Mehr als 1,1 Mio. Oberösterreicher sind am 26. September wahlberechtigt – die heiße Phase des Wahlkampfs hat nun begonnen. Seit dem vergangenen Wochenende luden die Parteien vermehrt zu viel beachteten Veranstaltungen – und hinterließen unterschiedlichste Eindrücke.

  • Bei SPÖ, Grünen und NEOS scheint sich eher Verzweiflung als Aufbruchstimmung breit zu machen
  • Stelzer und Kurz werden vom Mainstream zwar gefeiert – Bürger protestierten dennoch gegen ihre Auftritte
  • ÖVP versucht, sich mit „fremden Federn“ zu schmücken und wirbt mit Themen und Errungenschaften aus FPÖ-Ressorts
  • Haimbuchner und Kickl begeistern weiterhin im Zuge ihrer „Freiheits-Tour“ durch alle vier Viertel
  • Neue Partei „MFG – Menschen, Freiheit, Grundrechte“ tritt erstmals bei einer Landtagswahl an

Rot, Grün, Pink: Verzweifeltes Ringen um Wählergunst

In ihrer allgemeinen Corona-Angst verlegte die SPÖ ihren Wahlauftakt aus Wels nach Steyr – eine ihrer letzten Hochburgen. Man gab sich dort mit 500 registrierten Genossen zufrieden, verzichtete sogar auf die Parteiprominenz aus Wien. Die in den letzten zwei Wahlen auf 18,3 Prozent halbierte Partei will wieder die 20-Prozent-Marke und den zweiten Landesrat erreichen – Umfragen zufolge dürfte das ein frommer Wunsch bleiben.

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Schon zwei Wochen länger sind die Grünen im Wahlkampf, sie treten aber ebenfalls auf der Stelle. Sie versuchen es zudem einerseits mit Grusel-Plakaten, die weite Teile der Bauernschaft verunglimpfen – und andererseits mit Heile-Welt-Videos, die ausgerechnet mit dem Heimatbegriff der ländlichen Idylle wenig glaubwürdig werben (Wochenblick berichtete).

Den erstmaligen Einzug könnten die NEOS schaffen, die sich am Freitag der Vorwoche mit ihrem „Zukunftsvillage“ auf den Linzer Hauptplatz wagten. In Umfragen bewegen sie sich rund um die Fünf-Prozent-Hürde, ein wiederholtes Scheitern daran nach einem bislang eher farblosen Wahlkampf ist allerdings weiterhin nicht ausgeschlossen. 

Kein glorreicher Empfang für Kurz & Stelzer

Erst diese Woche startete die ÖVP offiziell in den Wahlkampf – die ÖVP-freundlichen Mainstream-Medien sprechen davon, dass Stelzer das Linzer Design Center „zum Kochen“ brachte. Allerdings nicht nur in positiver Hinsicht: Denn radikale Tierschutz-Aktivisten bekundeten ihren Protest gegen den Landeshauptmann im Vorfeld der Veranstaltung – das Agrar-Ressort ist fest in türkiser Hand. Für Bundeskanzler Sebastian Kurz begann der Spießrutenlauf hingegen bereits am Flughafen in Hörsching: Direkt bei seiner Ankunft begrüßten erboste Bürger den Kanzler unter anderem mit „Volksverräter“-Rufen, wie die AUF1-Nachrichten berichten.

Schon in der Woche zuvor fanden aber erste Veranstaltungen in Andorf und Seewalchen mit Thomas Stelzer statt. In dieser Woche trat er zu einer Werbeveranstaltung auf dem Rieder Volksfest an. Im Trubel in der Menschenmenge waren dabei plötzlich auch alle von seiner Partei als so notwendig gepredigten Corona-Abstandsregeln einerlei: Er präsentiert ganz offen die Bilder vom Händeschütteln. Die Inszenierung erinnert kritische Bürger ein wenig an das Bad von Sebastian Kurz in der Menschenmenge im Kleinwalsertal im Vorjahr. Der Schein des „großen Zuspruchs“ trügt ohnehin: Vor zwei Jahren kamen noch doppelt so viele Menschen auf die traditionsreiche Messe, um sich die ÖVP-Granden zu geben. 

ÖVP will mit „Copycat-Kurs“ bei FPÖ-Wählern fischen

Schon zuvor hatte die OÖVP ihr Programm vorgestellt. Der Landeshauptmann setzt auf Familie, Naturschutz, Sicherheit, Verkehr und Migration – und versucht mit diesem fremden Federschmuck bei FPÖ-Wählern zu fischen. Denn die Errungenschaften in den zugehörigen Ressorts geschahen in den letzten Jahren in blauer Ressortverantwortung und zeigen durch die Bank eine klare freiheitliche Handschrift. Der „Copycat“-Kurs der ÖVP dürfte ein taktisches Kalkül haben.

Denn laut Beobachtern könnte die ÖVP befürchten, dass ihr der Corona-Kurs der Bundesregierung noch auf den Kopf fällt. Politologen und Mitbewerber glauben schon länger, dass sich die Kanzlerpartei mit der Ankündigung ganz besonders harter Maßnahmen bis nach dem Urnengang geduldet. In diesem Fall könnte Stelzer und den Seinen drohen, das Ergebnis aus dem Jahr 2015 zu unterbieten – 36,37 waren der historisch schlechteste Wert für die ÖVP in Oberösterreich. Erste Umfragen weisen einen solchen Bergab-Trend für die Türkisen bereits aus.

Blaue Freiheits-Tour nimmt weiter Fahrt auf

Diese Sorge ist durchaus begründet: Denn die FPÖ steuert in diversen Umfragen auf 25 Prozent zu und feierte ihren Wahlauftakt in Wels in der Vorwoche bei bester Stimmung mit 4.000 Gästen. FPOÖ-Chef und Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner, Bürgermeister Andreas Rabl sowie Bundesparteichef Herbert Kickl hielten vielbeachtete Reden und erneuerten ihr Plädoyer für die Freiheit und die Sicherheit der Heimat. Wochenblick war vor Ort und fing die besten Eindrücke für unsere Leser ein.

Am Freitag fand die Freiheits-Tour ihre würdige Fortsetzung in Micheldorf im Traunviertel, ehe kommenden Freitag in Ried im Innkreis quasi ein echtes „Heimspiel“ stattfindet. Denn im Innviertel sind die Freiheitlichen traditionell stark, in der Mehrheit der Bezirke wurde sie 2015 sogar stärkste Kraft. In zahlreichen Gemeinden verteidigt sie bei den gleichzeitig stattfindenden Gemeindewahlen auch daher einen Bürgermeistersessel.

Schafft neue Partei den Einzug in den Landtag?

Ebenfalls bereits länger im Wahlkampf befindet sich die neue Partei MFG (Menschen, Freiheit, Grundrechte) rund um ihren Spitzenkandidaten Joachim Aigner. Laut Angaben der Partei kamen beim Wahlauftakt am 19. August etwa mehr als 700 Menschen in die Linzer Tabakfabrik. Die Partei kann insbesondere auf regen Zuspruch im Lager der Maßnahmenkritiker setzen.

Jüngste Umfragen deuten an, dass es sich mit dem erstmaligen Einzug aus dem Stand ausgehen könnte. Denn in einer aktuellen Umfrage zufolge wurde ein vergleichsweise hoher Wert von 5-7 Prozent im Bereich der „Sonstigen“ ausgewiesen, der Großteil davon dürfte auf MFG entfallen.

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