Unter der Prämisse der Bekämpfung von Korruption und Steuerbetrug wird darüber diskutiert, große Geldscheine und in weiterer Folge Bargeld gänzlich abzuschaffen. Als erster Schritt wurde in der Eurozone die Einstellung der Ausgabe des 500-Euroscheins für das Jahr 2018 beschlossen.

Ein Kommentar von Dr. Herbert Samhaber

Neben der Schattenwirtschaft werden auch die Abwicklungskosten von Bargeld als Argument für seine Abschaffung angeführt. Diese umfassen unter anderem Sicherheitsmaßnahmen bei Transport und Lagerung und Produktionskosten inklusive teurer Sicherheitsmerkmale. Ein rein elektronischer Zahlungsverkehr wäre deutlich günstiger.

Verlust der Privatsphäre

Aus Sicht von uns Bürgern überwiegen jedoch meiner Meinung nach die negativen Aspekte im Falle einer Abschaffung des guten, alten Bargeldes. Die Privatsphäre in Bezug auf Geld wäre gänzlich aufgehoben. Wir wären den Banken und der Technik ausgeliefert. Jegliches Bargeld müsste auf Konten eingezahlt werden.

Wir wären einem Kontozwang unterworfen. Wir hätten keine Möglichkeit Teile unseres Geldes außerhalb des Bankensystems zu halten. Im Falle eines großen Bankcrashs müssten wir uns auf gesetzliche Absicherungsinstrumente wie die Einlagensicherung verlassen, die wiederum mittlerweile ausschließlich bankenfinanziert ist.

Kulturgut geht verloren

Stellen Sie sich vor, ein Computervirus legt das elektronische Bankensystem oder zumindest das System Ihrer Hausbank lahm. Im schlimmsten Fall ist das Geld weg. Im besten Fall können Sie nur kurz auf das Geld nicht zugreifen. Wie wollen Sie sich Nahrungsmittel kaufen oder die Tankfüllung für Ihr Auto zahlen? Die Griechen mussten in jüngster Vergangenheit am eigenen Leib erleben, wie es ist kein bzw. nur in geringen Mengen Bargeld zu erhalten. Eine kleine Spende für einen Bettler, Trinkgeld in einem Lokal, Taschengeld für die Kinder – Scheine und Münzen sind in unserer Gesellschaft fest verankert.

Mit der Abschaffung des Bargeldes würde ein Stück Kulturgut abgeschafft! Bargeld schafft auch eine bessere Kontrolle über die Ausgaben. Laut dem Ökonomen Friedrich Schneider wäre ein Chaos aus Alternativwährungen und Edelmetallen auf dem Schwarzmarkt die Folge, die Menschen würden auf andere Währungen umsteigen. Auch Gutscheinsysteme, mit denen Waren und Dienstleistungen getauscht werden können, wäre eine Alternative.

Chaotische Zustände

Ohne Bargeld wären wir gegen Überweisungsspesen machtlos. Zahlungen könnten nur mittels Überweisung erfolgen. Wir wären gezwungen, unser Geld zur Gänze auf Bankkonten zu halten. Dadurch wären wir Negativzinsen hilflos ausgeliefert. Die Staaten könnten die Bank als Gehilfen nutzen, um die Staatshaushalte auf Kosten unserer Ersparnisse in Ordnung zu bringen und den einzelnen Sparer über den Umweg der Negativzinsen zu enteignen. Bei der aktuell hohen Schuldenquote einiger Staaten scheint das nicht gänzlich utopisch.

Die Beispiele in Indien und Venezuela haben kürzlich gezeigt, dass allein die Abschaffung großer Bargeldnoten bereits zu chaotischen Zuständen führen kann. Man könnte durch die Abschaffung von Bargeld vermutlich Steuerbetrug im kleineren Rahmen eindämmen. Organisierte Kriminalität und Betrug im großen Stil wird diese Maßnahme vermutlich nicht stoppen können. Ich spreche mich deutlich gegen die Abschaffung von Bargeld aus.

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Immer mehr „Fake News“ sind in den Medien im Umlauf. Doch wie soll man mit diesem Phänomen umgehen? Zu dieser Frage hat der „Wochenblick“ am 9. März in Linz eine Veranstaltung organisiert.

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