Ing. Siegfried Mayr vor dem schon 1914 errichteten Kleinkraftwerk seines Urgroßvaters in Herrenberg.

Das Bestreben der Menschen, in vielen Bereichen nicht nur von einem großen Versorger abhängig sein zu müssen, hat in den letzten Jahren zugenommen – auch in Oberösterreich.

Ein Beitrag von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

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So werden Lebensmittel nicht mehr ausschließlich in Supermärkten gekauft, sondern zunehmend auch beim Bauern ab Hof. Auch Strom wird, falls möglich, gern von Kleinkraftwerksbetreibern bezogen.

Zeitalter der öffentlichen Stromversorgung

Karl Radner war ein weitsichtiger Mann. Als die Elektrifizierung in Österreich noch in den Anfängen steckte und im Almtal sogar noch in sehr weiter Ferne lag, wälzte der Wirt des Gasthauses Ranklleiten in der Gemeinde Pettenbach schon Pläne für eine eigene Stromerzeugung.

Die dezentrale Elektrizitätserzeugung hatte erst Anfang der 1880er-Jahre begonnen. Zunächst einmal wurden hauptsächlich Fabriken und öffentliche Gebäude mit Strom versorgt. Sechs Jahre später wurde just in der Gemeinde Scheibbs in Niederösterreich das Zeitalter der öffentlichen Stromversorgung eingeläutet.

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Elektrizitätsausstellung in Steyr

Mag sein, dass sich Radner damals gesagt hatte, was in Scheibbs geht, sollte auch bei uns möglich sein.
Zwei Jahre zuvor hatte bereits der Waffenfabrikant Josef Werndl mit seiner Elektrizitätsausstellung in Steyr für Aufsehen gesorgt.

Dadurch wurde Steyr zur ersten größeren Stadt der Welt, in der durch Ausnutzung der Wasserkraft schon einzelne Stadtteile vorübergehend elektrisch beleuchtet waren. Als Linz 1897 dauerhaften Strom bekam, könnte diesen wohl auch Radner für seine Region schon begehrt haben.

Zwei Kleinkraftwerke

Dennoch dauerte es noch siebzehn weitere Jahre, bis er Nägel mit Köpfen machte und sich das Gelände einer alten Mühle an der Alm kaufte und ein kleines Kraftwerk mit einer Turbine bauen ließ. Dieses Kraftwerk Herrenberg gibt es noch heute. Es liegt auf Scharnsteiner Gemeindegebiet und versorgt die Haushalte in der Umgebung mit Strom.

Betrieben wird es heute von Ing. Siegfried Mayr, dem Urenkel des Kraftwerksgründers, einem gebürtigen Welser und gelernten Elektrotechniker.
1992 hat Mayr eine zweite Turbine einbauen lassen. 2006 hat er zudem noch ein weiteres Kleinkraftwerk an der Brandstatt-Wehr auf Pettenbacher Gemeindegebiet errichtet. „Mit beiden Kraftwerken werden heute 170 Haushalte in der Umgebung versorgt“, betont Mayr – und weitere Hundert Abnehmer habe er noch im restlichen Oberösterreich wie auch in Niederösterreich und in Wien.

Luft nach oben

Trotzdem gibt es noch Luft nach oben. Denn von der Kapazität her könnte Mayr mit seinen beiden Kleinkraftwerken leicht 550 Haushalte versorgen. Das Gros seiner Abnehmer in der Umgebung siedelt auf einer genau eingegrenzten Fläche von etwa einem Quadratkilometer. Das ist das Gebiet, in dem Mayr seinen „Alm-Strom“ verkaufen darf und er kennt auch jeden einzelnen seiner Kunden wie er mit leuchtenden Augen erzählt.

Stromerzeugung und Stromverkauf scheint eine richtig spannende Aufgabe für den 45-jährigen Mann zu sein. Was reizt ihn so daran? Zum einen ist es die Tatsache, dass Stromerzeugung durch Wasserkraft wohl die effizienteste und nachhaltigste Art sei, zum anderen, weil es einem auch das Gefühl der Sicherheit gebe. Immer wieder lese man von der drohenden Gefahr eines Blackouts.

Wertvoller Beitrag

Kleine Wasserkraftwerke funktionieren nach demselben Prinzip wie die großen. Sie unterscheiden sich nur durch ihre Leistung. Das alte Kraftwerk von Mayr in Herrenberg ist für 180 Kilowatt ausgelegt, das neue in der Brandstatt-Wehr schafft 125 Kilowatt.

An der inländischen Stromerzeugung haben die Kleinwasserkraftwerke einen Anteil von 7,2 Prozent. Diese – darunter auch das von Mayr – tragen somit wesentlich zum gesamtösterreichischen Wasserkraftaufkommen von 62,3 Prozent bei.