In Dänemark stellen Imame immer öfter Scheidungsverträge nach Scharia-Gesetz aus. Darin werden Frauen unglaubliche Verpflichtungen auferlegt, ansonsten würden sie ihre Kinder verlieren. Das verstößt gegen dänisches Recht. Ein neues Gesetz soll dem Einhalt gebieten. Solchen Imamen drohen künftig Haftstrafen von bis zu drei Jahren. 

Von Kornelia Kirchweger

Konkret soll es einen Gesetzesvorschlag geben, der die Strafgründe für „psychische Gewalt“ erweitert: neu dazu kommen negative, soziale Kontrolle, Scharia-Scheidungsverträge und andere Praktiken, die Bürger von einer Scheidung abbringen sollen.

Es gilt dänisches Recht

Man müsse die Vorgehensweise solcher Imame sehr ernst nehmen, eine Gesetzesänderung könne dazu beitragen, sagte Einwanderungsministr Mattias Tesfaye. Man könne Imamen keinen Freibrief geben, sich derart in Scheidungen einzumischen und dabei dänisches Recht außer Kraft zu setzen. Das neue Gesetz müsse auch eine Bestrafung für negative, soziale Kontrolle seitens Familienmitgliedern vorsehen.

Brutale Auflagen für Frauen

Medien berichteten über den Inhalt des besagten Scheidungsvertrages den der in Odense gut bekannte Imam, Abu Bashar, ausgestellt hatte: demnach würde die Frau ihre Kinder verlieren, sollte sie wieder heiraten, ihren Wohnsitz mehr als 130 km entfernt verlegen oder Schande über die Familie bringen. Solche „Verträge“ verstoßen ganz klar gegen dänisches Gesetz. Der Vertrag wurde vom Imam und der Frau unterzeichnet. Der Bürgermeister von Odense, Peter Rahbaek Juel, reagierte entsetzt: das sei inakzeptable, psychische Gewalt, die über das Scharia-Gesetzt ausgeübt werde. Der Imam wurde angezeigt und die Behörden fragen sich, wie viele solcher Verträge bisher schon ausgestellt wurden.

Ethnien-Verband: schlechte Lösung

Eine Sprechern des Verbandes Ethnischer Minderheiten (REM) glaubt, dass dieses Problem nicht mit einer schärferen Vorgehensweise gelöst werden kann. Das würde Frauen, Familien und Imame eher in den „Graubereich“ abdrängen und die Ansicht verstärken, Politiker wollen nur Muslime bestrafen. Die Gesellschaft solle statt dessen „eine Alternative zu solchen Verträgen anbieten“, da Frauen oft keinen anderen Ausweg haben. Was ihr dabei vorschwebt, sagte sie nicht.