Wie die Washington Post berichtet, häufen sich in Krankenhäusern in den USA Schlaganfälle mit Corona infizierten, jüngeren Personen ohne Vorerkrankungen. Sie sind im Durchschnitt zwischen 30 und 50 Jahren alt. Auch in anderen Ländern wurde das beobachtet. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel. Eine Antwort erhofft man sich durch die Analyse von Schlaganfällen oder anderen neurologischen Komplikationen Tausender Covid-19 Patienten die in 68 Krankenhäusern in 17 Ländern, behandelt wurden.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Das Virus greift Blutgefäße an

Auch Österreichs Top-Genetiker, Dr. Josef Penninger, stellte schon fest: nicht nur die Lunge, auch die Blutgefäße können direkt infiziert werden und die Folgen der Covid-19- Erkrankung deshalb so schwerwiegend sind. Ärzte fanden etwa bei schweren Covid-19-Fällen überall in der Lunge winzige Blutklumpen – Blockaden, die eine Versorgung des Körpers mit Sauerstoff einschränken oder verhindern. Die vermehrten Schlaganfälle bei jüngeren, bis dato gesunden Menschen, werfen also viele Fragen auf: kann das Virus eine tödliche Blutgerinnungskomplikation bei Coronavirus-Patienten auslösen? Ist die Blutgerinnung die Folge eines direkten Angriffs des Virus auf die Blutgefäße, oder etwa eine Reaktion des Immunsystems auf die Infektion. Treffen solche Schlaganfälle deshalb eher jünger Personen, weil sie resistenter gegen die durch Covid-19 verursachten Atemwegserkrankungen sind, bekommen dann aber andere Probleme?

Traurige Fallbeispiele

Detaillierte Berichte über Schlaganfälle dieser Kategorie kommen in New York etwa aus dem Mount Sinai Spital und dem Thomas Jefferson Universitäts-Krankenhaus. Als Beispiele werden fünf Fälle genannt, die bald in einschlägigen Fachzeitschriften analysiert werden. Sie betreffen Personen im Alter von 33, 37, 39, 44 und 49 Jahren ohne Vorerkrankungen. Die ersten Symptome waren Sprechstörungen, tauber Arm oder taube Gesichtshälfte. In allen Fällen warteten die Patienten zu, aus Angst sich im Spital mit Corona anzustecken. Sie wussten nicht, dass sie Corona-positiv waren. Eine Person verstarb, zwei weitere sind noch im Krankenhaus, einer wurde in eine Reha, ein anderer in häusliche Pflege entlassen. Nur eine der fünf Patienten, eine 33jährige Frau, kann wieder sprechen.

Europa führt weltweit bei Corona-Toten

In den 50 Bundesstaaten der USA verstarben bisher 55.417 Menschen im Zusammenhang mit Corona. In der EU wird diese Zahl von nur drei Ländern deutlich übertroffen: an der Spitze liegt Italien (26.644), gefolgt von Spanien (23.190) und Frankreich (22.856). Die wenigsten Corona-Todesfälle gibt es in Lettland (12) und der Slowakei (18). Sehr niedrig sind die Zahlen auch in Estland und Litauen, in beiden Fällen je zwischen 40 und 50, in Kroatien (55) und Slowenien (82). Österreich liegt mit 542 Todesfällen etwa gleich mit Polen (535). Weltweit gibt es bisher 207.000 festgestellte Corona-Todesfälle.