Letzten Freitag wurde ein französischer Polizeibus gesichtet, der im unmittelbaren Grenzgebiet bei Clavière, in der Turiner Gegend, illegale Migranten in einem Wald in Italien absetzte.

Von Kornelia Kirchweger

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Innenminister Matteo Salvini attackierte daraufhin den französischen Präsidenten Emmanuel Macron: „Wenn Macron glaubt, er kann sich über Italien lustig machen, irrt er! Italien lässt sich von niemanden auf dem Kopf herumtanzen

Unerhörter Affront

Die französischen Behörden bestätigten den Vorfall und bezeichneten ihn als „Irrtum“.

Salvini konterte zornig auf Facebook: Was in Clavière geschah sei ein unerhörter Affront gegen das Land. „Ich wundere mich, dass keine internationale Organisation – von UNO bis Europa – es nicht „abstoßend“ findet, Menschen in einer einsamen Gegend zurückzulassen, ohne Hilfe und ohne es zu melden.

Wer waren diese Immigranten? Woher kamen sie? Warum wurden sie ausgesetzt? Ist es für das zivilisierte Paris normal, Leute in Wäldern auszusetzen? Warum sagen die Franzosen es waren Gendarmen, die den Weg nicht kannten, wenn der Bus ohne zu zögern mit großer Geschwindigkeit zurückfuhr?

Aufklärung gefordert

Wir haben es hier mit einer internationalen Schande zu tun und Herr Macron kann sich nicht herausreden. Wir akzeptieren keine Ausreden, schreibt Salvini.

Der Fall flog auf, weil die Gegend um Clavière wegen Aktivisten überwacht wird, die illegale Migranten unterstützen. Salvini forderte eine rasche Aufklärung des Vorfalles. Er wolle nicht glauben, dass das Frankreich von Macron die eigene Polizei dazu einsetzt, heimlich Immigranten in Italien abzuladen. Er verlange Klarheit, vor allem von jenen, die Italien täglich eine Predigt halten…

Salvini fordert Aufklärung von Macron.

Salvini lässt von Migranten besetzte Kirche räumen

Jährlich versuchen Tausende Migranten illegal von Italien nach Frankreich zu kommen. Sie werden dabei von Aktivisten unterstützt. Die Situation in Clavière spitzte sich in den letzten Monaten immer mehr zu.

Aktivisten der NGO „Keine Grenzen“ besetzten dort seit Ostern die Kirche, die als Unterkunft für Migranten diente. Es war eine Art „Wartesaal“ in Grenznähe, um illegal nach Frankreich zu gelangen. Bald kam es zu Protesten der Stadtbewohner, weil es häufig Einbrüche und Diebstähle gab.

Aktivisten stürmten Messe

Auch dem Pfarrer, der den Migranten anfangs helfen wollte, wurde es zu viel. Er brachte eine Beschwerde ein. Die Kirche wurde schließlich Anfang Oktober auf Anweisung von Innenminister Salvini geräumt.

Auch das illegale Zeltlager vor der Pfarre wurde aufgelöst. Aktivisten stürmten daraufhin die Messe, verlasen eine Protestnote und beschimpften den örtlichen Bischof. Besonders erzürnt waren sie darüber, dass die Migranten in eine andere Unterkunft, 15 km von der Grenze entfernt, untergebracht wurden.