Ach, was muss man oft von bösen
schwarz-türkisen Buben lesen,
die sich mit reichen Leuten schmücken,
um diese wieder zu beglücken;
die spionieren und verschleiern,
tausend schöne Sprüche leiern,
Gerüchte streuen, Daten schreddern,
in Widersprüche sich verheddern,
und auf ihren hohen Zinnen
dichte schwarze Netze spinnen.
Drum ist hier, was sie getrieben,
für alle Zeiten aufgeschrieben.

Einmal gab es wie noch nie
Stress fürs blaue Federvieh.
Fast dem Ende war es nah
auf der Insel Ibiza.
In einer Villa voll mit Wanzen,
ließ man die beiden Gockel tanzen.
Und plötzlich war da, 1, 2, 3,
eine sexy Frau dabei.
Wodka-Drogenmix für alle:
Fertig war die Gockelfalle.
Tief im Mauerwerk versteckt,
dass man sie nicht gleich entdeckt,
lauern Abhörmikrophone,
winzig tückische Spione,
Wanzen mit und ohne Kabel.
Der blaue Hahn wetzt schon den Schnabel,
Kikriki und Blahblahblah.
Leise surrt die Kamera.
Kaum setzt er fort sein lautes Kräh’n,
war’s auch schon um ihn gescheh’n:
Denn als die beiden sich besinnen,
können sie nicht mehr von hinnen,
flattern auf und in die Höh‘,
ach herrje, ojemine!

Beide hängen, welche Tücke!,
an dem wirren Kabelstricke,
und ihr Hals wird lang und länger,
ihr Gesang wird bang und bänger.
Die schwarzen Buben drüber lachen
und ihre Späße damit machen.
Obwohl dies alles sehr geheim –
sie wussten Bescheid und ihr Verein.
„Was die sprachen, die zwei Gockeln,
haut den Stärksten aus den Sockeln,
über Spenden und Vereine,
wie hält man die Presse an der Leine.
WIR sind da schon etwas schlauer
als so ein naiver Blauer.
WIR reden da nicht lang herum,
wir MACHEN’S einfach! Schluss. Punktum.“

Dieses war der erste Streich,
und der zweite folgt sogleich.

Jeder kann sich noch erinnern
an die Ministerschar im Innern.
Waren schwarz seit eh und je,
auch Justiz und BVT:
Alles das gehörte ihnen,
ein dunkles Netzwerk herrschte drinnen.
Doch als die Herrschaft war vorbei,
ertönte lautes Wehgeschrei,
meckern lauthals „Meck meck meck,
der Minister, der muss weg,
denn er deckt sonst alles auf!“
Drum macht man schnell den Deckel drauf.
Die schwarzen Buben, unverdrossen,
dachten gleich an neue Possen:
Wollen selber fein sich’s richten,
erfinden blaue Schuld-Geschichten,
dass sie treiben schlimme Sachen
und uns heimlich überwachen.
Und obwohl dies frech gelogen,
hat man’s doch so hingebogen,
dass von dem, wovon man schreibt,
irgendetwas hängen bleibt.
Und dazu kommt – hurra hurra –
noch eine blaue Razzia!
Und das, obwohl sie sich mit Tücken
stets mit blauen Federn schmücken!
Es stecken die Buben, diese netten,
Käfer in die blauen Betten,
damit sie nächtens – kritze kratze –
krabbeln raus aus der Matratze.
Doch sie haben sich vertan,
weil sie das Licht nicht machten an.
So landeten die Krabbeltiere,
o weh, im eigenen Reviere.
Denn alles kommt meist Stück für Stück
wie ein Bumerang zurück,
und man sieht die Täter enden
im Sumpfe von Parteienspenden.

Dieses war der zweite Streich,
und der dritte folgt sogleich.

Die Reichen es oft regnen lassen
aus dem Füllhorn ihrer Kassen.

In ihren Häusern ist’s verwahrt
und in Kisten aufgebahrt.
Die Schwarzen wollen diese Gaben
auf alle Fälle für sich haben,
doch da dies heimlich soll geschehen,
muss man durch den Schornstein gehen.
So wurden die türkisen Knaben
wieder pechschwarz wie die Raben.
Doch leider war’s das falsche Haus:
Der Bäcker schaut beim Fenster raus.
Krach, da brach er ab, der Zweig,
platsch, da lagen sie im Teig.
Ab damit ins Ofenloch,
denn im Herde glüht es noch.
Knusprig schiebt man sie heraus,
man dachte schon, oh weh und Graus,

Man dachte schon: Sie sind hinüber,
doch sie retteten sich drüber.
Und knusper-knusper wie die Mäuse
fraßen sie sich durchs Gehäuse.

Dieses war der dritte Streich,
und der vierte folgt sogleich.

Man weiß: Im Kanzleramtsgemäuer
gibt’s Daten, die sind nicht geheuer.
Sie enthalten allerlei
über die Sauberkeitspartei.
Darum heimlich in den Sack
den brisanten Plattenpack,
auf dass alles voller Tücke
zerschnipselt werd‘ in tausend Stücke.
Schon sieht man Herrn A, die Flasche,
mit einer schwarzen Aktentasche
auf der Straße heimlich schleichen
und bei jedem Schritt erbleichen;
denn die Nerven sind am Sande,
voll Panik, dass man ihn erkannte.
Und dem Kerl wurd‘ es schwüle,
denn er nähert sich der Mühle,
um aus den delikaten Sachen
Mini-Mikro-Staub zu machen.
Rein damit durch diesen Trichter
in den Beweismittelvernichter!
Ricke racke, ricke racke,
geht die Mühle mit Geknacke.
Fort sind die Daten, juchhe, juchhe,
übers geheime BVT,
über Spenden groß und klein,
die man gerne hält geheim,
gekaufte KRONE, BKA,
vor allem über I B I Z A!
Dreimal geht es ritsche-ratsche,
und schon sitzt man in der Patsche.
Denn er macht’s mit falschem Namen,
worauf dem Meister Zweifel kamen.
Die Sache ist jetzt plötzlich heiß,
und die Weste nicht mehr weiß.
Und man hört’s an allen Ecken:
Was haben die da zu verstecken?
Wie lange wussten die schon alle
von der Geheimdienst-Gockel-Falle?

Die schwarzen Buben handeln gleich:
Und jetzt folgt der letzte Streich:

„SKANDAL, SKANDAL! Wir Armen! Schaut!
Man hat Daten uns geklaut!“
Man schreit sich förmlich einen Kropf,
und die Ermittler stehen Kopf,
sind aufs Ermitteln ganz versessen,
und Ibiza ist schon vergessen.
Auch die Festplattenvernichtung
gehört bereits ins Reich der Dichtung.
Niemand fragt den Schreddermann,
was er da eigentlich getan,
in welchem Auftrag er geschummelt,
und Beweise hat verbummelt.
Doch die Pfeife aller Pfeifen
ist abgetaucht und nicht zu greifen.
Wichtig wäre auch, zu fragen,
warum ist nach mehr als Tagen
vom Attentat auf Ibiza
noch immer kein Ergebnis da?
Warum sind die Ermittler nach so vielen Wochen
noch nie aus ihrem Bau gekrochen?
Darf man bei so brisanten Sachen
einfach Dauerurlaub machen,
sich im Dornröschenschlaf befinden?
Soll man etwa gar nichts finden?
Denn vor der Wahl wär das fatal,
so versenkt man diesen Fall,
auf dass niemand weiß Bescheid,
bis in alle Ewigkeit.