chem Ltd. Es befindet sich in Visakhapatnam im Bundesstaat Andhra Pradesh. Im Werk war Feuer ausgebrochen, das rasch gelöscht wurde, aber ein Leck verursachte. Das Gas sei nicht tödlich oder giftig. Es verursache Übelkeit und Schwindel, sagte ein LG-Sprecher. Man kooperiere mit den lokalen Behörden, um den Bewohnern und Angestellten zu helfen. Das Visakhapatnam-Werk ist einer der größten Plastikhersteller in Indien. 300 Menschen sind dort beschäftigt.

Wegen Corona beschloss die indische Regierung am 25. März einen landesweiten Lock Down. Am Montag begann man mit Lockerungen. Geschäfte und Fabriken durften wieder öffnen. In Indien starben bisher knapp 1.700 Menschen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus.

Inder diskutieren auf Twitter, dass es nahezu gleichzeitig zu Visakhapatnam auch schwere Unfälle in Raipur und Cuddalore gegeben hätte. Deswegen hält man auch Sabotage oder Anschläge für möglich.