Oberösterreichs „fünftes Viertel“, das Salzkammergut, ist reich an regionaltypischen Bekleidungsstücken: Zum Ischler-Hut und Goiserer-Schuh gesellt sich nun auch das frisch kreierte Salzkammergut-Hemd. Am 18. September wird es im „Hand.Werk.Haus“ in Bad Goisern offiziell präsentiert.

Ein Lokalaugenschein mit Kurt Guggenbichler

Ein kleinerer Kreis bekam das Salzkammergut-Hemd dort schon im Juli zu sehen, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Floral genial“, die den sogenannten Meistersommer einläutete. In dieser Ausstellung zeigen renommierte Handwerksmeister ihre Qualitätsprodukte, die noch bis einschließlich 16. Oktober zur Schau gestellt sind.

Alte Vorlagen

Mit seinem blumigen Muster passt auch das neue Salzkammergut-Hemd hervorragend zum Ausstellungsthema und zum derzeitigen Hemdentrend. „In den 1960er-Jahren waren Blumenhemden bereits en vogue“, erinnert sich ein älterer Ausstellungsbesucher und freut sich darüber, dass florale Hemdenmuster wieder so in Mode sind.

Doch nicht an den Farben und Mustern der Hippie-Ära hat sich Jörg Hoffmann, ein Künstler aus Gosau, bei der Farb-und Musterauswahl orientiert, sondern an alten „Vorsatzpapieren“ aus dem 16. Jahrhundert.

Vorsatzpapiere werden die Schmuckblätter auf den Innenseiten der Buchdeckel am Anfang und am Ende genannt. Daraus hat Hoffmann ein eigenes Stoffmuster entworfen. Aus dem Stoff schuf Astrid Pochendorfer, die Junior-Chefin der Hemdenmaßschneiderei „Valentin“ aus Schärding, drei verschiedene Modelle.

Charakteristische Note

„Es sind drei eigenständige Linien“, erläutert sie beim „Wochenblick“-Besuch in ihrer Werkstätte, wo wöchentlich 50 bis 70 handgeschneiderte Hemden die kleine, feine Manufaktur verlassen. „Vom Business-Hemd bis zum Trachtenhemd ist da alles dabei“, sagt Astrid, die sowohl den Stoff für das Salzkammergut-Hemd ausgesucht als auch den Schnitt dafür bestimmt hat.

Beim Stoff hat sich die ehemalige Absolventin der Linzer Modeschule für Baumwollsatin entschieden. Bei den Schnitten lehnte sie sich an Formen von Hemden aus der Jahrhundertwende an.

Handwerk verknüpft Tradition und Moderne

„Altes bewahren und Neues ausprobieren“, schwärmt Pochendorfer, „das ist das Schöne und Aufregende am Handwerk.“ Diese Dualität, verbunden mit Kreativität, brachte auch das neue Salzkammergut-Hemd hervor.

Es entstanden drei Prototypen, die es bald als Konfektionsware geben wird. „Die stellen dann allerdings andere her“, sagt die „Valentin“-Chefin, die weder mit ihrer technischen Ausstattung noch mit ihren sieben Mitarbeitern eine Massenfertigung bewerkstelligen könnte.

„Aber als maßgeschneidertes Einzelprodukt kann man auch von mir das Salzkammergut-Hemd immer haben“, betont sie und verweist auf die drei vorhandenen Varianten.

Drei Varianten

Variante eins ist ein Langarmhemd mit Haifischkragen und eher konservativ. Die zweite Variante ist ein legeres Hemd mit Rundkragen und Borten, und die dritte, die sogenannte Lido-Variante, ist ein Hemd mit Kurzarm und Ausschlagekragen.

Wie sich bei der Ausstellungseröffnung im „Hand.Werk.Haus“ in Goisern zeigte, sei die Nachfrage groß. Auch andere Handwerker aus dem Salzkammergut überlegen schon, ob sie den neuen Hemdenstoff nicht auch bei ihren jeweiligen Erzeugnissen verarbeiten sollten, beispielsweise als hübsches Hutband oder als kleines Accessoire am Schuh.

Herrenmode als Spezialität

Sogar einen Mund-Nasenschutz, eine sogenannte Corona-Maske, gibt es bereits aus diesem neuen Hemdenstoff, und Damen können sich auch eine Bluse daraus schneidern lassen. Doch lieber arbeitet Astrid Pochendorfer für Herren, wie sie betont.

Die seien einfach zu beraten. „Einen Mann anzuziehen, ist jedenfalls leichter, als ihn auszuziehen“, schmunzelt die 38-jährige Hemdenmacherin, die ihr Handwerk offenbar beherrscht.

Denn der für das Hemdenmuster verantwortliche Künstler Jörg Hoffmann streut ihr Rosen: „Dass das alte Muster so frisch wirkt“, meint er, „liegt auch an der wundervollen Verarbeitung.“